Preiskampf zum Jahresende Wann sich der Wechsel der Kfz-Versicherung lohnt

Bis zum 30. November können die meisten Kfz-Versicherungen fristgerecht gekündigt werden. Wieviel sich dabei sparen lässt, und worauf der Autofahrer lieber nicht verzichten sollte.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Olaf Grahl

Zum Jahresende liefern sich die Kfz-Versicherer einen Preiskampf. Bei einem Wechsel der Autoversicherung zahlten die Kunden im Oktober für die Haftpflichtversicherung zwölf Prozent weniger als im August 2018, ermittelte das Vergleichsportal Check24. „Die vergangenen Jahre zeigen, dass die durchschnittlichen Kfz-Haftpflichtbeiträge bis Ende November noch weiter sinken“, sagt Tobias Stuber, Geschäftsführer Kfz-Versicherungen bei Check24. Das hat vor allem einen Grund: Bis zum 30. November können die meisten Policen fristgerecht gekündigt werden, um nach einem günstigeren Anbieter zu suchen.

Tatsächlich haben in den vergangenen fünf Jahren nur 24 Prozent der Autofahrer ihre Versicherung gewechselt. Leichtfertig sollte das auch nicht erfolgen. „Denn im Schadenfall nützt einem der günstigste Tarif nichts, wenn das eingetretene Risiko nicht versichert ist, etwa Tierbissschäden“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

Je nach Fahrzeug und Halter

Bei einem Versicherungswechsel liegt im Durchschnitt die höchste Einsparung bei 155 Euro, ermittelte die Technische Hochschule Rosenheim in einer repräsentativen Studie. Die höchsten Einsparungen werden bei den Vergleichsportalen Check24 und Verivox erreicht. „Dort finden die Kunden zu 80 Prozent die günstigsten Tarife“, sagt Benjamin Dörler, Mitautor der Studie. Allerdings sind nicht alle günstigen Anbieter wie die HUK-Gruppe dort vertreten. Ebenfalls hohe Einsparungen sind bei einem Wechsel zur HUK oder HDI möglich. Für die Berechnung wurden die Tarife von 77 Versicherungsunternehmen für rund 500 Kundenprofile ermittelt. Im Schnitt zahlt der Kunde jetzt für seinen Jahresvertrag bundesweit 546 Euro.

Die Technische Hochschule Rosenheim ermittelte auch die Anbieter, die in der Kfz-Versicherung besonders günstig sind. Dazu gehören: HUK24, HUK Coburg, ADAC-Versicherung, WGV und R + V24. Allerdings beeinflussen auch sehr viele individuelle Faktoren die Versicherungsprämie. Deshalb können die Ergebnisse je nach Fahrzeug und Halter sehr unterschiedlich ausfallen. Neben dem Fahrzeugtyp, der Regionalklasse sowie dem Schadenfreiheitsrabatt (SF-Klasse) fließt eine Vielzahl weiterer Merkmale in die Beitragsberechnung ein – wie der Wohnort des Versicherten, der Beruf und das Alter und die jährliche Fahrleistung. Kaum eine andere Versicherung kennt derart viele Einflussfaktoren.

Während die Haftpflicht obligatorisch ist, hängt Teil- oder Vollkasko vom Bedarf ab. „Je jünger das Fahrzeug ist, desto sinnvoller ist eine Vollkaskoversicherung“, sagt Expertin Boss. Denn die Vollkasko kommt für Schäden am eigenen Fahrzeug nach selbst verschuldeten Unfällen und Vandalismus auf. Mit der Teilkasko sind Schäden durch Blitzschlag, Hagel, Brand, Überschwemmung, Sturm, Glasbruch, Diebstahl und Wildunfall abgesichert.

Auch nach dem Stichtag ist ein Wechsel möglich

Der Preis einer Kfz-Versicherung hängt auch von den Leistungen ab, die über einen einfachen Basisschutz hinausgehen. „Wir raten zur Höchstdeckung von 100 Millionen Euro für den Gesamtschaden“, sagt Boss. Personenschäden sollten mit mindestens acht Millionen Euro versichert sein. Bei der Vollkaskoversicherung sollte durch den Versicherer auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit verzichtet werden.

„Über eine erweiterte Wildschadenklausel sollten Schäden durch Kollisionen mit Tieren aller Art versichert sein“, rät Boss. Auch für Schäden durch Marderbisse sowie deren Folgeschäden sollte die Versicherung aufkommen, rät die Expertin vom Bund der Versicherten. All diese Kriterien werden in dem Berechnungsbeispiel für einen 32-Jährigen Golffahrer aus Bremen erfüllt. Die günstigsten Anbieter VHV, Cosmos Direkt und HUK24 bleiben mit ihrer Jahresprämie unter 400 Euro.

Lesen Sie auch

Die Axa sichert Tierbissfolgeschäden sogar unbegrenzt ab. Etwas gering fällt die Absicherung der Folgeschäden bei R+V24 im Tarif Komfort mit nur 1500 Euro aus. Bei den meisten Anbietern liegt die Grenze bei 3000 Euro. Zusätzlich bieten alle Tarife freie Werkstattwahl bei einem Kaskoschaden. Sonst muss das Fahrzeug in einer Partnerwerkstatt des Versicherers repariert werden.

Auch nach dem Stichtag ist ein Wechsel möglich. Ist eine Beitragserhöhung angekündigt, hat der Kunde ein Sonderkündigungsrecht. Allerdings ist eine Beitragserhöhung ohne eigenes Verschulden (Unfall) nicht immer leicht zu erkennen. Vor allem dann, wenn die SF-Klasse sinkt, können Beitragserhöhungen recht gut kaschiert werden. Kunden müssen nach dem Vergleichsbeitrag suchen, den die Versicherer in der Rechnung ausweisen müssen.

Bis zum 30. November kann beim alten Anbieter gekündigt werden. „Aber man sollte bereits die Zusage von einem neuen Versicherer haben, bevor man die Kündigung abschickt“, sagt Boss.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+