Auch in Bremen bei J. H. Jaeger & Eggers

Manager der Warenströme

Aus Kaufleuten für Groß- und Außenhandel werden Manager. Das befürwortet auch das Bremer Unternehmen J. H. Jaeger & Eggers und spricht in der Serie „ungewöhnliche Ausbildungsberufe“ über die Vorteile.
30.07.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Peter Hanuschke und Florian Schwiegershausen
Manager der Warenströme

Bei Jaeger & Eggers helfen dem Azubi Ahmad Bagdasch die Prokuristin Heidrun Hafer (li.) und die Ausbildungsleiterin Svenja Müller.

Christina Kuhaupt

Wenn es um den Einkauf fertiger Produkte oder Rohstoffe geht und der Betrieb dies weiter an Handel, Handwerk oder Industriekunden veräußert, dann sind Kaufleute gefragt. Das gilt ebenso dann, wenn Lieferbeziehungen neu aufgebaut oder verbessert werden sollen. Die Kaufleute nutzen dafür ihre geschäftlichen Kontakte in einer Region, in einem Land oder weltweit. Darüber hinaus bieten sie kunden- und warenbezogene Dienstleistungen an. Die Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann gilt daher als eine der vielfältigsten.

Die Ausbildung, die es in jeder Branche gibt, in der es um Ein- und Verkauf geht, hat gerade auch in Bremen eine lange Tradition. Doch aus dem Kaufmann im Groß- und Außenhandel wird ab 1. August der Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement. So wird es auch beim Bremer Traditionsunternehmen J. H. Jaeger & Eggers sein, das sich auf Schiffsausrüstung, Industriebedarf sowie Werkzeuge und Maschinen aller Art spezialisiert hat.

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Die Prokuristin Heidrun Hafer, die das Finanz- und Personalwesen leitet, begrüßt diesen Schritt: „Die Ausbildung wird digitaler, und die Auszubildenden setzen sich immer stärker mit elektronischen Geschäftsprozessen auseinander. Diese Modernisierung wird der Realität im Handel besser gerecht wo Onlinehandel, elektronischer Datenaustausch und elektronisches Dokumentenmanagement längst zum Tagesgeschäft gehören.“ Die Anforderungen, die also bereits bestehen, können die Azubis laut Hafer noch besser erfüllen. Darüber hinaus bestehe bei vielen von ihnen auch ein großes Interesse an den neuen Inhalten.

Zuerst im Vertrieb bei Jaeger & Eggers

Einer der Azubis bei Jaeger & Eggers in Findorff im Gewerbegebiet Bayernstraße ist der Syrer Ahmad Bagdasch. Er kommt nun ins zweite Lehrjahr. 2015 kam er nach Deutschland und hatte einen Bachelor in Englisch und Literatur. Dann orientierte er sich neu und fand seinen Ausbildungsplatz im Bremer Betrieb. Im Berufsalltag helfen ihm seine sehr guten Englisch-Kenntnisse täglich weiter: „Mir macht es Spaß, mit Kunden und Lieferanten aus diversen Ländern in Kontakt zu treten, die Kunden zu betreuen und ihnen weiterhelfen zu können.“

Im ersten Jahr hat Bagdasch unter anderem im Vertrieb für Schiffsausrüstung und Jachtbedarf gearbeitet. Die Kunden dort seien sehr international, es gebe viel Projektgeschäft. Dieser Einsatzbereich half dem Azubi, sich ins Warensortiment und ins Warenwirtschaftssystem einzuarbeiten und die internen Abläufe kennenzulernen. In der Berufsschule hat er gleichzeitig die Grundlagen des Rechnungswesens erlernt und Einblicke in die nationalen und internationalen Handelsgesetze bekommen.

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Angesichts der umfangreichen Produktpalette bei Jaeger & Eggers sagt Bagdasch: „Ich kannte mich vorher gut mit den Elektrowerkzeugen wie zum Beispiel Bohrschraubern oder Schleifmaschinen aus, da ich bereits im Vorhinein in einem Betrieb für Küchenmontage gearbeitet hatte.“ Bei den verschiedenen Arten von Sicherheitsschuhen musste er sich dagegen ins Thema einarbeiten: „In Deutschland ist der Arbeitsschutz ein großes Thema. In anderen Ländern spielt der Arbeitsschutz eine nicht so große Rolle.“

Dem Syrer falle es nicht leicht, all die Spezialbegriffe zu erlernen: „Wenn ich mir die Begriffe aber ins Arabische übersetze, kann ich mir dadurch das deutsche Wort merken.“ Arabisch konnte er bisher bei der Arbeit noch nicht einsetzen, aber im Hinblick auf den Kundenkreis des Unternehmens sei dies künftig denkbar. Prokuristin Heidrun Hafer sagt, dass das Unternehmen seit 2018 versucht, den zunehmenden Bedarf im E-Business über den neuen Ausbildungsberuf der E-Commerce-Kaufleute abzubilden.

