Coronakrise

Vier-Tage-Woche bei Airbus in Bremen

Airbus fährt wegen der gedrosselten Flugzeugproduktion in der Coronavirus-Krise auch die Fertigung neuer Tragflächen zurück. In Bremen verkürzt der Konzern daher die Arbeitswoche.
27.03.2020, 05:52
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Vier-Tage-Woche bei Airbus in Bremen
Von Peter Hanuschke
Vier-Tage-Woche bei Airbus in Bremen

Airbus in Bremen drosselt in den kommenden Wochen die Flügelmontage.

Torsten Spinti

Die Auftragsbücher des europäischen Flugzeugherstellers sind für einen Großteil der Modellpalette im zivilen Bereich für die nächsten Jahre gut gefüllt – doch das zählt in diesen Zeiten nicht. Wegen der Coronavirus-Pandemie fährt Airbus die Produktion zurück.

Konkret geht es um die britischen Standorte Filton und Broughton, dort werden die Flügel gefertigt. Und das hat Auswirkungen auf das Bremer Werk, wo die Flügelpaare aller Modelle unter anderem mit Landeklappensystemen ausgestattet werden: In Bremen wird deshalb die Arbeitswoche verkürzt; in Filton und Broughton werden die Osterferien verlängert.

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Die Produktion werde aufgrund des geringeren Bedarfs für die nächsten drei Wochen angepasst, teilte der Luftfahrt- und Rüstungskonzern am Donnerstag in Toulouse mit. „Nach der viertägigen Pause in unseren Werken in Spanien und Frankreich haben wir für die Flügelausrüstung die momentanen Lagerbestände und die aktuelle Nachfrage der Endmontagelinien überprüft“, sagte Imke Langhorst, Airbus-Standortleiterin in Bremen, dem WESER-KURIER. „Daher werden in Bremen die Arbeiten in der Flügelausrüstung temporär auf eine Vier-Tage-Woche verkürzt.“ Dies gelte zunächst für diese und die kommende Woche – jeweils Freitag.“

Airbus hatte die Flugzeugproduktion in Frankreich und Spanien bereits vergangene Woche für vier Tage ausgesetzt, um den verschärften Regelungen im Zuge der Coronavirus-Pandemie in den beiden Ländern nachzukommen. Der Konzern führte auch zusätzliche Sicherheits- und Hygienemaßnahmen ein. Die Produktion läuft nach früheren Angaben von Airbus in den beiden Ländern wieder, allerdings nicht in vollem Umfang. In Deutschland, Großbritannien und den USA war der Flugzeugbau bislang in normalem Maß weitergegangen. „Die vorübergehende Vier-Tage-Woche ist die Auswirkung der reduzierten Produktion“, so Jens Brüggemann, Betriebsratsvorsitzender beim Flugzeugbauer Airbus Operations in Bremen. Es verlaufe aber alles im Rahmen. „Wir können alles mit Bordmitteln abfedern.“

Die Beschäftigten hätten durch die Vier-Tage-Woche keine Einkommensverluste, und keiner der Mitarbeiter müsse an seinen Urlaub ran. Das ergebe sich aus dem Zukunftstarifvertrag, der seit 2013 und bis einschließlich dieses Jahr gelte. Darin sei auch ein sogenanntes Sicherheitsarbeitskonto beinhaltet. Hintergrund der aktuellen Maßnahmen zur vorübergehenden Reduzierung der Flügelproduktion um 20 Prozent seien die Corona-Sicherheitsmaßnahmen in den Airbus Werken weltweit.

„Wir begrüßen sehr, dass Airbus hier einen so verantwortungsvollen und gleichzeitig pragmatischen Weg geht,“ sagte Kristina Vogt (Die Linke), Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, auf Nachfrage. Auf der einen Seite stehe der Schutz vor dem Coronavirus, auf der andern Seite bleibe die Produktion ­insgesamt erhalten. „Die Maßnahmen werden aktuell ohne den Zugriff auf das Kurzar­beitergeld umgesetzt, sondern laufen gegen die Arbeitszeitkonten“, sagte Vogt. „Bei der ­Gestaltung dieser betrieblichen Maßnahmen gab es Einvernehmen mit dem Betriebsrat.“ Hierin zeige sich deutlich die Stärke einer guten Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen, den Betriebsräten sowie den Gewerkschaften.

Am Montag hatte Airbus bekannt gegeben, sich mit weitreichenden finanziellen Schritten gegen die Folgen der Coronavirus-Krise zu stemmen. So will der Konzern die zunächst vorgesehene Dividende für 2019 streichen, was etwa 1,4 Milliarden Euro bringt. Zudem sicherte sich Airbus eine neue Kreditlinie über 15 Milliarden Euro.

Insgesamt liege die Liquidität des Konzerns damit bei etwa 30 Milliarden Euro, hatte es geheißen. Von seinen Geschäftszielen für 2020 musste sich Airbus-Chef Guillaume Faury allerdings verabschieden.

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