Anzeichen für mögliches Leben gefunden

Bremer Raumfahrtkonzern OHB will zur Venus

Wie Lebensformen in der Atmosphäre der Venus untersucht werden können, dafür hat der Bremer Raumfahrt- und Technologiekonzerns OHB eine Machbarkeitsstudie erstellt.
17.09.2020, 05:00
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Bremer Raumfahrtkonzern OHB will zur Venus
Von Peter Hanuschke
Bremer Raumfahrtkonzern OHB will zur Venus

Wie die Venus auf Lebensformen untersucht werden kann, dafür hat das Bremer Unternehmen OHB eine Machbarkeitsstudie erstellt.

NASA /JPL /dpa

Dass die Venus eine Mission wert ist, das steht für Marco Fuchs schon lange fest. Dass zwei Forscherteams unabhängig voneinander Anfang dieser Woche die Existenz des Gases Phosphin auf dem Planeten nachgewiesen haben, ist für den Chef des Bremer Raumfahrt- und Technologiekonzerns OHB eine weitere Bestätigung dafür, den Planeten genauer untersuchen zu wollen.

Nicht nur, weil Phosphin als ein Hinweis auf Leben gilt, sondern auch, weil die Venus auf ihrer Umlaufbahn der Erde mit 38 Millionen Kilometern Abstand von allen Planeten am nächsten kommt. Für eine mögliche Venus-Mission ist OHB bereits vorbereitet: Das Unternehmen hat vergangene Woche eine Machbarkeitsstudie fertiggestellt.

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Fuchs' Wunsch ist nach wie vor, dass sich die europäische Weltraumorganisation Esa für eine Venus-Mission entscheidet. Im vergangenen Jahr hatte sich die Esa-Ministerratskonferenz bei der Verteilung der Budgets noch gegen ein solches Vorhaben ausgesprochen. „Um die Erde besser zu verstehen, wäre eine solche Mission sehr hilfreich“, sagt Fuchs auf Nachfrage des WESER-KURIER. Wie man mit einem Fluggerät dort hinkommen könnte, das erkläre die Machbarkeitsstudie, die OHB mit eigenen Mitteln finanziert habe.

„Fan der Venus“

Für Fuchs ist die Venus eine Art Lieblingsplanet: „Ich bin schon Fan von der Venus.“ Das liege sicherlich daran, dass es zwischen Venus und Erde viele Parallelen gebe, auch wenn die nicht auf den ersten Blick erkennbar seien – immerhin gebe es auf der Venus eine lebensunfreundliche Umgebung mit einer Durchschnittstemperatur von 464 Grad Celsius und einem Druck von 92 Bar. Im Ursprung habe die Venus aber vermutlich sehr viel mehr Ähnlichkeit mit der Erde gehabt.

„Ich denke, dass die Wahrscheinlichkeit erstmalig den Nachweis irgendeiner Form biologischen Lebens außerhalb unseres Planeten im Weltraum zu entdecken, wesentlich größer auf der Venus ist als auf dem Mars.“ Dass es irgendwelche Lebensformen auf der Venus gebe, habe die Wissenschaft schon lange vermutet, jetzt gebe konkrete Hinweise.

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Fuchs beschäftigt sich schon länger mit der Venus. So schrieb er im November in einer Kolumne, dass die „Erde und Venus unter sehr ähnlichen Bedingungen entstanden“. Die Venus sei offenbar vor Millionen von Jahren ein Planet mit stabilen Temperaturen und flüssigem Wasser gewesen. Laut einer Studie des Goddard Institute for Space Science der Nasa könnte die Venus ein gemäßigter Planet mit stabilen Temperaturen von 20 bis 50 Grad Celsius gewesen sein.

Blick in die Zukunft der Erde

Deshalb ist Fuchs davon überzeugt, „dass wir von der Erde mit dem Blick zur Venus sozusagen auch einen Blick in unsere Zukunft werfen“. Die Venus sei in ihrem Lebenszyklus fortgeschrittener als die Erde. Sie sei ein Prototyp für den Zustand der Erde in einigen hundert Millionen Jahre. „Sehen wir in der Venus einen Endzustand von bewohnbaren Planeten dieser Größe?“, fragt Fuchs. Mit einer Venus-Mission könne man sich die Möglichkeit verschaffen, „die Klimamodelle auf der Erde weiterzuentwickeln und die Veränderungen unseres Planeten besser zu verstehen.“

Man wisse allerdings noch viel zu wenig über die Geologie dieses Planeten, sagt Fuchs. Die einzigen Daten direkt von der Oberfläche der Venus stammen von den sowjetischen Venera-Sonden aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Sie waren wegen der extremen Bedingungen auf der Venus-Oberfläche nur kurz im Einsatz.

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Fuchs hat die Hoffnung, dass die Esa doch noch eine eigene Venus-Mission startet. „So eine Entscheidung durchläuft immer einen Prozess.“ Letztlich gehe es auch immer um die Sinnhaftigkeit einer solchen Mission. „Einen Grund mehr, sich für eine Exploration zu entscheiden, haben nun die jüngsten wissenschaftlichen Veröffentlichungen gegeben. Und wie so eine Mission umgesetzt kann, dafür machen wir als Unternehmen Vorschläge in Form unserer Machbarkeitsstudie und hoffen natürlich auf eine Umsetzung unserer Ideen.“

So oder so sei er davon überzeugt, „dass es in den nächsten Jahren eine Venus-Mission geben wird." Auch die Russen und die Amerikaner seien an dem Thema dran. Die letzte Mission gab es 2010 mit der japanischen Raumsonde Akatsuki. Die frühere Sowjetunion hatte 1961 mit dem Venera-Programm mit Venus-Missionen begonnen. Mit Venera 7 gelang 1970 die erste erfolgreiche Landung auf einem fremden Planeten. Sie konnte 23 Minuten lang ein schwaches Signal von der felsigen Venus-Oberfläche senden. Die Esa schickte 2006 eine eigene Sonde zur Venus.

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Wie OHB die Venus erforschen will

Aufgrund der extremen Bedingungen auf ihrer Oberfläche – Temperaturen von weit über 400 Grad Celsius und ein Druck wie in der Tiefsee – wurde seit den 1980er-Jahren kein Landeversuch mehr auf der Venus unternommen. In einer hausinternen Studie hat OHB deshalb gemeinsam mit Wissenschaftlern von verschiedenen Universitäten ein Konzept entwickelt, um Messinstrumente in die Atmosphäre des Planeten zu bringen und direkt vor Ort nach Spuren von Leben zu suchen. In einer Höhe von etwa 50 Kilometern beginnt die Wolkenschicht der Venus.

In diesem Bereich entspricht der Druck in etwa den, der auf der Erdoberfläche herrscht und die Temperaturen liegen nur bei etwa 60 Grad Celsius. Allerdings gibt es starke Winde, die Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 360 Kilometer pro Stunde erreichen können. Ein Einsatz von Ballons wie bei früheren Missionen schließt die Studie deshalb aus. OHB favorisiert zur Analyse der Atmosphäre ein bis zwei unterschiedlich große autonome Flugzeug.

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