Sollbruchstelle für gekochte Eier

Was im Nordwesten zu Weihnachten verschenkt wird

Das Weihnachtsgeschäft ist in vollem Gange, doch für die Händler in Bremen und umzu ist an den bevorstehenden Wochenenden noch Luft nach oben. Welche Spiele und skurrilen Küchenhelfer der Hit sind.
14.12.2018, 18:46
Lesedauer: 4 Min
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Was im Nordwesten zu Weihnachten verschenkt wird
Von Florian Schwiegershausen
Was im Nordwesten zu Weihnachten verschenkt wird

Spätestens ab Freitag, 21. Dezember, kann der Einzelhandel seine Trümpfe ausspielen.

Rolf Vennenbernd/ dpa

Der dritte Advent steht vor der Tür. Jan-Peter Halves, Geschäftsführer der City-Initiative Bremen, rechnet mit dem besucherstärksten Wochenende im Weihnachtsgeschäft. Bisher ist er zufrieden, sagt aber auch: "Natürlich lässt sich immer noch eine Schippe drauflegen." Beim Blick auf den Weihnachtsmarkt ist er geteilter Meinung: "Gerade an Freitagen und Sonnabenden stoßen wir so langsam an die Grenzen“, sagt er.

Daher wünscht er sich für das kommende Jahr mehr Entlastung, etwa durch die Eislaufbahn auf dem Ansgarikirchhof. Gleichzeitig bedeuteten viele Marktbesucher auch etliche potenzielle Kunden. Die City-Initiative hat eine Zählanlage installiert, die laut Halves zeigt: "In der Sögestraße ist die Zahl der Passanten bisher so wie im letzten Jahr. In der Obernstraße ist es etwas weniger, aber dafür ist es im Schnoor und im Ostertor etwas mehr."

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Das stellt auch Norbert Caesar in seinem Geschäft für Haushaltswaren im Bremer Viertel fest: „Gerade am Freitag und Sonnabend merke ich, dass die Menschen auf dem Weihnachtsmarkt gewesen sind und danach noch eine Runde machen und dabei zu uns kommen – vielleicht auch, ohne dass sie konkret etwas kaufen wollen.“

Das freut Caesar, der auch seit vielen Jahren im Vorstand der Interessengemeinschaft „Das Viertel“ sitzt. Bei ihm entwickelt sich dieses Jahr im Weihnachtsgeschäft der Eierschalensollbruchstellenverursacher zum Hit. Die Haube des Geräts wird auf das gekochte Ei gesetzt, darüber ist eine Kugel an einem Stab. Lässt man die Kugel auf die Haube fallen, wird die Eierschale mit gerader Kante geöffnet, und lässt sich wie ein Hütchen abnehmen.

Kunde mag Technik in bunten Farben

Ein paar Häuser weiter bei Spielwaren Wichlein ist schon um kurz nach 14 Uhr gut etwas los. Marlies Segelken ist bisher ebenfalls zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft: „Aber bei Spielwaren ist ja das ganze Jahr Saison.“ Sie stellt in diesem Jahr einen Trend hin zu allem fest, was man gemeinsam spielen kann: „Die drei Spiele des Jahres, also für Kinder, für Erwachsende und – wie es heißt – für ‚Kenner‘ verkaufen sich sehr gut. Das war in den letzten Jahren nicht so.“

Auch die Kugelbahn Gravitrax sei sehr beliebt, mit der Kinder und Eltern ebenso gemeinsam spielen können. Klassiker wie Legosteine oder die Toniebox gehen immer, aber Lenkdrachen verkaufen sich gut. „Auch das ist eine Entwicklung: Zum Spielen gemeinsam raus aus der Bude“, stellt Segelken fest.

