Standorte schließender Häuser weiterhin unklar

Verdi fordert Staatshilfen für Galeria Karstadt Kaufhof

Die Gewerkschaft Verdi hält nichts vom Sanierungskonzept für die Kette Galeria Karstadt Kaufhof. Nach einem Gespräch mit Management und Sachwalter bleibt weiter unklar, welche Standorte vor dem Aus stehen.
27.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Verdi fordert Staatshilfen für Galeria Karstadt Kaufhof
Von Florian Schwiegershausen
Verdi fordert Staatshilfen für Galeria Karstadt Kaufhof

Was mit den Karstadt-Kaufhof-Filialen in Bremen passiert, ist noch unklar.

Christina Kuhaupt

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verlangt Staatshilfen für die angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof. Nach einem Gespräch der Bundestarifkommission mit dem Management sowie dem Generalbevollmächtigten Arndt Geiwitz und dem Sachwalter Frank Kebekus sagte der Verdi-Verhandlungsführer Orhan Akman: „Es ist jetzt Zeit für eine politische und finanzielle Unterstützung für die Beschäftigten durch die Politik in den Kommunen, Gemeinden sowie Landesregierungen und der Bundesregierung. Das beinhaltet auch die Unterstützung in Form von Staatshilfen. Wir müssen gemeinsam um jeden Arbeitsplatz kämpfen.“ Schließlich gehe es hier auch um die Zukunft der Innenstädte.

Das Unternehmen befindet sich derzeit in einem Schutzschirm-Insolvenzverfahren. Geiwitz, der bereits bei der Drogeriekette Schlecker Insolvenzverwalter war, und Kebekus versuchen, für die Warenhauskette eine tragfähige Lösung zu finden. Die ist auch mit der Schließung von Standorten verbunden. Verschiedene Medien hatten bereits spekuliert, dass am Dienstag die Liste veröffentlicht wird, aus der hervorgeht, welche Standorte vor dem Aus stehen. Dazu ist es noch nicht gekommen, wohl aber spätestens in einem Monat. Denn dann muss der Sanierungsplan stehen.

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Bis dahin werden Geiwitz und Kebekus Gespräche mit Vermietern führen. „Es gibt Warenhäuser, die sich nicht profitabel betreiben lassen, selbst wenn das Unternehmen keinen Cent Miete zahlen müsste. Diese Häuser stehen auf der roten Liste und werden geschlossen“, sagte Kebekus der „Wirtschaftswoche“ im Interview. Auf der grauen Liste wiederum stehen ein Dutzend Filialen: „Wenn es für diese Standorte noch Zugeständnisse von Vermietern und anderen Beteiligten gibt, kann es dort durchaus weitergehen.“ Vom Aus wären gut 80 der 172 Warenhäuser betroffen.

Geiwitz sagte zu den Plänen: „Wir wollen gar nicht abstreiten, dass das Horrornachrichten für die Beschäftigten sind. Aber das Entscheidende ist, dass nur durch diese Einschnitte ein starkes, gesundes Unternehmen entstehen kann.“ Dafür müsse man das Ergebnis um rund 300 Millionen Euro pro Jahr steigern. Laut Geiwitz trifft es nicht nur die Mitarbeiter. Ihr Beitrag am Sparvolumen liege unter 50 Prozent. Neben den Vermietern sollen auch die Lieferanten ihren Beitrag leisten. Gleichzeitig sei es notwendig, mehrere Hundert Millionen Euro in die Renovierung der Häuser zu stecken.

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Verdi forderte für das Sanierungskonzept „ein sofortiges Umdenken“. Die vorgelegten Pläne des Generalbevollmächtigten und Sachwalters sprächen dieselbe Sprache wie die bisherigen Pläne des Managements mit Personalabbau und Lohnkürzungen. Akman nannte sie „ideenlos, unkreativ und eine Missachtung von 35 000 Beschäftigten und ihren Familien“.

Die Gewerkschaft wolle sich den verabredeten Gesprächen über die Zukunft von Galeria Karstadt Kaufhof dennoch nicht verschließen. „Vom Eigentümer und den Gesellschaftern erwarten wir Investitionen in die Zukunft der Warenhäuser sowie eine detaillierte Investitionsplanung.“ Massive Eingriffe in das bestehende Lohn- und Gehaltsgefüge seien da keine Lösung.

Nach Darstellung von Sachwalter Kebekus haben die Folgen des Corona-Shutdowns das Unternehmen in die derzeitige Schieflage gebracht: „Galeria Karstadt Kaufhof hatte vor der Pandemie sicherlich einige Probleme, war aber nicht akut bedroht. Das hat auch der Wirtschaftsprüfer bestätigt.“ Das sieht die Gewerkschaft anders. „Die Pandemie offenbart nur das tatsächliche Ausmaß gnadenloser Misswirtschaft und Fehlmanagements“, meint Akman.

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In der Region hat die Warenhauskette zwei Standorte in Bremen, einen in Bremerhaven, einen in Oldenburg und einen in Stade. Spätestens in einem Monat werden die Mitarbeiter wissen, was mit ihrem Arbeitsplatz passieren wird. Vor wenigen Wochen sagte der Investor Kurt Zech dem WESER-KURIER im Interview, dass er in der Hansestadt nur noch Platz für ein Warenhaus sehe.

Der Mietvertrag für die Galeria Kaufhof in der Papenstraße läuft dem Vernehmen nach noch bis 2024. Die Fläche wäre zusammen mit dem Parkhaus Mitte und dem Karstadt-Gebäude ein Baustein für Zechs neues Innenstadtkonzept. Zumindest gibt es für die Karstadt-Sports-Filiale und die anderen Standorte einen In­teressenten. Die private Loitz Stiftung hat Sachwalter Frank Kebekus ein Übernahmeangebot gemacht. Die Kette passe ins Portfolio der Stiftung, die sich besonders für Frauen im Spitzensport einsetze, so Loitz.

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