Verbraucherzentrale übt Kritik

Vergleichsportale im Visier

Angebote wie Check24 oder Verivox erheben viele persönliche Daten. Verbraucherexperten appellieren deshalb an die Konsumenten, die Vergleichsportale mit Vorsicht zu nutzen.
07.01.2021, 10:26
Lesedauer: 3 Min
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Vergleichsportale im Visier
Von Mario Nagel
Vergleichsportale im Visier

Vergleichsportale wie Check24 stehen bei Verbraucherschützern in der Kritik (Symbolfoto).

Christoph Schmidt/DPA

Hunderte Euro pro Jahr sparen, indem man für Stromtarife, Versicherungen oder Handyverträge die günstigsten Anbieter sucht und einen neuen Vertrag abschließt – mit dieser Aussicht werben kleine und große Vergleichsportale im Internet. Die Marktführer haben damit offenbar Erfolg: Über Verivox haben nach Angaben des Unternehmens mehr als acht Millionen Kunden mindestens einen Vertrag abgeschlossen, Check­­24 zählt mit mehr als 15 Millionen fast das Doppelte an Kunden.

Auf den Vergleichsportalen können Nutzer mit der Eingabe von persönlichen Daten eigenständig und ohne großen Aufwand die vermeintlich günstigsten Verträge abschließen. So scheint es zumindest – Verbraucherschützer kritisieren dagegen seit Jahren die Anbieter und fordern strengere Regeln. Dirk Ulbricht vom Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen warnte in der Vergangenheit im „Spiegel“ vor blindem Vertrauen: „Alle großen Portale geben sich betont objektiv und verbraucherfreundlich. In Wahrheit wirken sie bei näherer Betrachtung wie reine Verkaufsmaschinen, die Verbraucher immer wieder täuschen können.“

Auch Annabel Oelmann rät, sich nicht in die Irre führen zu lassen. „Es hat sich gezeigt, dass Vergleichsportale häufig nicht so neutral sind, wie es immer scheint“, sagt die Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen. Durch eine bezahlte Platzierung tauchten auch Anbieter auf den vorderen Plätzen auf, obwohl sie nicht die besten Angebote hätten. „Diese Anbieter sind dann zwar als Werbung gekennzeichnet, aber einige Verbraucher übersehen das einfach“, sagt Oelmann. Die Verbraucher müssten während der Nutzung eines Vergleichsportals einige Dinge beachten. Schon in den Voreinstellungen könnten erste Fehler passieren. Ein falscher Haken hier, ein falscher Klick da – prompt erhalte der Nutzer nicht mehr das beste Angebot. „Dazu müssen sich die Nutzer im Klaren darüber sein, wie lange die Verträge laufen sollen, wie lange die Konditionen gelten und wie lang die Kündigungsfrist ist.”

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Yougov von 2018 ergab, dass 14 Prozent der Befragten ab 18 Jahren grundsätzlich keine Vergleichsportale im Internet nutzen. Knapp zwei Drittel gaben dagegen an, Vergleichsportale selten oder manchmal zu nutzen. Zugleich zeigt sich: Immer mehr Menschen informieren sich nicht nur vor dem Kauf eines Produktes auf Vergleichsportalen, sondern tätigen diesen auch dort.

Darauf würden die Portale wie Check24 oder Verivox abzielen, sagt Oelmann, denn nur bei einem Vertragsabschluss über das Portal erhielten diese ihre Provision. Darauf weist auch Swantje Claussen als Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit hin: „Alle Nutzerinnen und Nutzer von Vergleichsportalen sollten sich bewusst machen, dass es sich bei den Dienstleistungen von Vergleichsportalen regelmäßig um gewerbliche Angebote handelt, die auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind."

Doch den Portalen geht es laut Oelmann und Claussen nicht nur ums Geld, sondern auch um die persönlichen Daten der Nutzer. „Die Portale weisen zwar in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen darauf hin, zu welchen Zwecken die Daten erhoben und mit wem sie anschließend geteilt werden. Aber die meisten klicken innerhalb von Millisekunden auf ‚Akzeptieren‘, ohne zu wissen, was sie damit alles von sich preisgeben“, sagt Annabel Oelmann.

Check24 und Verivox teilen auf Anfrage mit, den Datenschutz durch eigens erstellte Konzepte einzuhalten. „Der Schutz personenbezogener Daten unserer Kunden ist für uns von zentraler Bedeutung. Daher wenden wir diverse Maßnahmen wie zum Beispiel die Verschlüsselung, Pseudonymisierung und Anonymisierung an, um einen optimalen Schutz der jeweiligen Datenkategorien sicherzustellen“, sagt Sabrina Sassen, Sprecherin von Verivox. Dennoch sollten Nutzer laut Annabel Oelmann wachsam sein – und besonders bei Kreditverträgen aufpassen. „Da wird teilweise nach anderen Krediten gefragt oder wo ich meine Bankkonten habe. Dann soll ich noch die Umsätze meines Girokontos darlegen. Noch persönlichere Details kann nur der Lebenspartner erzählen“, sagt die Vorständin der Verbraucherzentrale. Für einen Vertragsabschluss seien eigentlich lediglich die Schufa und Bonität notwendig.

Ob ein Vergleichsportal überhaupt genutzt werden sollte? Swantje Claussen will darauf keine pauschale Antwort geben: „Diese Entscheidung ist sehr individuell und muss im jeweiligen Einzelfall durch die Betroffenen selbst getroffen werden.“ Wichtig sei aus datenschutzrechtlicher Sicht nur, dass die Nutzer durch die datenschutzrechtskonforme Gestaltung der Angebote in die Lage versetzt seien, eine informierte Entscheidung zu treffen, so die Expertin Claussen.

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