Schifffahrt in der Corona-Pandemie

„Kreuzfahrtschiffe sind für Zulieferer ein wichtiger Bereich“

Maritimen Zulieferer spüren die Corona-Krise stark. Besonders das Geschäft mit den Kreuzfahrtschiffen leidet, sagt Jörg Mutschler vom VDMA. Warum er trotzdem optimistisch ist.
05.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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„Kreuzfahrtschiffe sind für Zulieferer ein wichtiger Bereich“
Von Peter Hanuschke
„Kreuzfahrtschiffe sind für Zulieferer ein wichtiger Bereich“

"Die Kreuzfahrtbranche ist ein sehr lukrativer Bereich für die Zulieferindustrie. Werden dort weniger Schiffe gebaut, spürt die Branche das unmittelbar", sagt Jörg Mutschler.

HMC

Wie ist die Situation in der maschinenbaulichen Zulieferer-Industrie im Bereich Schiffbau insgesamt in Corona-Zeiten?

Jörg Mutschler: Der Branche geht es auch coronabedingt nicht so gut wie erhofft. Die erwarteten Umsatzziele sind bereits nach unten korrigiert. Die endgültigen Zahlen liegen im März vor.

Welchen Einfluss hat in diesem Zusammenhang die Kreuzfahrtbranche, die wegen der Pandemie größtenteils zum Erliegen gekommen ist?

Die Kreuzfahrtbranche ist ein sehr lukrativer Bereich für die Zulieferindustrie. Werden dort weniger Schiffe gebaut, spürt die Branche das unmittelbar. Doch zum Glück gibt es nicht nur Kreuzfahrtschiffe, die neu gebaut oder alte, die technisch erneuert werden müssen. Der wesentlich größere Kundenkreis sind nicht die Kreuzfahrtschiffe, deren Zahl weltweit bei etwa 400 liegt, sondern Handelsschiffe, deren Zahl bei weltweit über 50.000 liegt.

Also kann die Branche ganz auf Kreuzfahrtschiffe verzichten?

Nein, das natürlich nicht. Kreuzfahrtschiffe sind für Zulieferer ein sehr wichtiger und interessanter Bereich, weil sie sehr wertvoll sind. Und je hochwertiger ein Schiff ausgestattet ist, desto mehr Zulieferindustrie steckt da drin.

Gibt es Ihrem Verband Unternehmen, die sich ganz auf Kreuzfahrtschiffe konzentriert haben?

Im maschinenbaulichen Bereich ist das in unserem Verband nicht der Fall. Da gibt es andere Unternehmen aus anderen Branchen, bei denen es eine viel größere Abhängigkeit gibt – etwa Betriebe, die spezielle Kabinen bauen. Die sind davon abhängig, was auf der Meyer-Werft passiert.

Sind Ihre Mitgliedsunternehmen breiter aufgestellt?

Das ist in der Tat so. Wobei jedes Unternehmen gerne auch Zulieferer für Kreuzfahrtschiffe sein möchte.

Da ist das Geschäft besonders lukrativ?

Letztlich schon. Nehmen wir mal das Beispiel Pumpen. Bei Kreuzfahrtschiffen müssen die besonders leise sein, damit die Gäste nicht gestört werden. Die gleiche Pumpe, die von der Leistungsfähigkeit her ähnlich ist und in Handelsschiffen eingesetzt wird, kostet nur die Hälfte. Kreuzfahrtschiffbau ist Spezialschiffbau und erfordert höhere technische Lösungen. Und zum Spezialschiffbau gehören entsprechende Zulieferer, die diese Anforderungen erfüllen. Da sind deutsche Zulieferer gut aufgestellt. Und trotzdem machen sie das Brot-und-Butter-Geschäft mit Handelsschiffen, was dann aber im Bereich Export stattfindet, weil sich dieser „normale“ Schiffbau aus Deutschland ja längst verabschiedet und nach Asien verlagert hat. Auch dieser Bereich lohnt sich natürlich. Dabei geht es nicht nur um den Bau eines Schiffes, sondern um Service- und Wartungsleistungen entlang des Lebenszyklus des Schiffes. Dieser Bereich macht etwa 30 Prozent des Umsatzes aus.

Dann steht die Zulieferer-Branche insgesamt aber noch relativ gut da?

Der Vorteil ist sicherlich, dass viele Unternehmen im maritimen Maschinenbau relativ breit aufgestellt sind. Ein Schaltschrank beispielsweise lässt sich nicht nur in ein Schiff einbauen. Dennoch macht sich die Corona-Krise auch hier bemerkbar. So sind 15 Prozent der Belegschaft in Kurzarbeit. So kann der Bereich Service und Wartung in vielen Fällen nicht gemacht werden, weil die Monteure derzeit nicht reisen können.

Wie schätzen Sie die Perspektiven ein?

Der Containerschiffbau läuft im Moment sehr gut, das wird auch sicherlich so bleiben. Was das Kreuzfahrtgeschäft angeht, bin ich sehr optimistisch. Allerdings wird dieser Bereich erst wieder Fahrt aufnehmen, wenn der Großteil der Bevölkerung geimpft ist. Insofern wird man sicherlich noch mindestens ein Jahr warten müssen, bis man wieder von halbwegs normalen Zeiten sprechen kann. Diese Zeit gilt es zu überbrücken. Und wahrscheinlich muss die Meyer-Werft noch etwas länger warten, bis Reedereien sich dazu entschließen, neue Kreuzfahrtschiffe in Auftrag zu geben. Insofern ist es sinnvoll, dass die Werft die Aufträge streckt, ihre Arbeitsleistung, wie bei den Zulieferern, über intelligente Lösungen entsprechend der Nachfrage nach neuen Schiffen anpasst.

Das Gespräch führte Peter Hanuschke.

Info

Zur Person

Jörg Mutschler

ist seit 1996 im VDMA tätig und verantwortet seit 2006 als Geschäftsführer die AG Marine Equipment and Systems und den Landesverband Nord.

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