Stiftung Warentest: Anbieter beraten schlecht Viele Bausparer zahlen drauf

Schlechte Beratung kostet viele Bausparer unnötiges Geld. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest. Ähnliche Erfahrung hat auch die Verbraucherzentrale Bremen gemacht.
21.01.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Viele Bausparer zahlen drauf
Von Maren Beneke

Erdrückend hohe Raten, aufgeblähte Bausparsummen oder verschenkte Riester-Förderung: Schlechte Beratung kostet viele Bausparer unnötiges Geld. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest. Ähnliche Erfahrung hat auch die Verbraucherzentrale Bremen gemacht: In 80 Prozent der Fälle werde „unzureichend beraten“. Die Bausparkassen nehmen die Untersuchung zum Anlass, den Versäumnissen auf den Grund zu gehen.

Die Testergebnisse sind ernüchternd: Gerade einmal drei Bausparkassen konnten bei der Baufinanzierungsberatung überzeugen. So lautet das Fazit der Stiftung Warentest, die insgesamt 20 Bausparkassen in Deutschland untersucht hatte. Nach Einschätzung der Verbraucherorganisation zahlen viele Bausparer wegen schlechter Beratung zu viel oder müssen ihren Immobilienkauf um Jahre verschieben. Der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Leistung der Bausparkassen machten im Modellfall demnach mehr als 13 000 Euro aus.

Die Stiftung Warentest hatte nach eigenen Angaben Tester in jeweils sieben Filialen der Bausparkassen geschickt. Ihr Ziel: Sie wollen in zehn Jahren eine Immobilie kaufen. Bis dahin können sie 400 Euro im Monat sparen. „Der Fall ist einfach und hätte den Experten keine Probleme bereiten dürfen“, teilte die Stiftung Warentest mit. Dennoch hätten die Bausparberater in den Beratungsgesprächen kaum einen Fehler ausgelassen. So sei die Bausparsumme mitunter so aufgebläht gewesen, dass die Kunden das Geld erst in 15 bis 20 Jahren bekommen hätten. Weitere häufige Fehler: erdrückend hohe Raten für die Rückzahlung des Bauspardarlehens, unnötig hohe Sparsummen oder eine verschenkte Riester-Förderung.

Ähnliche Erfahrungen hat auch die Verbraucherzentrale Bremen gemacht. Finanzierungsexperte Hartmut Schwarz: „Die Beratungsqualität ist sehr unterschiedlich.“ Fest steht laut Schwarz: In 80 Prozent der Bremer Fälle werde „unzureichend beraten“. Ein spezielles Institut wollte er nicht herausheben. Er habe aber zunehmend das Gefühl, dass es den Bausparkassen nur um die Abschlüsse geht. „Statt auf die individuellen Bedürfnisse zu achten, wird nur verkauft“, sagte Schwarz. „Und dann wird einfach nur der Standard genommen.“ Nach Angaben der Verbraucherzentrale hat daher die Zahl der Bremer, die sich bei der Verbraucherschutzorganisation zum Thema Bausparen beraten lassen, weiter zugenommen.

Entsprechend fiel auch das Ergebnis der Stiftung Warentest aus: Neben den drei Testsiegern mit der Note „gut“ – LBS Baden-Württemberg, Wüstenrot und LBS Ost – mussten sich zehn Bausparkassen mit einem Befriedigend zufrieden geben, drei bekamen ein Ausreichend. Insgesamt vier Mal verteilte die Stiftung Warentest die Gesamtnote „mangelhaft“.

Darunter ist auch die LBS West (Note: 4,6) zu finden, die die Landesbausparkasse Bremen vor gut zwei Jahren von der Sparkasse Bremen übernommen hat. Nach eigenen Angaben betreut die LBS West derzeit mehr als 60 000 Kunden mit circa 77 000 Bausparverträgen in Bremen. Mit dem aktuellen Testergebnis ist man natürlich nicht zufrieden. Bei eigenen Testkäufen seien sehr gute Ergebnisse erreicht worden, teilte die LBS West mit. „Wir nehmen das Abschneiden aber zum Anlass und Ansporn, uns auch bei derartigen Tests in Zukunft erheblich besser zu positionieren“, sagte LBS-West-Sprecher Curt Brüning. Kritik übte er an der Zahl der Testkäufe der Stiftung Warentest: Sieben Beratungsgespräche seien nicht repräsentativ.

Noch hinter der LBS West landete die Deutsche Bank Bauspar (Note: 4,9), die Bausparkasse der Deutschen Bank. Deren Sprecher verwies auf ein aktuelles Statement des Verbandes Privater Bausparkassen: „In einzelnen Beratungen wurden offenbar Fehler gemacht“, sagte Verbandssprecher Alexander Nothaft. Dies gelte es jetzt genauer zu analysieren. „Für ein abschließendes Urteil ist es deshalb noch zu früh. Danach werden wir überlegen, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind.“ In erster Linie sei dies aber Aufgabe der Institute, bei denen Mängel aufgetreten sind. Regionale Zahlen zu Bausparverträgen weist die Deutsche Bank nicht aus.

Im oberen Mittelfeld landete die Schwäbisch Hall (Note: 3,2), mit der unter anderem die Bremische Volksbank zusammenarbeitet. „Für uns ist das Testergebnis nicht zufriedenstellend“, sagte Thomas Trenz, Sprecher der Bremischen Volksbank. Er geht aber davon aus, dass bei seiner Bank nicht getestet wurde. Die Ansprüche der Bremischen Volksbank an die Schwäbisch-Hall-Berater seien vergleichsweise hoch: Diese müssen nicht nur gelernte Bankkaufleute, sondern auch Bankbetriebswirte sein. „Beschwerden über Beratungsgespräche habe ich noch nie gehört“, sagte Trenz weiter. Demnach betreut die Bremische Volksbank aktuell zwischen 5500 und 6000 Bausparverträge.

Zweiter Testsieger wurde Wüstenrot mit der Gesamtnote „gut“. Kooperationspartner von Wüstenrot in Bremen ist unter anderem die Commerzbank. Nach Angaben des Geldinstituts nutzen die Kunden das Bausparen vor allem, um sich für die Zukunft gegen steigende Zinsen abzusichern. Die Nachfrage ist offenbar ungebrochen: Laut den Angaben wurden in Zusammenarbeit von Commerzbank und Wüstenrot allein im Geschäftsjahr 2014 in der Region Bremen rund 25 Millionen Euro Bauspar-Neugeschäftsvolumen abgeschlossen.

Trotz der Testergebnisse hält die Stiftung Warentest Bausparen nach wie vor für sinnvoll. Heinz Landwehr, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“, in der die Untersuchung veröffentlicht worden ist, sagt: „Bausparen an sich ist eine prima Idee.“ Zumindest für diejenigen, die mittel- bis langfristig eine Immobilie kaufen, bauen oder modernisieren wollen. Denn Bausparkassen sichern ihren Kunden laut Stiftung Warentest feste Kreditzinsen von 1,5 bis drei Prozent für ihre Finanzierung zu – und bei der derzeitigen Niedrigzinsphase ist sparen bei der Bank im Moment keine großartige Alternative.

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