Geschäft der Kinobetreiber

Umsätze in Bremer Kinos brechen ein

Der Sommer und dann noch die WM – 2018 war für die Kinobranche ein schlechtes Jahr. Im Land Bremen brach der Umsatz um knapp 20 Prozent ein. Inzwischen gibt es aber Hoffnungszeichen.
24.07.2019, 21:43
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Umsätze in Bremer Kinos brechen ein
Von Lisa Boekhoff
Umsätze in Bremer Kinos brechen ein

Das Cinespace in der Waterfront verzeichnete 2018 deutlich weniger Umsatz. Das Kino setzte zum Ende des Jahres auf einen umfangreichen Umbau.

Christina Kuhaupt

Komödie? Tragödie? Welches Genre beschreibt das Bremer Kinojahr 2018 am besten? Wer sich die Zahlen der Filmförderungsanstalt (FFA) ansieht, der kann sie als dramatisch bezeichnen. Denn um fast ein Fünftel brachen die Erlöse im kleinsten Bundesland auf 13,6 Millionen Euro. Im Vergleich der Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern ging der Umsatz nur in Bielefeld ähnlich stark zurück.

Bremen und Bielefeld sind jedoch keine Ausnahmen. Der Jahrhundertsommer und die Fußballweltmeisterschaft – sie zogen die Menschen nicht vor die Leinwände. Die deutschen Kinos mussten insgesamt einen deutlichen Rückgang verkraften. 105 Millionen Tickets wurden nach Angaben der FFA verkauft, 17 Millionen weniger als im Vorjahr.

Kein starkes Filmangebot

Alle ungünstigen Faktoren seien für ihn und seine Kollegen zusammengekommen, sagt Gunnar Burmester, der das Cinespace in der Waterfront betreibt. Das Filmangebot sei auch nicht besonders stark gewesen. Seinem Kino in Bremen setzte zugleich die Aktion des Rivalen Cinemaxx zu: 5,99 Euro für fast jeden Film. Die Kette mit Sitz in Hamburg bietet diesen Preis in mehreren Städten an, in Bremen seit Mai 2018. Nachdem Kinokarten jahrelang immer teurer geworden waren, entsprach das einer neuen Philosophie. In Gunnar Burmesters Augen hat die Cinemaxx-Kette, die dem britischen Kinokonzern Vue Entertainment gehört, einen Preiskampf gestartet. Kurz darauf sei das Bremer Cinestar eingestiegen. Die Situation für sein Haus sei schwierig gewesen. Denn es habe als das Einzige der drei Multiplexe in Bremen die Preise nicht angefasst. Am Ende brach der Umsatz des Cinespace wie in Bremen insgesamt um rund 20 Prozent ein.

Lesen Sie auch

Ob sich die Strategie für Cinemaxx als Erfolg ausgezahlt hat? Besucherzahlen gibt das Unternehmen nicht heraus. „Was wir jedoch speziell mit Blick auf Bremen sagen können ist, dass wir zufrieden sind“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Im Interview mit dem WESER-KURIER hatte Geschäftsführer Carsten Horn gesagt, dass es Cinemaxx auch darum gehe, über den Preis etwas herauszufinden und neue Besucher zu gewinnen: „Wir wollen die Menschen auf dem Sofa aktivieren und nachhaltig verstärkt für das Medium Kino begeistern.“

Wettbewerber Burmester hält die Aktion dagegen für ins Leere gelaufen. Der Umsatz in Bremen sei „zusammengekracht“. In der Branche gebe es zudem wenig Begeisterung für die Preise. „Das Gerede ist groß.“ Es sei Kritik zu hören, dass das Kino in Bremen „verramscht“ werde. Schließlich gehe in der Regel die Hälfte der Erlöse an die Verleiher. Manche seien nun sauer. Im Cinemaxx müsse zudem renoviert werden.

Zur Kritik und den „Spekulationen“ will sich Cinemaxx nicht äußern. Carsten Horn hatte einen Umbau des Multiplexes im Stadtzentrum bereits angekündigt. Die Pläne haben sich jedoch verschoben. Nun will das Unternehmen das Bremer Kino bis Ende des Jahres in ein Haus der neuen Generation verwandeln – wie drei weitere in Wuppertal, Göttingen und Regensburg. Mit dem Umbau werden es eine „Anpassung“ der Preise geben.

