Eingebauter Chip

Was der Personalausweis online kann

Mit dem Ausweis lassen sich Behördengänge einfach online erledigen - allerdings ist dabei einiges zu beachten.
19.09.2019, 06:01
Lesedauer: 4 Min
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Von VON Kim Torster

Bremen. Seit beinahe neun Jahren, seit dem 1. November 2010, wird an Bürger der Bundesrepublik Deutschland der Personalausweis im Checkkartenformat ausgegeben. Neben den weltweit höchsten Sicherheitsstandards, die der neue Personalausweis erfüllt, bietet er die Möglichkeit, einige Behördengänge online zu erledigen. Ein darin verbauter Chip speichert die persönlichen Daten wie Lichtbild, Name, Adresse oder die eigene Unterschrift. Durch Auslesen des Chips kann so die eigene Identität im Internet bestätigt werden.

Eine Studie des Marktforschungsunternehmens Ipsos aus dem Jahr 2018 hat ergeben, dass im Schnitt nur jeder zehnte Deutsche seine Behördengänge im Internet erledigt. Der Bund geht derzeit außerdem davon aus, dass nur jeder Zweite die Online-Funktion seines Ausweises überhaupt aktiviert hat.

Wofür ist das gut?

Bundesweit gibt es einige einheitliche Funktionen, die der sogenannte elektronische Personalausweises bietet. So ist es damit beispielsweise möglich, ein Führungszeugnis online zu beantragen oder sich über den Status des Kindergeldantrages zu informieren. Außerdem kann die Bafög-Rückzahlung mithilfe des Personalausweises online koordiniert werden, man kann jederzeit eine Rentenauskunft abfragen, eine Petition in den Bundestag einbringen oder mitzeichnen oder die eigenen Punkte in Flensburg – also beim Kraftfahrtbundesamt – abfragen. Derzeit rüsten zudem einige Banken auf spezielle Lesegeräte um, sodass Ausweise fortan vor Ort automatisch ausgelesen werden können.

Die Möglichkeiten zur Nutzung des elektronischen Personalausweises variieren aber teilweise je nach Bundesland. In Bremen und Niedersachsen ist es zum Beispiel außerdem möglich, die Steuererklärung online über Elster einzureichen, ohne vorher auf den Aktivierungsbrief warten zu müssen. Außerdem können Bremer mit dem Personalausweise online Bürgeranträge einbringen oder unterzeichnen. Wie eine Sprecherin des Bremer Finanzressorts sagt, arbeite Bremen zudem gerade an einem Digitalisierungsprogramm für Eltern. Im Rahmen von „Einfache Leistungen für Eltern“ (Elfe) soll es demnach in Kürze möglich sein, mit dem Personalausweis zum Beispiel Elterngeld, Kindergeld oder die Geburtsurkunde online zu beantragen. Die Stadt arbeite derzeit an der technologischen Umsetzung. Zudem müssten vorab noch Gesetze angepasst werden.

Wie geht das?

Zunächst ruft man die Internetseite der jeweiligen Behörde auf, bei der man sich ausweisen möchte, und startet die Abfrage. Wer den Personalausweis mit dem Smartphone oder Tablet auslesen möchte, muss vorab die NFC-Funktion aktivieren. Dann hält man den Personalausweis vor die NFC-Antenne im Smartphone oder Tablet (häufig auf der Rückseite) oder das Lesegerät und gibt seine selbst gewählte sechsstellige Pin ein.

Was brauche ich dafür?

Grundsätzlich verfügt jeder neue Personalausweis über den Chip mit Online-Funktion. Aus Sicherheitsgründen muss diese aber zunächst aktiviert werden. Bei Beantragung oder Ausgabe des Personalausweises werden Inhaber in der Regel gefragt, ob sie die Online-Funktionen nutzen wollen. Dann erhält der Ausweis-Inhaber einen Brief mit einer Aktivierungs-Pin. Die Aktivierung der Online-Funktion kann dann, gegen eine Gebühr, direkt in der Behörde erfolgen oder mithilfe der Pin kostenfrei online am PC oder Smartphone zu einem beliebigen Zeitpunkt. Nach der Aktivierung wählt der Nutzer selbst eine sechsstellige Pin, die fortan für die Nutzung der Online-Funktionen abgefragt wird.

Um die Online-Funktion über PC, Smartphone oder Tablet zu aktivieren und zu nutzen, benötigt man entweder ein Smartphone oder Tablet mit NFC-Antenne oder ein spezielles Lesegerät für den PC, außerdem die Ausweis-App2 für PC oder Smartphone.

Bisher war die App für die Smartphone-Nutzung ausschließlich mit Android-Geräten möglich. Ab dem 30. September – mit Einführung des Betriebssystems iOS 13.1 – lässt sich die App auch auf dem iPhone runterladen. Jeder mit einem iPhone mit integrierter NFC-Antenne (iPhone 7 oder neuer) kann sich dann via App online ausweisen.

Wer kein NFC-fähiges Smartphone hat, kann sich stattdessen ein Lesegerät für den PC kaufen. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass das Lesegerät vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfohlen wird.

Wie sicher ist das?

In der Vergangenheit gab es Sicherheitsbedenken, die sich vor allem auf die App und die Benutzung des Lesegeräts bezogen. Bis heute wird empfohlen, den Personalausweis nach Benutzung nicht auf dem Lesegerät liegen zu lassen. Auch sollten Computer, mit denen das Lesegerät verwendet wird, immer mit einem aktuellen Virenprogramm ausgestattet sein – um zu verhindern, dass Trojaner die Pin-Eingabe mitlesen.

Die App hingegen wurde mittlerweile komplett überarbeitet und neu veröffentlicht: Die Ausweis-App 2. Verantwortlich dafür ist das Bremer IT-Unternehmen Governikus, das zu 100 Prozent der Stadt Bremen gehört. Sollten das eigene Smartphone oder Tablet über eine NFC-Schnittstelle verfügen, ist die Anschaffung eines Lesegeräts nicht notwendig, sagt Governikus-Geschäftsführer Stephan Klein. Es werde ein sicheres Übertragungsprotokoll verwendet. Klein: „Aufgrund der gesamten sicheren Infrastruktur ist es nicht möglich, ohne das Wissen des Ausweisinhabers mal eben im Vorbeilaufen Daten auszulesen. Diese Behauptung begegnet uns häufig, aber das ist schlichtweg Unsinn.“

Außerdem versichert er, dass die Online-Ausweisfunktionen bedenkenlos nutzbar seien. „In die Sicherheit der gesamten Infrastruktur wurde und wird sehr viel Aufwand investiert. Die Online-Ausweisfunktion ist nach aktuellem Stand der Technik die sicherste Art und Weise, sich gegenseitig im Netz zu identifizieren“, sagt Klein. Das liege vor allem daran, dass die Identifizierung beidseitig erfolge. Noch bevor sich ein Nutzer bei einer Behörde mittels Online-Funktion identifiziert, muss diese sich selbst erst einmal durch ein spezielles Zertifikat als berechtigt ausweisen. Liegt dieses Zertifikat nicht vor, kann der Chip auf dem Personalausweis nicht ausgelesen werden. Während durch Chip und Pin also sichergestellt werden soll, dass nur der Ausweis-Inhaber selbst den Vorgang starten kann, wird die entsprechende Berechtigung bei der Behörde durch das Zertifikat abgefragt. Diese beidseitige Identifizierung gibt es Klein zufolge nur in Deutschland.

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