Dabei stellte sich heraus: „Viele Bewerber wünschten sich einen absoluten Schwerpunkt im Onlinehandel. Unser Geschäft ist breiter angelegt, sodass die Neuausrichtung der Ausbildung im Groß- und Außenhandel unseren Anforderungen besser gerecht wird.“ Das Online-Geschäft werde dabei immer wichtiger, weshalb Werkzeuge im Unternehmen nicht unbedingt mehr in der Ausstellung sein müssen – mit dem Einzelhandel früher an der Martinistraße sei das natürlich noch anders gewesen für Jaeger & Eggers. Aber so ändere sich eben der Berufsalltag.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) nennt als Grund für das überarbeitete Berufsbild: „Aufgrund einer wachsenden Bedeutung von E-Business, Prozess- und Schnittstellenmanagement sowie projektförmiger Arbeit haben sich die Kompetenzanforderungen für Kaufleute im Groß- und Außenhandel verändert.“ Gemeinsam mit den zuständigen Bundesministerien sowie den Sozialpartnern und Sachverständigen aus der betrieblichen Praxis wurde deshalb eine neue Ausbildungsordnung erarbeitet. Den Azubis werden unter anderem neue elektronische Geschäftsprozesse vermittelt. Darunter ist beispielsweise die Verwendung von E-Business-Systemen zur Ressourcenplanung und zur Verwaltung von Kundenbeziehungen zu verstehen.

In Zukunft mehr Projektmanagement

Da auch die projektförmige Arbeit zunimmt, kommen Teile des Projektmanagements hinzu – etwa bei der Vorbereitung, Planung, Durchführung, Steuerung und Dokumentation betrieblicher Projekte. Die bisherige Ausbildung gehört seit Jahren zu den beliebteren Berufswünschen: Mit 13 137 neu abgeschlossenen Verträgen lag der Ausbildungsberuf 2019 laut BIBB auf dem elften Platz der ausbildungsstärksten Berufe.

Der Anteil junger Frauen beträgt knapp 40 Prozent, und gut die Hälfte aller, die sich für diesen Ausbildungsberuf entscheiden, haben eine Studienberechtigung. Im Zuständigkeitsbereich Bereich der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven gibt es aktuell insgesamt etwa 2630 Beschäftigte in diesem Beruf, darunter rund 615 Auszubildende.

Die gemeldeten Ausbildungsplätze lagen bei 265, so Jörg Nowag, Sprecher der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven. 99 Stellen seien davon noch unbesetzt. Aber es gebe noch Bewegung. J. H. Jaeger & Eggers wird in Zukunft mit dem neuen Berufsbild ausbilden, sodass die neuen Azubis den gleichen Weg wie Ahmad Bagdasch im Unternehmen gehen werden – von Betriebsseite her gern über die Zeit der Ausbildung hinaus.

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Zwischen Wunschberuf und Wertschöpfung

KFZ-Mechatroniker, Kaufleute für Büromanagement, Verkäufer und Medizinische Fachangestellte haben eines gemeinsam: Sie gehören in diesem Jahr zu den beliebtesten Ausbildungen in Bremen. Das geht aus Daten der Bremer Agentur für Arbeit hervor, die die Erstwünsche ihrer Bewerber ausgewertet hat. Bis Ende Juni – aktuelle Zahlen werden an diesem Donnerstag vorgestellt – hatte die Agentur für Arbeit insgesamt 3550 Bewerber registriert; ihnen standen 4250 Ausbildungsplätze gegenüber. Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland insgesamt 326 anerkannte Ausbildungsberufe. Eine Zahl, die im Laufe der Jahrzehnte immer weiter zurückgegangen ist. 1971 hatte es noch 606 Ausbildungszweige gegeben, wie Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung zeigen. Das Institut hat ebenfalls berechnet, wieviel eine Ausbildung kostet: Im Ausbildungsjahr 2017/2018 entstanden den Betrieben im Durchschnitt pro Azubi und Jahr Bruttokosten in Höhe von 20 855 Euro. Dem gegenüber stand ein Ertrag von 14 377 Euro pro Jahr, den Lehrlinge erwirtschaften.

Weitere Informationen

Die nächste Folge der Reihe „Ausbildung im Wandel“ erscheint am Donnerstag.

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