Investor springt ab Unternehmen wollen nicht ins Areal Farge-Ost

Über ein Gewerbegebiet in Bremen-Nord ist mehr als Gras gewachsen: Erneut entscheidet sich ein Investor gegen das Areal in Farge-Ost, weil er die Fläche erst roden lassen müsste.
12.02.2020, 19:06
Lesedauer: 4 Min
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Unternehmen wollen nicht ins Areal Farge-Ost
Von Peter Hanuschke

Holger Schlöcker war ganz zuversichtlich, dass er seine Halle im Gewerbegebiet in Farge-Ost verkaufen kann. Der Interessent, ein Investor aus der Schweiz, wollte lediglich noch ein weiteres angrenzendes Grundstück von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) dazu erwerben. Das wäre auch möglich gewesen. Doch der Investor entschied sich im Dezember letztlich dagegen. Problem bei Farge-Ost: Die zur Verfügung stehenden Flächen sind bewaldet.

Der Interessent hätte zunächst einen Bauantrag stellen und bei der Rodung in Vorleistung gehen müssen. Dieses Risiko sei ihm zu groß gewesen, so Schlöcker. Inzwischen habe sich der In­vestor für ein Gewerbegebiet in Schleswig-Holstein entschieden – ein unbewaldetes Areal. Vor einigen Monaten gab es bereits einen ähnlichen Fall. Ein Handwerksbetrieb aus Schwanewede hatte Interesse an Farge-Ost. Auch er entschied sich wegen der Bewaldung dagegen und fand dann eine passende Fläche, die eine Vergrößerung seines Betriebs erlaubte, in Schwanewede.

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„Mich ärgert das“, so der ehemalige Unternehmer Schlöcker. „Da wurde vor Jahrzehnten ein Gewerbegebiet mit Steuergeldern erschlossen, eine gute Verkehrsanbindung geschaffen, aber das Areal ist für Interessenten unattraktiv, weil das Grundstück von der WFB nicht so gepflegt wird, dass ein Investor ohne zeitliches und finanzielles Risiko die Flächen in Anspruch nehmen kann.“ Das müsse sich ändern, gerade vor dem Hintergrund, dass es in Bremen zu wenig Gewerbeflächen gebe. Das Areal mal eben roden, das ist nicht einfach so möglich: Weil die Büsche und Bäume eine Höhe von mehr als 50 Zentimetern haben, greift das Bremer Waldgesetz.

Eine Rodung ist nur möglich, wenn ein Bauantrag gestellt wird und so ein entsprechendes Verfahren in Gang gesetzt wird. Dennoch gibt es Hoffnung, dass aus Farge-Ost wieder ein Gewerbegebiet wird, das bessere Chancen auf eine Vermarktung hat: „Wir sind ja dabei, einen Gewerbeentwicklungsplan GEP 2030 zu entwerfen“, sagt Kai Stührenberg, Sprecher der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa. „Und zu diesem Prozess, in dem wir auch mit den Unternehmen über deren Vorstellungen für gute Gewerbeflächen sprechen, gehört es auch, zu prüfen, welche vorhandenen Flächen im Sinne der Nachfrageseite optimiert oder aktiviert werden können.“ Insofern werde das Gewerbegebiet Farge-Ost in die Betrachtungen mit einbezogen.

Positiver Beitrag für die Natur

Dass das Areal zu einem Großteil bewaldet ist, liege daran, dass die Nachfrage nach einer Erschließung des Gebiets in den vergangenen Jahren nicht so groß gewesen sei, so Stührenberg. Daher habe sich die WFB Anfang der 2000er-Jahre dazu entschlossen, auf diesem Areal den Grünschnitt einzustellen – zum einen, um Kosten zu sparen, zum anderen leiste die dortige Flora und Fauna einen positiven Beitrag für die Natur. Wenn die Nachfrage nach den Grundstücken in Farge steige, könne es sinnvoll sein, Möglichkeiten für eine Ausnahmegenehmigung zu prüfen. „Klar ist, dass ein Gelände ohne Bewaldung sich leichter vermarkten lässt.“ Grundsätzlich stünden die Flächen zur Vermarktung durch die WFB aber zur Verfügung.

Von den etwa 20 Hektar des Gewerbegebietes Farge-Ost stehen derzeit 7,3 Hektar nach Angaben der WFB erschlossen und frei zur Verfügung. Diese freien Flächen seien aber bewachsen. „Grundsätzlich wird eine Ansiedlung von Unternehmen durch die Waldbäume nicht verhindert, da für die Grundstücke in einem einfachen Genehmigungsverfahren auf Basis des konkreten Bauantrags eine ganzjährige Fällgenehmigung durch den künftigen Eigentümer beantragt und eingeholt werden kann“, heißt es vonseiten der WFB. Es sei, wie auch bisher, beabsichtigt, die Flächen unter der Maßgabe zu veräußern, dass die Stadtgemeinde Bremen die Kosten der Rodung und der Ausgleichsmaßnahme auf Nachweis gemäß den Auflagen aus der Baugenehmigung erstatte.

Kein guter Standort

Vor diesem Hintergrund sei grundsätzlich gewährleistet, dass im Zuge der konkreten Umsetzung eines Investitionsvorhabens ein Freiräumen der Flächen erfolgen könne, so die WFB. Dies könne entsprechend den gesetzlichen Regelungen allerdings nur durch den konkreten Investor oder künftigen Eigentümer erfolgen, da dieser den Bauantrag für sein Vorhaben stelle.

Die WFB versichert, die Investoren bei allen Fragen zu Nutzungsmöglichkeiten und Genehmigungsverfahren zu unterstützen. „Wir können aber nicht erkennen, dass die Ansiedlung durch Bewaldung zurzeit stark behindert wird.“ Grundsätzlich werde das Gewerbegebiet Farge-Ost gleichberechtigt mit allen anderen Bremer Gewerbeflächen durch die WFB beworben und potenziellen an- und umsiedlungswilligen Unternehmen angeboten und vorgestellt.

In der Regel werde der Standort Farge jedoch von den Unternehmen insbesondere aufgrund der bestehenden Randlage in der Stadt nicht so positiv bewertet wie andere Standorte in Bremen. Aus den genannten Gründen sei über viele Jahre ein nachfragebedingter Vermarktungsstillstand zu verzeichnen gewesen. Aus Schlöckers Sicht liegt der Fall anders. Er ist sich sicher: Wäre das Gewerbegebiet waldfrei, dann ­hätten sich dort bereits weitere Unternehmen niedergelassen und für Arbeitsplätze gesorgt.

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Zur Sache

Neuer Gewerbeentwicklungsplan

Am Mittwoch gab es in der Wirtschaftsdeputation einen Zwischenbericht zum neuen Gewerbeentwicklungsprogramm (GEP). Im Austausch mit den Akteuren, auch aus der Wirtschaft, soll das GEP 2030 aufgestellt werden. Im Januar hat es einen ersten Fachdialog zur Logistik gegeben. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) stellte in der Deputation auch die Studie zur Branche vor. Der nächste Termin ist der Fachdialog „Innovative Zukunftsorte“ am 26. März. Die Neuaufstellung soll spätestens Anfang 2021 beendet sein.

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