Wolfgang-Ritter-Preis

Von Landmaschinen bis Schokohasen

Die Wolfgang-Ritter-Stiftung zeichnet jedes Jahr den Nachwuchs der Wirtschaftswissenschaften aus. In diesem Jahr gab es zwei Sieger, die sich über das Preisgeld freuen durften.
04.05.2018, 16:59
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Von Landmaschinen bis Schokohasen
Von Stefan Lakeband

Eigentlich sei sein Thema für Laien sterbenslangweilig, sagt Christian Stauf. Doch wer ihm zuhört, merkt schnell, dass sich hinter dem Titel „Ganzheitliches Intellectual Property Management im Unternehmen“ doch ein spannendes Forschungsgebiet verbirgt. Für seine Dissertation zu diesem Thema hat Stauf daher am Donnerstag den Wolfgang-Ritter-Preis im Bremer Rathaus bekommen.

Die Auszeichnung geht auf Wolfgang Ritter zurück, dem langjährigen Inhaber der Martin Brinkmann AG, die früher eines der bedeutendsten bremischen Industrieunternehmen und eine der größten Tabakfabriken Europas war. 1970 gründete Ritter die gleichnamige Stiftung, die sich der akademischen Nachwuchsförderung verschrieb. Bislang wurden laut Stiftungs-Vorstand Helge Bernd von Ahsen mehr als zwölf Millionen Euro an wissenschaftliche Einrichtungen ausgeschüttet. Jährlich wird zudem der Wolfgang-Ritter-Preis verliehen, der wissenschaftliche Leistungen aus der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre auszeichnet.

Methodisches Feuerwerk

Stauf, der an der TU Kaiserslautern promoviert hat, hat sich in seiner Arbeit den Möglichkeiten gewidmet, wie Unternehmen ihre Innovationen schützen können. „Das geistige Eigentum lässt sich nicht nur durch Patente absichern“, sagt der 37-Jährige. Patente seien teuer und würden auch gar nicht alle Bereiche abdecken. Der Forscher nennt das Beispiel eines deutschen Landmaschinenherstellers, der auf einer Messe Fahrzeuge eines chinesischen Wettbewerbers entdeckt hatte, die von außen genauso aussahen wie seine. Als der Hersteller auf seine Patente verwies und mit Hilfe des Zolls die chinesischen Fabrikate von der Ausstellung entfernen wollte, habe sich herausgestellt, dass die Technik im Innern eine ganz andere sei. Der Schutz der Patente sei damit wirkungslos. „Dabei war offensichtlich, dass das chinesische Unternehmen mit dem Design bewusst an das deutsche Produkt erinnern wollte“, sagt Stauf.

Der deutsche Hersteller hatte sich aber auch sein Design schützen lassen, sodass er gegen das Plagiat doch noch habe vorgehen können, sagt der Wissenschaftler. Viele Firmen seien aber nicht dafür sensibilisiert, wie sie ihr Eigentum, auch ihr geistiges, schützen könnten. „Besonders kleine und mittelständische Unternehmen müssen sich auf ihr Kerngeschäft fokussieren und haben häufig nicht die Mittel, sich mit allen Schutzmöglichkeiten für ihre Innovationen auseinanderzusetzen“, sagt Stauf.

Wie differenziert der Schutz von geistigen Eigentum sein kann, zeigt auch ein anders Beispiel: Vor einigen Jahren hat der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt ein bayrisches Unternehmen verklagt, weil dieses einen Schokoladenhasen in Goldfolie produziert und verkauft. Lindt sah darin eine zu große Ähnlichkeit zum eigenen Goldhasen mit dem roten Halsband, der als EU-Marke eingetragen und in einzelnen Ländern markenrechtlich geschützt ist. Der Bundesgerichtshof wies die Klage aber ab. Einen ähnlichen Fall hatte Lindt zuvor in Österreich hingegen gewonnen.

Neben Hauf wurde auch Svetlana Fedoseeva von der Justus-Liebig-Universität in Gießen ausgezeichnet. In ihrer Promotion hat sie sich mit global vernetzen Unternehmen beschäftigt und wie sie mit schwankenden Wechselkursen umgehen. „Währungsfragen sind immer noch aktuell“, sagt Jochen Zimmermann, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Bremen und Jurymitglied. „Ein Blick auf sie lohnt sich immer.“ Fedoseeva Arbeit sei ein „Feuerwerk ökonometrischer Methoden“.

Start-up gegründet

Die Wissenschaftlerin hat zwischen 2001 und 2006 Wirtschaft an der Universität im russischen Samara studiert, ehe sie 2009 nach Gießen kam, um dort einen Master zu machen und später in Agrarökonomie zu promovieren. Ihre Dissertation wurde von der Justus-Liebig-Universität als beste Schrift ausgezeichnet, zudem hat Fedoseeva 2014 den Young Economist Award des International Network for Economic Research bekommen. Für die kommenden Monate hat sie sich neue Projekte vorgenommen, an denen sie forschen möchte: Dabei soll es unter anderem um Digitalisierung und Handelsbarrieren gehen.

Auch Stauf hat nach seiner Dissertation schon viele neue Projekte. Derzeit ist er Habilitand an der TU Kaiserslautern, Mitglied in einem Komitee, dass eine Deutsche Industrienorm zur Qualität im Intellectual Property Management festlegt und hat aus dem Thema seiner Dissertation ein eigenes Unternehmen gemacht. Mit Kollegen von der Universität hat er ein Start-up gegründet, das vor allem mittelständischen Unternehmen dabei helfen will, ihre Innovationen zu schützen.

Der Wolfgang-Ritter-Preis ist jährlich mit 20 000 Euro Preisgeld dotiert, dass sich in diesem Jahr die beiden ausgezeichneten Wissenschaftler teilen. „Beide Forscher geben überzeugenden Antworten auf wichtige Fragen, die Betriebswirtschaft- und Volkswirtschaftslehre vereinen“, sagt Zimmermann im Namen der Jury.

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