Was die Geldinstitute den Kindern bieten Kleine Vorteile zum Weltspartag

Während Erwachsene bei manchen Banken bei kleinen Summen bereits Minuszinsen zahlen müssen, erhalten Kinder dagegen Zinsen. Zum Weltspartag gibt es hier einen Blick auf die kleinen Vorteile der kleinen Kunden.
27.10.2021, 19:09
Lesedauer: 4 Min
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Kleine Vorteile zum Weltspartag
Von Florian Schwiegershausen

Am Freitag wird es so manchem Sparschwein an den Kragen gehen. Denn weil der 31. Oktober in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, haben sich die Banken und Sparkassen auf den 29. Oktober als Weltspartag geeinigt. Es gibt noch einige Geldinstitute, die trotz der Minuszinsen weiterhin an dieser Tradition festhalten. Wenn die Kinder ihre Spardose leerräumen und damit an den Bankschalter gehen, genießen sie tatsächlich einige Vorteile gegenüber den Erwachsenen. Die sind von Geldinstitut zu Geldinstitut unterschiedlich.

Bei der Sparkasse Bremen können die Minderjährigen ihr Erspartes kostenfrei in den Filialen auf ihr Bremer Konto Start einzahlen, erläutert Sprecherin Elke Heussler. Ihre Eltern müssten dagegen bei mehr als 50 Münzen pro Einzahlung 6,50 Euro ausgeben. "Die jungen Sparerinnen und Sparer können unter Einhaltung der Corona-Regeln einfach eine der Filialen der Sparkasse Bremen besuchen. Ausgenommen sind die Filialen Oberneuland und die Filiale beim Zentralbereich und dem Boulevard der Bremer Universität", erläutert Heussler.

Die kostenlose Einzahlung ist übrigens nicht nur am Freitag möglich, sondern bereits seit Montag. Die Sparkasse setzt seit einiger Zeit auf eine Weltsparwoche. In Zeiten der Pandemie knubbeln sich die Besucher so nicht nur an einem einzigen Tag an den Standorten. Außerdem haben die Filialen am Freitag lediglich bis 13 Uhr geöffnet, während die Kinder am Donnerstag bis 18 Uhr an den Schalter gehen können. Für die Einzahlung gibt es hinterher kleine Geschenke – so lange der Vorrat reicht. Außerhalb der Weltsparwoche müssten die Minderjährigen für die Einzahlung von Münzen ebenso eine Gebühr entrichten.

Mehr Zinsen für Kinder als für Erwachsene

Andere Banken in Bremen konzentrieren sich nicht mehr auf Aktionen zum Weltspartag. Die Kinder bekommen hier auch sonst teils Konditionen, die ihre Eltern so nicht haben. So bietet die Commerzbank jungen Sparern zwischen fünf und neun Jahren bei ihrem kostenlosen Schüler-Sparkonto einen Vorteilszins in Höhe von 0,55 Prozent an, der einmal im Jahr ausgezahlt wird. Dabei ist eine Sparsumme bis zu 10.000 Euro möglich. Den Zinssatz gab es bereits 2020, das Geldinstitut hat die Konditionen seitdem also nicht verändert. Erwachsene müssen dagegen bei mancher Bank inzwischen ab einer Einlagesumme in Höhe von 5000 Euro 0,5 Prozent Negativzinsen zahlen.

Angesichts der Konditionen ist bei der Commerzbank pro Kind nur ein Sparkonto erlaubt. Dennis Frenzel von der Commerzbank Bremen weiß, dass für die Kinder immer öfter Alternativen gesucht werden: "Die Eltern und Großeltern der kleinen Sparer suchen zunehmend auch nach besseren Anlagen wie zum Beispiel ETF-Sparplänen. Das zahlt sich nach vielen Jahren durch höhere Renditen aus."