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Im Technikgeschäft von Fernsehmeister Peter Horn ist das Weihnachtsgeschäft bereits im November ganz gut gelaufen. Die Kunden interessierten sich für spezielle TV-Geräte für Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen. Geschäftsführer Joachim Horn sagt: „Die Technik kann bestimmte Frequenzen, die ein Ohr vielleicht nicht mehr so gut hören kann, besonders herausfiltern, sodass die Lautstärke des Geräts insgesamt niedriger ist.“ Beliebt seien auch kleine, kompakte Alles-in-einem-Geräte zum Musikhören.

Die können schnell 500 Euro oder mehr kosten. „Gerade in Deutschland verkaufen sich Geräte in bunteren Farben wie rot oder blau.“ An Sonnabenden stellt Horn im Stammgeschäft in der Bismarckstraße derzeit eine interessante Entwicklung fest: „Zwischen 10.30 Uhr und 12 Uhr kommt ein Kunde nach dem anderen zu uns. Nach 12 Uhr nimmt das schlagartig ab.“ Seine Vermutung: Danach wollen die Leute lieber Fußball gucken oder hören.

Jüngere Kunden sind hinzugekommen

Für die neue Bremer Niederlassung des Taschengeschäfts Volker Lang in der Domshof-Passage ist es das erste Weihnachtsgeschäft. Aus der Firmenzentrale in Aachen ist zu hören: „Es war die richtige Entscheidung, nach Bremen zu gehen und genau an dem Standort eine Filiale zu eröffnen.“ Die Bremer greifen im Weihnachtsgeschäft gern zur klassischen Bügeltasche, aber auch zu Schals und Handschuhen. Neben einigen Stammkunden vom Papiergeschäft Teichert, das dort zuvor schon Accessoires verkaufte, seien nun auch vor allem jüngere Kunden hinzugekommen.

Die Bremer Karstadt-Geschäftsführerin Eleonore Jennes sagt: „Bei uns im Weihnachtsgeschäft laufen Textilien ganz gut.“ Brigitte Karow vom Kinderbekleidungsgeschäft Kaenguru in der Böttcherstraße hat nichts dagegen, dass es an diesem Wochenende Minusgrade geben soll: „Das kann ruhig mehrere Tage so bleiben. Dann greifen die Kunden verstärkt zu Winterkleidung.“ Nach dem langen Sommer tue das dem Geschäft ganz gut, sodass unterm Baum auch warme Winterjacken liegen.

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Auch der Onlinehändler Amazon schaut auf das regionale Geschäft. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen aus Bremen, die ihre Waren über Amazon verkaufen, sind nach Unternehmensangaben vor allem Artikel der Kategorien Wohnen, Drogerie & Körperpflege sowie Lebensmittel beliebt. Bundesweit kauften während der Cybermonday-Woche die Kunden neben Amazon-Smart-Produkten die Jamie-Oliver-Bratpfanne, eine Jahresmitgliedschaft für Playstation Plus und eine elektrische Gesichtsreinigungsbürste.

Nach Angaben des Einzelhandelsverbands Niedersachsen-Bremen habe der Onlinehandel einen Anteil von zehn bis 14 Prozent. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Mark Alexander Krack, rät daher den Einzelhändlern, „sichtbar auf digitalen Geräten zu sein“. Ansonsten sieht Krack das bisher Weihnachtsgeschäft für viele Läden in Bremen und Niedersachsen insgesamt eher als „verhalten“ an. In den ersten beiden Dezemberwochen sei es „nicht bombastisch“ gelaufen, im November seien die Händler zudem „gar nicht glücklich“ gewesen. Sie hoffen nun auf die letzten zwei Sonnabende vor Weihnachten. „Wir gehen davon aus, dass da noch was passieren wird“, sagt Krack.

Spätestens ab Freitag, 21. Dezember, kann der Einzelhandel seine Trümpfe ausspielen. Denn für Onlinehändler wird es dann mit der Auslieferung langsam knapp; die im Netz bestellte Ware kommt womöglich nicht mehr rechtzeitig zu Heiligabend an. „Der 22. Dezember wird ein umsatzfreundlicher Tag werden“, ist sich Krack sicher.

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