"Gefällt mir"-Button bei Bremer Datenschützern in der Kritik Unternehmen leiden unter Facebooks Neugier

Bremen. Die Debatte um den laxen Umgang von Facebook mit Daten von Internetnutzern sorgt bei vielen Unternehmen für Verunsicherung. In der Kritik steht vor allem der "Gefällt mir"-Button, mit dem viele Firmen ihre Webseiten Facebook verbinden.
25.08.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sebastian Manz

Bremen. Die Debatte um den laxen Umgang des sozialen Netzwerks Facebook mit Daten von Internetnutzern sorgt bei vielen Unternehmen für Verunsicherung. In der Kritik steht vor allem der sogenannte "Gefällt mir"-Button, mit dem zahlreiche Firmen ihre Webseiten mit Facebook verbinden.

In einigen Bundesländern wird bereits darüber nachgedacht, die Verwendung dieser Verknüpfungen mit Bußgeldern zu belegen. Für viele Unternehmen bedeutet diese Entwicklung, dass sie ihren Umgang mit sozialen Netzwerken völlig neu überdenken müssen.

Ein sicher eingerichteter Internet-Browser verrät seinen Nutzern, wer sie beim Schmökern im Netz gern beobachten würde. Ein Blick auf die Warnhinweise zeigt: Fast jede Firmen-Webseite ist mittlerweile vernetzt mit Fremdanbietern, die Daten über die Besucher erfassen. Unter den Sammelwütigen taucht ein Name besonders häufig auf: Facebook. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Ausgespähten Mitglieder des sozialen Netzwerks sind oder nicht. Der Grund für die Omnipräsenz von Facebook sind die sogenannten "Gefällt mir"- Buttons, mit denen zahlreiche Unternehmen und Organisationen von ihren eigenen Seiten auf ihre Präsenz im weltgrößten sozialen Netzwerk verweisen.

Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD), die Aufsichtsbehörde für Datenschutz in Schleswig-Holstein, hat diese Buttons jüngst für rechtswidrig erklärt. Außerdem beurteilt das ULD die Nutzung einer Fanpage durch Unternehmen oder Institutionen als datenschutzrechtlich kritisch. Der Grund: Unternehmen, die auf Facebook eine Fanpage betrieben, seien darauf angewiesen, dass Facebook die datenschutzrechtlichen Regelungen berücksichtigt - das sei momentan nicht gewährleistet (wir berichteten).

Facebook sammelt eine Fülle an Informationen

Sven Venske hält die Schelte für berechtigt. Der Jurist arbeitet für die Bremer datenschutz nord GmbH, die zu den führenden deutschen Unternehmen im Bereich der Informationssicherheit gehört. Für weit über 100 Unternehmen, darunter Weltkonzerne wie InBev oder ArcelorMittal, kümmert sich die Firma um Datenschutzfragen. "Die ULD-Kritik an Facebook ist gerechtfertigt", sagt Venske. Das Problematische an den "Gefällt mir"-Buttons sei, dass sie bereits bei Aufruf einer Seite, die diese Verknüpfung benutzt, Daten an Facebook übermitteln. Der Nutzer habe keine Möglichkeit das zu verhindern. Facebook könne auf diese Weise eine Fülle an Informationen sammeln. "Es ist sogar denkbar, dass IP-Adressen personalisiert werden", erklärt Venske. Theoretisch könnten die Datensammler unbemerkt nachvollziehen, welche Webinhalte ein bestimmter Mensch gelesen hat.

Das ULD ist nun vorgeprescht und hat schleswig-holsteinische Unternehmen aufgefordert, den "Gefällt mir"-Button von den eigenen Webseiten zu nehmen und auch alle Fanseiten bei Facebook zu entfernen. In Bremen wollen die Datenschutzbeauftragte und die zuständige Finanzsenatorin in der kommenden Woche über das Thema beraten. "Es ist vorstellbar, dass das Nutzen der Facebook-Buttons bald mit einem Bußgeld belegt wird, außerdem könnten sich Abmahn-Anwälte auf das Thema spezialisieren", sagt Sven Venske. Die Verunsicherung bei vielen Unternehmen ist groß, hat Uwe Schläger, Geschäftsführer der datenschutz nord GmbH, festgestellt. Die meisten Firmen wollten den Social-Network-Trend nicht verpassen und hätten sich entsprechend intensiv mit Facebook vernetzt. "Viele unserer Kunden fragen uns jetzt, wie sie auf die aktuellen Datenschutz-Entwicklungen reagieren sollen", berichtet Schläger.

Verwendung von vorgefertigten Buttons vermeiden

Es gibt laut dem Informatiker durchaus Möglichkeiten, Facebook auch weiterhin in die Unternehmenskommunikation einzubinden, ohne auf rechtlich unsicheres Terrain zu geraten. Der Datenschutzexperte rät allerdings grundsätzlich davon ab, die vorgefertigten Buttons von Facebook zu verwenden. Stattdessen sollten Unternehmen auf eigene Verlinkungen setzen, die den Vorteil hätten, dass Daten erst dann an Facebook weitergegeben werden, wenn der Nutzer den Link aktiv anklickt. Darüber hinaus gebe es noch weitere technische Möglichkeiten, um unbewusste Datenweitergaben zu verhindern. "Grundsätzlich müssen Unternehmen künftig sowohl auf Facebook als auch auf der eigenen Webseite auf mehr Transparenz achten", sagt Sven Venske. Viele Firmen hätten sich ohne klare Strategie in die sozialen Netzwerke gestürzt, das räche sich nun.

Einige Unternehmen haben bereits auf die Facebook-Kritik reagiert. So sind etwa von der Webseite becks.de die "Gefällt- mir"-Buttons gänzlich verbannt und durch unproblematische Links ersetzt worden. Das Wohnungsunternehmen Gewoba dagegen hat die umstrittenen Web-Wimpel erst gar nicht eingeführt. "Wir wollen Social Media demnächst deutlich stärker nutzen, allerdings gehen wir dabei bewusst sehr strategisch vor und lassen uns ausführlich beraten", erläutert Sprecherin Karin Liedtke. Eine deutliche Reaktion zeigte Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen. Er verkündete gestern, wegen der gravierenden Kritik und der datenschutzrechtlichen Probleme seine Facebook-Seite bis auf Weiteres ruhen zu lassen.

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