Food Logistics

Strafanzeige gegen Leiter von Dachser Bremen

Verdi stellt Strafanzeige gegen Niederlassungsleiter vom Logistikunternehmen Dachser Food Logistics Bremen. Die Gewerkschaft wirft dem Leiter „Behinderung der Betriebsratsarbeit“ vor. Dachser widerspricht.
05.05.2020, 06:00
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Strafanzeige gegen Leiter von Dachser Bremen
Von Peter Hanuschke
Strafanzeige gegen Leiter von Dachser Bremen

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen den Chef von Dachser Food Logistics in Bremen gestellt. Die Gewerkschaft sieht in dem Handeln des Niederlassungsleiters eine „Behinderung der Betriebsratsarbeit“ und damit einen „schweren Verstoß“ nach dem Betriebsverfassungsgesetz.

Patrick Seeger/dpa

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen den Chef von Dachser Food Logistics in Bremen gestellt. Die Gewerkschaft sieht in dem Handeln des Niederlassungsleiters eine „Behinderung der Betriebsratsarbeit“ und damit einen „schweren Verstoß“ nach dem Betriebsverfassungsgesetz. Dachser lege als Familienunternehmen großen Wert auf das faire Miteinander in den Betrieben, sagte der weltweit tätige Logistikdienstleister auf Nachfrage des WESER-KURIER. „Mit unseren Betriebsräten arbeiten wir eng und vertrauensvoll zusammen.“

Auflösung des Betriebsrats

Laut Verdi hatte der Niederlassungsleiter zunächst eine Herabstufung des Betriebsratsvorsitzenden und Gewerkschafters Thomas Urbanski vom Lagerleiter zum Azubi-Beauftragten angeordnet. Gleichzeitig sei damaligen Betriebsrats-Mitgliedern eine Entgelterhöhung angeboten worden, wenn sie das Gremium verlassen würden. In einem Fall könne Verdi das schriftlich belegen. „Nachdem fünf BR-Mitglieder zurückgetreten waren, musste der Betriebsrat wegen Unvollständigkeit vorläufig aufgelöst werden“, so Verdi.

Diese Darstellung sei nicht korrekt, stellte Dachser klar. Mit Herabstufung habe das nichts zu tun: „Im September 2018 wurde im Zuge einer Neustrukturierung des Managements entschieden, eine andere Form der Steuerung des Lagerbetriebs einzuführen“, so Andreas Froschmayer, Sprecher von Dachser. Dabei sei eine bisherige Führungsebene entfallen. „Eine der beiden Stellen hatte der damalige Betriebsratsvorsitzende Thomas Urbanski inne. Die Entscheidung hatte betrieblich veranlasste sachliche Gründe und wurde unabhängig von der Person der beiden Lagerleiter getroffen.“

Sache der Gewerkschaft

Hinsichtlich der Klage habe der aktuelle Betriebsrat nichts initiiert, betonte Axel Herbst, Betriebsratsvorsitzender vom Dachser Logistikzentrum in Bremen. Das sei allein Sache der Gewerkschaft, und die Klage stehe offensichtlich mit dem früheren Betriebsratsvorsitzenden und Betriebsrat im Zusammenhang.

Für die Gewerkschaft stecke hinter dem angeblichen Handeln von Dachser Strategie: „Wenn ich als Arbeitgeber den BR-Vorsitzenden nicht wegbekomme, dann versuche ich das ganze Gremium aufzulösen“, sagte dazu Gewerkschaftssekretär Jonas Lebuhn. „Ein Angriff auf den Betriebsrat ist immer auch ein Angriff auf die ganze Belegschaft und die Demokratie“, so Thomas Warner, Verdi-Fachbereichsleiter Postdienste, Spedition und Logistik für Niedersachsen und Bremen.

Alternative Beschäftigung

Der Inhalt der von Verdi erwähnten Strafanzeige sei dem Unternehmen noch nicht bekannt. „Sollte tatsächlich eine solche Strafanzeige gestellt worden sein, bitten wir um Verständnis, dass wir uns zu einem solchen Verfahren vor dessen Abschluss nicht öffentlich äußern werden‘“, heißt es. Zur Person Urbanski sagte Dachser: Die Niederlassungsleitung habe dem Betriebsratsvorsitzenden nach der Neustrukturierung mehrere alternative Positionen angeboten, unter anderem die des gesamtkoordinierenden Betreuers für die Auszubildenden.

Dies sei bei Dachser eine Vertrauensposition und genieße ein hohes Ansehen. „Wir legen als Familienunternehmen großen Wert auf die gute Ausbildung im eigenen Unternehmen.“ Man vertraue die jungen Menschen deshalb Mitarbeitern mit Vorbildfunktion an. Diese Position und weitere Angebote habe Dachser mit gleicher Vergütung und auch ansonsten unveränderten Konditionen unterbreitet.

„Herr Urbanski hat diese Angebote leider allesamt abgelehnt, die Gespräche über eine geeignete Tätigkeit dauern an. Unser Ziel ist es, im Einvernehmen mit Herrn Urbanski eine alternative Beschäftigung zu gleichwertigen Bedingungen zu finden“, so Froschmayer. Dachser zählt zu den führenden Logistikunternehmen in Deutschland. Weltweit hat das Familienunternehmen aus Kempten etwa 30 500 Mitarbeiter, davon rund 16 200 in Deutschland. Bei Dachser Food Logistics in Bremen gibt es etwa 150 Beschäftigte.

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