Airbus stockt Personal in Hamburg auf

Was die hohe Nachfrage an Flugzeugen für Bremen bedeutet

Von der hohen Nachfrage nach Kurz- und Mittelstreckenjets profitiert vor allem das Werk in Hamburg. Hier wurden zuletzt 1000 neue Mitarbeiter eingestellt. Auswirkungen gibt es aber auch in Bremen
05.08.2019, 18:21
Lesedauer: 2 Min
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Was die hohe Nachfrage an Flugzeugen für Bremen bedeutet
Von Stefan Lakeband
Was die hohe Nachfrage an Flugzeugen für Bremen bedeutet

Der A 321 sorgt für Arbeit und neue Jobs in Hamburg.

Gambarini/dpa

Airbus ist auf dem besten Weg, seinen Konkurrenten Boeing als größten Flugzeughersteller der Welt abzulösen. Das spürt der Konzern nun auch in seinem Werk in Hamburg-Finkenwerder: Seit Mitte vergangenen Jahres wurden hier rund 1000 Mitarbeiter neu eingestellt, wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet. Vor allem die Flugzeuge der A 320-Familie haben zu diesem Erfolg beigetragen – und davon profitiert auch der Standort Bremen.

Auch in der Hansestadt sorgen die Flugzeuge aus dem A 320-Programm für mehr Arbeit. Hier wurden – ebenso wie in Hamburg – die Produktionsraten erhöht, um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden. Anders als im Werk in Finkenwerder bleibe die Beschäftigungslage in Bremen aber stabil, wie ein Sprecher auf Nachfrage des WESER-KURIER mitteilt.

Dass in Hamburg mehr Personal benötigt wird, in Bremen aber nicht, hat mit den unterschiedlichen Arbeiten zu tun. In Bremen werden unter anderem Flügel ausgestattet, in Hamburg die Kabinen für die Airbus-Flieger. Das sei aufwendiger, sagt der Sprecher. Zu den Neueinstellungen gehörten hauptsächlich Strukturmechaniker, Ausrüstungsmechaniker, Maler und Lackierer und sowie verschiedene Ingenieursprofile.

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Airbus hat in seinen Auftragsbüchern noch Bestellungen für 6300 Flugzeuge aus der A 320-Familie, berichtet das „Abendblatt“. Das Werk in Finkenwerder, wo nun etwa 14 000 Beschäftigte für Airbus arbeiten, ist das wichtigste Montagewerk für diese Flugzeugtyp. Der Großteil der Kurz- und Mittelstrecken-Jets wird in Hamburg produziert, einige wenige entstehen im US-amerikanischen Mobile.

Die Entwicklung des A 320-Programms ist stark mit der Entwicklung der gesamten norddeutschen Luft- und Raumfahrtindustrie verbunden. „Ohne den Airbus A 321, mit dem Endmontage und Auslieferung von Airbus-Flugzeugtypen in Hamburg begann, wäre die Entwicklung Norddeutschlands zu einem der größten Luftfahrtstandorte der Welt nicht möglich gewesen“, sagte Lukas Kirchner von Hamburg Aviation, dem Dachverband der Wirtschaftsförderung der Hansestadt, vor einem Jahr anlässlich des Erstflugs des A 321 vor 25 Jahren. Denn nicht nur in Hamburg und Bremen werden Flugzeuge gebaut, die in die ganze Welt verkauft werden. Auch in Stade produziert Airbus; zudem hängen etliche regionale Zulieferer an den Projekten des Luft- und Raumfahrtkonzerns.

Begünstigt wird das Wachstum nun von zwei Entwicklungen: Einerseits befindet sich der Konkurrent Boeing nach zwei Abstürzen des Modells 737 Max mit mehreren hundert Toten in der Krise. Andererseits hat sich gezeigt, dass der Markt für Riesenflugzeuge wie dem A 380 nicht so groß ist wie gedacht. Stattdessen greifen die Fluggesellschaften lieber zu kleineren Typen – die sich aber auch umrüsten lassen.

So gehört zum Erfolg der A 320-Familie auch die Long-Range-Version mit größerer Reichweite. Die Tanks, die sich normalerweise in den Tragflächen befinden, werden um drei Zusatztanks im Frachtraum ergänzt. Mit dem A 321, dem etwas größerem Schwesterflugzeug des A 320, sind Direktflüge von Deutschland bis an die Nordostküste der USA möglich. „Beim A 321 gibt es einen ganz anderen Variantenreichtum“, sagte der Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt dem „Hamburger Abendblatt“. Und künftig könnte es sogar noch weiter gehen. Auf der Luftfahrtschau in Paris hat Airbus kürzlich den A 321 XLR vorgestellt, der eine noch größere Reichweite von bis zu 8700 Kilometern hat. Flüge von Deutschland nach Chicago wären damit kein Problem.

Großbongardt warnte aber vor zu viel Euphorie: Dem Experten zufolge kann es leicht zu Überkapazitäten auf dem Flugzeugmarkt kommen. Gleichzeitig erwarte er früher oder später einen Einbruch der Nachfrage. „Eine nächste Branchenkrise wäre bei einer noch höheren Rate kaum mehr abzufedern“, sagte er der Zeitung. Die Konsequenz sei dann wohl ein Jobabbau.

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