Einnahmen gehen an Stiftung

Schätze der Bremer Sparkasse kommen unter den Hammer

An diesem Samstag versteigert das Auktionshaus Bolland & Marotz wieder viele Schätze – auch die der Sparkasse Bremen. Wer mitmachen will, muss sich zuvor registrieren.
25.09.2020, 05:00
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Schätze der Bremer Sparkasse kommen unter den Hammer
Von Lisa Boekhoff
Schätze der Bremer Sparkasse kommen unter den Hammer

Kunst aus Worpswede: Stücke von Bernd Altenstein wie „Der späte Tag“ können ebenfalls ersteigert werden. Das ­Limit für dieses ­Exponat liegt bei 500 Euro. Das ­Objekt der Sparkasse Bremen mit dem am höchsten angesetzten Ausgangspreis ist eine sogenannte Boulle-Bodenstanduhr aus Frankreich aus der Zeit um 1900. Darauf thront Kronos mit seiner Sense. 6000 Euro beträgt das Limit.

Christina Kuhaupt

Wände bedeckt mit Gemälden, Skulpturen, Schmuck- und Tabakdöschen. Für Auge und Kopf ist dieser Raum kaum zu fassen. Wie ein überfülltes Museum sieht es im Auktionshaus von Bolland & Marotz aus. Doch anders als dort baumeln hier an allen Ausstellungsstücken kleine Etiketten für Interessenten. Dort oben etwa, die Dame im roten Kostüm mit Fächer: Nummer 1229. Ein Gemälde von Fanny Gräfin von Reventlow.

Das Museum soll bald bestenfalls ganz leer sein, die Stücke allesamt am Samstag in der nächsten Auktion versteigert. An einigen Gemälden und Skulpturen ist das Symbol der Sparkasse Bremen zu sehen. Rund 40 der fast 880 kleinen und größeren Schätze kommen aus dem Besitz der Bank. Die Sparkasse trennt sich im Zuge ihres Umzugs in den Technologiepark von den Exponaten ihrer Sammlung und spendet die Einnahmen.

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Ist das für ihr Haus eine besondere Aufgabe? „Jede Auktion ist besonders“, antwortet Christina Schulze von Bolland & Marotz. Und das gelte gerade in diesen Zeiten. Das Hanseatische Auktionshaus habe zuvor länger überlegt, ob die Auktion überhaupt in einem Saal stattfinden könne. Die eigenen Räume, in denen sonst einmal im Jahr alles unter den Hammer kommt, bieten zu wenig Platz für Abstand. Bolland & Marotz hat deshalb für Samstag das Metropol Theater angemietet. Zwar beteiligen sich an Auktionen immer mehr Menschen übers Internet. Es sind mitunter um die tausend aus ganz Deutschland und dem Ausland – und damit wesentlich mehr als im Saal.

Auktionator spielt mit den Bietern

Für die Kunsthistorikerin Schulze passiert die Magie aber vor Ort. „Davon lebt eine Auktion, vom Auktionator, der mit dem Saal korrespondiert und mit den Bietern auch ein bisschen spielt.“ Ihr Kollege aus der Schweiz schaue dabei nicht nur auf die Bieterkarten. „Unser Auktionator hat sehr gute Augen“, sagt Schulze. „Manchmal sieht er auch, dass jemand nur zuckt oder sich kratzt und fragt nach Geboten.“

Schon im vergangenen Jahr ist ein Schwung Schätze der Sparkasse von Bolland & Marotz versteigert worden. „Jetzt kommen die schönsten Stücke rein“, findet Schulze. Das Haus geht von einem Mindestumsatz von 35.000 Euro aus. „Das wird aber mehr werden.“ Den höchsten Aufruf der Sammlung Sparkasse gibt es für eine sogenannte Boulle-Bodenstanduhr mit Schildpatt: 6000 Euro soll sie mindestens bringen, und es gibt bereits höhere Gebote: „Das ist ein Highlight.“

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Die Exponate standen vor allem in den Vorstandsgästeräumen der Sparkasse. „Die Räume wurden zeitgemäß eingerichtet und immer mal wieder modernisiert, wobei die Bilder und Möbelstücke oftmals geblieben sind“, verrät eine Sprecherin der Sparkasse. In der Vergangenheit hätten Vorstände auch durchaus Impulse zum Kauf von zeitgenössischer Kunst und antiken Möbelstücken gegeben. So entstand in der langen Geschichte der Bank die Sammlung.