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Die Bremische Volksbank setzt auch nicht auf einen besonderen Tag oder eine besondere Woche für Kinder. "Wir haben in unseren Geschäftsstellen ganzjährig kindgerechte kleine Geschenke und Aufmerksamkeiten vor Ort, um auch 'Einmal-Leerungen' von Sparbüchsen unserer jungen Kunden entsprechend belohnen zu können", sagt Prokurist Thomas Trenz. Fürs Sparen übers ganze Jahr gibt es für die Kinder das Sparbuch "VR-Mike". Trenz erläutert: "Um ein regelmäßiges Sparen und den eigenverantwortlichen Umgang mit Geld schon frühzeitig zu erlernen, wird der Spargedanke mittels der Ausgabe von Sparpunkten gefördert." Für 48 gesammelte Punkte gibt es für die jungen Kunden ein kleines Geschenk. Wie die Erwachsenen erhalten die Kinder aber auch 0,01 Prozent Zinsen. Sind sie dann etwas älter und eröffnen ein VR-Junge-Konto, zahlt ihnen die Bremische Volksbank für die ersten 2000 Euro dann 0,5 Prozent Zinsen.

Die Sparda-Bank Hannover, zu der Bremen gehört, veranstaltet auch keinen Weltspartag, wie sie mitteilte. Roland Stecher, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen, findet es aber wichtig, daran festzuhalten: "Wie und wo lernen denn die Kinder sonst den Umgang mit Geld? An der Schule wird das ja nicht gelehrt." Der Umgang mit Geld werde für die Kinder auch schwieriger: "Wenn Mama und Papa immer nur mit der Karte bezahlen, ist für die Kinder Geld und der Umgang damit sehr abstrakt." Durch einen Weltspartag könne man die Kinder zumindest für das Thema sensibilisieren.

Umgang mit Geld ab der dritten Klasse gefordert

Angesichts mancher junger Erwachsener, die zur Beratung bei der Verbraucherzentrale kommen, sagt Stecher: "Wer den Umgang mit Geld nie gelernt hat, holt sich den Kühlschrank, das Sofa und das Auto auf Kredit, und schon ist die Überschuldung da." Deshalb fordert die Verbraucherzentrale, den Umgang mit Geld im Schulunterricht stärker zu forcieren als jetzt. Das könne spielerisch ruhig ab der dritten Klasse sein. Es gehe dabei auch um die Wertigkeit, dass man eben etwas dafür tun müsse, um über Geld zu verfügen.

Stecher selbst kann sich noch an einen Weltspartag in seiner Kindheit erinnern, an dem er eine Playmobil-Figur geschenkt bekam. Bei den Präsenten sollten die Geldinstitute seiner Meinung nach auf verschiedene Altersgruppen vorbereitet sein: "Für etwas größere Kinder wäre zum Beispiel ein USB-Stick ein gutes Geschenk." Das sollte nämlich ausreichenden Anreiz bieten, damit die Kinder in die Bank gehen.

Was empfiehlt der Experte Kindern? Das Geld sollte laut Stecher besser nicht in Ausbildungsversicherungen oder Bausparprodukte fließen: "Diese Verträge sind nicht zielführend für den Sparcharakter und immer mit hohen Kosten behaftet. Kosten gehen immer zulasten der Rendite." Die Verbraucherzentrale kennt Fälle, bei denen die Bankberater solche Produkte verkaufen wollten – zum Beispiel an Großeltern, die etwas Gutes für ihren Enkel im Sinn hatten. Die Kinder dürften im Vergleich zu solchen Angeboten am Ende womöglich mehr vom Geld auf dem Sparbuch haben – oder einer Playmobil-Figur im Kinderzimmer.

Zur Sache

Sparen für den Nachwuchs

Am Montag bietet die Verbraucherzentrale Bremen im Internet den kostenlosen Vortrag "Sparen für den Nachwuchs" an. Welche Finanzprodukte sind bei Nullzinsen überhaupt noch für das Sparen geeignet? Ist ein Bausparvertrag wirklich ein solider Grundstein für das spätere Eigenheim der Heranwachsenden? Kann man guten Zinsofferten von Direktbanken vertrauen? Ist der Vermögensaufbau mit einem ETF-Sparplan wirklich eine gute Idee? Und was ist von den Produkten zu halten, die Versicherungsvermittler und Bankberater den jungen Sparern und ihren Eltern nahelegen? Finanzexperte Thomas Mai informiert über verschiedene Möglichkeiten, Geld für den Nachwuchs anzulegen oder zu sparen. Zur Teilnahme an der Veranstaltung am 1. November von 16 bis 17 Uhr ist eine Anmeldung erforderlich über den Link https://bit.ly/2ZAIGub.

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