Weniger Blockbuster

Im Moment sieht Cinemaxx sich laut der Sprecherin auf einem guten Weg. Es gebe starke Besucherzahlen gerade mit den Filmen ­„König der Löwen“ und „Pets 2“. Im August laufe der neue Streifen von Quentin Tarantino an. „Unser Gesamtblick auf das Jahr 2019 ist ­positiv und liegt deutlich über dem Vorjahr.“ Auch Cinemaxx führt den Besucherrückgang 2018 nicht nur auf das Sommerwetter und die WM, sondern auch auf die Filme zurück. Die Zahl großer Blockbuster, „Stärke und ­Standbein der Multiplexe“, sei sehr gering gewesen.

„Die Kombination dieser Faktoren führte zu einem für den gesamten deutschen Kinomarkt historisch tiefen Besucheraufkommen.“ In die insgesamt 48 Bremer Kinosäle kamen so wenig Besucher wie in den vergangenen 20 Jahren nicht. 1,5 Millionen Tickets verkauften die elf Spielstätten. In der Vergangenheit waren es um die zwei Millionen.

Lesen Sie auch

Doch nicht überall gab es Einbußen. Robert Erdmann, Leiter der Bremer Filmkunsttheater (Schauburg, Gondel und Atlantis) zieht für das Kinojahr 2018 eine positive Bilanz: Die Besucherzahlen aus dem Vorjahr habe man halten können. „Wir haben natürlich ein anderes Angebot“, betont er. Das zeigen schon die Kassenschlager der drei Arthouse-Kinos: Am beliebtesten waren die Filme „Die Verlegerin“ knapp vor „Three Billboards outside Ebbing Missouri“, „Bohemian Rhapsody“ oder „Die dunkelste Stunde“. Dank der Gastronomie in der Gondel und der Schauburg habe es sogar ein Umsatzplus gegeben. Das Drumherum eines Kinos müsse eben stimmen. Auch die Schauburg, erzählt Erdmann, habe in der Vergangenheit mit günstigeren Tickets Besucher ins Kino locken wollen. Das habe aber nicht funktioniert. Heute ist sein Ansatz: „Wer etwas Vernünftiges anbietet, kann auch vernünftige Preise verlangen.“

„Wir haben so gut wie alles rausgeschmissen“

Gunnar Burmester hat auf die Preissenkung bei Cinemaxx nicht an der Kasse, sondern mit einem kompletten Umbau seiner Kinosäle reagiert. „Wir haben so gut wie alles rausgeschmissen“, sagt der Unternehmer. Dabei sollten erst nur ein paar Sitzreihen erneuert werden. 1,3 Millionen Euro flossen schließlich in 2000 Ledersessel, in Stühle, die sich zu den Szenen im Film bewegen, außerdem in eine neue Lounge. Die Besucherzahlen hätten sich nun wieder erholt. „Wir haben ein eigenes Publikum generiert, das bereit ist, ein paar Euro mehr zu bezahlen.“

Seit vielen Jahren arbeitet Burmester in der Branche. Früher gehörten ihm mehrere „kleine Dorfkinos“, wie er sagt, in Achim, Delmenhorst, Nordenham und Brake. Als der Trend der Multiplexe aus den USA kam und die Sterne der kleinen Lichtspielhäuser unsicherer standen, habe er die Kinos verkauft. Nun lebt er in Berlin und führt die Geschäfte seines Hauses zusammen mit seinem Sohn Björn. Er solle das Kino später übernehmen. Für den Standort Waterfront sei er zuversichtlich. Der Mietvertrag für das Cinespace sei gerade verlängert worden.

Die Wettbewerber vor Ort, das Cinemaxx und das Cinestar, könnten in Zukunft sogar zusammengehören. Wenn das Bundeskartellamt zustimmt, darf Vue Entertainment die zweite große Kinokette in Deutschland ebenfalls kaufen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+