Auktion für den guten Zweck

Wird denn anders geboten, wenn es um die gute Sache geht? „Ich denke schon“, sagt die promovierte Kunstexpertin Schulze. „Das haben wir beim letzten Mal gemerkt, dass die Verbindung zu Bremen und zur Sparkasse für viele besonders ist.“ Und auch eine langjährige Mitarbeiterin der Bank habe es jetzt auf eine Bronze abgesehen, die in der Nähe ihres Büros stand. Figuren des Worpsweder Künstlers Bernd Altenstein werden ebenfalls versteigert. Und so mancher Kunde könnte ihnen auf den Fluren oder in Beratungsräumen der Bank begegnet sein – wie „Der späte Tag“. Die Bronze zeigt einen Mann mit einem Raben. Startpreis: 500 Euro.

Besuch Auktionshaus Bolland & Marotz - Versteigerung Kunstwerke der Sparkasse

"Europa" steht zum Verkauf – zumindest als Porzellanfigur samt Zeus in Stiergestalt.

Foto: Christina Kuhaupt

Für Bolland & Marotz, benannt nach den beiden Gründern, ist es die 163. Auktion. Jörn Marotz, vor zwei Jahren verstorben, war dem Haus trotz seines Rückzugs verbunden. Die Geschäfte führen heute Christian Gründel und Vincent ten Vergert. Die Namen der Gründer aber sollen bleiben. „Wir tragen das weiter. Das ist eine Institution“, sagt Schulze. Das Unternehmen mit Sitz im Fedelhören ist mehr als 40 Jahre alt. In Berlin gibt es einen zweiten Standort namens Historia. Dort werden viermal im Jahr Stücke versteigert – auch aus Bremen. Eigentümer der Schätze wird das Unternehmen nie. Das Geschäft basiert auf Provisionsbasis.

Sensibilität steigt

Und hat „Bares für Rares“ neues Interesse geweckt? Das sei eine Tendenz. „Manchmal berufen sich die Kunden auch auf die Sendung. Wir spüren da schon eine Belebung und eine gewisse Sensibilität für Objekte“, sagt Schulze. Menschen werde der Wert von Stücken, die irgendwo im Keller oder auf dem Dachboden schlummern, erst bewusst.

Die Einnahmen der Versteigerung für die Sparkasse erhält die Stiftung „Gut für Bremen“. Schon im vergangenen Jahr kamen für Kunstbilder und antike Möbel 50.000 Euro zusammen. Am 6. November gibt es eine weitere Versteigerung – dann bei Hansa.

Namen, Qualität und Trends bestimmen dabei den Preis. Während zeitgenössische und moderne Kunst derzeit vor allem gefragt sei, gebe es für Sakrales, Heiligenfiguren oder Madonnen, vor allem im Süden Interessenten. Der geschnitzte Heilige Sebastian dort – Schulze zeigt auf ein Stück – gehe vermutlich eher nach Bayern, Österreich oder Italien als nach Norddeutschland.

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Bolland & Marotz hofft, dass von der üppigen Ausstellung auf Zeit im Geschäft im Fedelhören nichts bleibt. Sogar Bilder von Otto Modersohn bietet jemand an. Seine Gemälde beginnen bei 10.000 Euro.

Und liebäugelt Christina Schulze selbst oft mit einem Stück? Ja. Das sei schrecklich. „Ich habe die Objekte dauernd vor Augen“, sagt sie. Am Ende seien die Stücke aber ausgerechnet die teuersten. Sowieso setzt die Kunstexpertin daheim auch auf eine Mischung: Gemälde und antike Möbel kombiniert sie mit einer schlichten und hellen Einrichtung als Kontrast. „Und dann ein Stück als Blickfang.“

Info

Zur Sache

Wie sich mitbieten lässt

Wer an der Versteigerung am Samstag im Metropol Theater Bremen teilnehmen möchte, der muss sich zuvor wegen Corona in eine Liste eintragen und beim Auktionshaus registrieren. Erst dann gibt es eine Bieternummer. Der Zeitrahmen für die einzelnen Objekte ist nur grob. Darum ist es sinnvoll, eine Stunde vor dem Aufruf des Objekts der Begierde da zu sein. „Wir rechnen zwar immer mit 50 bis 80 Positionen, die der Auktionator in der Stunde versteigert, es kann sich jedoch verschieben“, sagt Christina Schulze von Bolland & Marotz Hanseatisches Auktionshaus.

Schließlich könnten sich minutenlange Bietergefechte entwickeln. „Deswegen ist eine Auktion nicht richtig vorhersehbar.“ Die Stücke für die Auktion – von Schmuck und Tabakdosen bis zu Gemälden – sind über www.bolland-marotz.de anzusehen.

Immer mehr Menschen nehmen auch über das Internet an den Versteigerungen teil – aus ganz Deutschland und dem Ausland. Dafür müssen mindestens 24 Stunden zuvor Gebote und die Registrierung abgegeben werden.

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