Kammer-Konjunkturumfrage Viele neue Jobs im Bremer Handwerk

Bremen. Das Bremer Handwerk spürt noch nichts von einer Konjunkturflaute Bei der jüngsten Umfrage der Handwerkskammer Bremen haben fast 90 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend beurteilt.
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Viele neue Jobs im Bremer Handwerk
Von Petra Sigge

Bremen. Das Bremer Handwerk spürt noch nichts von einer Konjunkturflaute Bei der jüngsten Umfrage der Handwerkskammer Bremen beurteilten fast 90 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Das waren sogar 13 Prozent mehr als vor einem Jahr. Fachkräfte sind oft nur noch mit übertariflicher Bezahlung zu haben.

Die Beschäftigungslage ist stabil, die Binnennachfrage ist gut, die Kapazitätsauslastung hat sich verbessert und die Auftragseingänge sind gestiegen. So hat gestern der Präses der Handwerkskammer, Joachim Feldmann, die Situation im Bremer Handwerk zusammengefasst. Auch die Erwartungen an das künftige Geschäft seien vorsichtig optimistisch.

Bremenweit gibt es nach Kammer-Angaben rund 5000 Handwerksunternehmen. In der Mehrzahl sind es kleine Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitern. Zusammengenommen, beschäftigt das Bremer Handwerk mehr als 29000 Menschen, sagt Feldmann. Damit sei es eine gewichtige Größe auf dem heimischen Arbeitsmarkt. Für die Konjunkturumfrage hatte die Kammer rund 1200 Betriebe aus 39 Berufen in Bremen und Bremerhaven befragt.

Neues Personal gesucht

17 Prozent haben danach in den letzten sechs Monaten zusätzliches Personal eingestellt. 77 Prozent haben ihren Personalbestand gehalten und nur sechs Prozent haben ihre Belegschaft verkleinert. Auch für das Winterhalbjahr rechnen lediglich fünf Prozent damit, Personal abbauen zu müssen. Fast doppelt so viele gaben dagegen an, aufstocken zu wollen.

Dazu gehört auch Rainer Knoll, Bäckermeister in Bremen-Nord. Der 52-Jährige hat gerade erst einen Konditormeister und einen Bäckergesellen eingestellt. Zum 1. Januar nächsten Jahres fängt eine weitere Konditorin bei ihm an. "Wenn ich mir unseren Auftragseingang und den wachsenden Kundenstamm anschaue, werden im Laufe des nächsten Jahres wohl noch mal vier oder fünf neue Leute dazukommen", sagt Knoll.

1983 hat er den Betrieb zusammen mit seiner Frau gegründet. Sie ist Konditormeisterin und damit für die süßen Sachen zuständig, "und ich bin der Mann fürs Grobe", sagt der Bäckermeister. Mit vier Beschäftigten hat er damals angefangen - heute hat der Betrieb 60 Mitarbeiter. Knolls Erfolgsrezept: er backt nur Biobrot und -kuchen. 90 Prozent seines Jahresumsatzes macht Knoll mit Lieferungen an Naturkostläden, Reformhäuser, Supermärkte oder andere Großabnehmer in ganz Norddeutschland. Dazu zählen etwa auch andere Bäckereien, die ihr konventionelles Sortiment durch Bio-Brot ergänzen wollen oder sich auch nur mit Kuchen beliefern lassen, weil sie den selbst nicht mehr backen. "Wir haben den Vorteil, dass wir dank moderner Technik rationeller und dank unserer Großabnehmer größere Chargen backen können, dadurch sind wir einfach effizienter als andere", sagt Knoll. Das schlägt sich auch in der Bilanz nieder. "In diesem Jahr haben wir bisher schon ein Umsatzplus von zehn Prozent erzielt."

Viele seiner Kollegen wären schon mit weniger zufrieden. Immerhin 18,2 Prozent der Betriebe aus dem Nahrungssektor - dazu gehören neben den Bäckern und Konditoren auch die Fleischer - mussten einen Umsatzrückgang hinnehmen. Zu den Verlierern gehören der Umfrage zufolge jedoch in erster Linie Dienstleister wie Frisöre, Kosmetiker, Schneider oder auch Fotografen. Hier seien die Umsätze um mehr als 47 Prozent gesunken, berichtete die Betriebsberaterin der Handwerkskammer, Angelika Pfeifer.

Besonders gut läuft es dagegen derzeit für das Baugewerbe und da vor allem für Gewerke, die für den Innenausbau zuständig sind - zum Beispiel Maler, Lackierer, Klempner, Glaser, Fliesenleger oder Tischler. 97 Prozent der Betriebe sind gut oder sehr gut ausgelastet. "Die Betriebe profitieren vom Trend zur Geldanlage in eigenen Immobilien", so Kammerpräses Feldmann.

Über alle Branchen hinweg sei die Umsatzentwicklung unter dem Strich positiv, erläuterte der Kammerpräses. Demnach meldeten 29 Prozent der Unternehmen gestiegene Umsätze und nur noch 15,5 Prozent mussten Umsatzeinbußen verkraften. Das sei eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Die positive Entwicklung lasse sich auch an den Auftragseingängen ablesen. Im Durchschnitt hätten die Gewerke inzwischen ein Auftragspolster für siebeneinhalb Wochen. "Die Auslastung ist also kein Thema. Das Problem ist eher, genügend Fachkräfte zu bekommen, um alle Aufträge abarbeiten zu können", so Feldmann. Die meisten Betriebe zahlten jetzt schon über Tarif oder Zulagen, um sich qualifizierte Kräfte zu sichern. Auch viele Ausbildungsstellen könnten nicht besetzt werden. Hier habe sich der Trend umgekehrt. Vor zwei Jahren hätten die Betriebe noch über Bedarf hinaus ausgebildet, um alle Bewerber unterzubringen. Heute gebe es deutlich zu wenig Bewerber.

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