Insolvenz bei Oytener Unternehmen Warum der Großhändler Unimet scheiterte

Zum 1. Februar muss das Großhandelshaus Unimet mit Hauptsitz in Oyten seinen Betrieb einstellen. Mitten in der Phase der Restrukturierung ist dem Unternehmen das Geld ausgegangen.
15.01.2019, 22:38
Lesedauer: 4 Min
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Warum der Großhändler Unimet scheiterte
Von Jürgen Hinrichs

Zuletzt hatten sie noch ein richtig ­gutes Geschäft gemacht. Schaufeln zum Schneeschippen, die in diesen Wochen zu Hunderten nach Süddeutschland gegangen sind. Geholfen hat das freilich nicht mehr – das Großhandelshaus Unimet mit Hauptsitz in Oyten muss zum 1. Februar seinen Betrieb einstellen.

Bestehende Aufträge werden zwar noch abgewickelt, die Kunden müssen also nichts fürchten. Neu bestellen können sie bei Unimet ab Februar aber nicht mehr. Dem Unternehmen ist mitten in der Phase der Restrukturierung die Puste ausgegangen, es fehlte das Geld. Die Konsequenz ist, dass Unimet im Rahmen der Insolvenz geordnet abgewickelt wird, wie die Insolvenzverwalter mitteilen.

Hauptgesellschafter von Unimet ist die Gebrüder Thiele GmbH & Co. KG mit Sitz in Ritterhude. Die mittelständische Firmengruppe ist mit ihren Produktions- und Handelsaktivitäten in Europa, den USA und Asien engagiert. Entscheidend vorangetrieben hat das Geschäft in den Jahrzehnten nach 1960 der Bremer Ehrenbürger, Kunstmäzen und ehemalige Handelskammer-Präses Bernd Hockemeyer. Er hatte vor fast 50 Jahren Unimet gegründet. Heute ist sein Sohn Martin der Chef von Gebrüder Thiele.

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„Ich bin zutiefst betroffen, gerade auch wegen der Mitarbeiter“, sagte Bernd Hockemeyer am Dienstag dem WESER-KURIER. Der Untergang des Unternehmens sei unnötig. „Unimet war lange hochrentabel, leider ist in den vergangenen Jahren aber versäumt worden, sich rechtzeitig auf den Internethandel einzustellen.“ Der Großhandel könne heute nicht mehr nach altem Muster betrieben werden, „dann verliert man“, so Hockemeyer. Notwendig sei vielmehr, sich via Internet nach dem Beispiel von Amazon auf den Direktvertrieb zu konzentrieren und Warenflüsse zu organisieren. Gekoppelt werden müsse das mit einer starken Logistik: „Heute bestellt, morgen ausgeliefert, gerade das war doch die Stärke von Unimet.“

Unternehmen wollte einstelligen Millionenbetrag investieren

Mit der Insolvenz des Unternehmens verlieren rund 500 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz, 130 davon am Firmensitz in Oyten. ­Weitere Standorte gibt es in Neuruppin im Osten der Republik, in Burgthann im Süden, und in Hachenburg im Westen. Diese drei Filialen waren bereits vor der neuen Entwicklung auf der Streichliste und sollten binnen zwölf ­Monaten geschlossen werden, hatte Unimet im Mai vergangenen Jahres der Belegschaft mitgeteilt. Das war Teil einer groß angelegten Neuausrichtung mit dem Ziel, wie es damals wörtlich hieß, „künftig der führende deutsche B2B-Muli-Channel-Anbieter für Garten-, Haushalts-, Elektro- und Werkstattartikel zu werden“. Das Unternehmen wollte dafür nach eigenen Angaben einen einstelligen Millionenbetrag investieren, um danach wieder besser ins Geschäft zu kommen und nebenbei auch erhebliche Kosten einzusparen.

Mitten in diesen Prozess hinein platzte dann der Liquiditätsengpass. Ob die Gebrüder Thiele GmbH als Hauptgesellschafterin von Unimet nicht bereit war, diese Lücke zu schließen, ob sie es möglicherweise mangels eigener Masse nicht konnte oder andere Widrigkeiten im Spiel waren, bleibt vorerst offen. Dazu wollte Bernd Hockemeyer, der seit zehn Jahren nicht mehr im operativen Geschäft tätig ist, keine Auskunft geben, um das Insolvenzverfahren nicht zu stören, wie er sagte.

Unimet hatte sich als Großhändler in den vergangenen Jahrzehnten nach eigener Darstellung einen Stamm von mehr als 10.000 Kunden aufgebaut. Im Sortiment waren insbesondere Haushaltswaren, Elektrogeräte, Werkzeug, Gartenmöbel, und Gartengerät. Es gab einige Marken, die exklusiv vertrieben wurden. Das Unternehmen hat auch Messen veranstaltet und für seine Kunden den Ladenbau übernommen. Insgesamt waren es 25.000 unterschiedliche Artikel, die dem Fach-Einzelhandel angeboten wurden. Ausgeliefert hat sie vor allem der eigene Fuhrpark mit 120 Lastwagen.

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Als Unimet im November die Eröffnung von Insolvenzverfahren für alle seine Gesellschaften beantragte, kam das für Beobachter wie über Nacht. Die Restrukturierung war ja voll im Gang, mit ersten Ergebnissen konnte in den nächsten Monaten gerechnet werden. Möglicherweise waren die Probleme aber zu groß geworden, wirklich klar wurde das nicht. „Diese unübersichtliche Lage hat es für uns so schwierig und am Ende unmöglich gemacht, neue Investoren zu finden“, erklärt Insolvenzverwalter Malte Köster.

„Fortführung aus eigener Kraft war betriebswirtschaftlich nicht möglich“

Es habe eine Handvoll Interessenten gegeben, sowohl Firmen, die sich allein finanziell engagieren wollten als auch strategische Investoren. Zu den Optionen habe gezählt, Unimet in die einzelnen Sparten des Sortiments aufzuspalten. Letztlich hätten aber sämtliche Bewerber vor dem Hintergrund des schwierigen Marktumfeldes und mit Blick auf den bestehenden Restrukturierungs- und Modernisierungsaufwand bei Unimet kein finales Angebot abgegeben. „Eine Fortführung aus eigener Kraft war betriebswirtschaftlich nicht möglich“, so Köster.

„Bei Unimet kam viel zusammen“, sagt der Insolvenzverwalter, „ein sehr schwieriges Marktumfeld, hoher Modernisierungsbedarf im Zuge des digitalen Wandels und ungünstige Entwicklungen mit Blick auf die Finanzierung des Saisongeschäfts.“ Wie Firmengründer Bernd Hockemeyer stellt auch Köster das bisherige Geschäftsmodell des Großhandels infrage: „Wozu braucht man so etwas noch, wenn direkt beim Hersteller bestellt werden kann?“

In einem Insolvenzverfahren lägen immer auch Zukunftschancen, so Köster, „manchmal ist ein Marktaustritt aber unumgänglich“. Letztendlich sei im Falle von Unimet zu wenig Zeit geblieben. „In den kommenden Wochen werden wir prüfen, was wir tun können, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Wechsel in neue Arbeitsverhältnisse zu unterstützen. Hierzu stehen wir in engem Austausch mit dem Betriebsrat.“

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