Geld aus der Metroplregion Nordwest

Wasserstoff und Telemedizin für die Region

Förderprojekte der Metropolregion sollen unter anderem helfen, das Tankstellennetz auszubauen. Aber auch Telemedizin und ein Denklabor der Shakespeare Company bekommen insgesamt knapp 500 000 Euro Zuschuss.
20.02.2020, 21:10
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Wasserstoff und Telemedizin für die Region
Von Timo Thalmann
Wasserstoff und Telemedizin für die Region

Ohne entsprechende Tankstellen wird es nichts mit dem Wasserstoffantrieb im Auto. Einen Beitrag für den Ausbau dieser Zukunftstechnologie will jetzt die Metropolregion Nordwest leisten.

Hyundai / Uli Sonntag

Rund 195.000 Euro für Telemedizin, 156.000 Euro für ein interdisziplinäres Denklabor der Bremer Shakespeare Company zu den Themen Robotik, künstliche Intelligenz und Digitalisierung sowie 134.000 Euro, um ein standardisiertes Genehmigungsverfahren für Wasserstofftankstellen zu entwickeln: Das sind die drei neuen, ab diesem Jahr geförderten Projekte der Metropolregion Nordwest.

Vorgestellt wurden die Vorhaben im Bremer Rathaus jetzt vom Ammerländer Landrat Jörg Bensberg (parteilos) als Vorsitzendem der Metropolregion, flankiert von Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und der niedersächsischen Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten Birgit Horné (SPD). Die Länder Bremen und Niedersachsen finanzieren den Förderfonds der Metropolregion, aus dem die knapp 500.000 Euro stammen.

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Die Region selbst ist ein Verein, dem 16 Landkreise und kreisfreie Städte, drei Industrie- und Handelskammern sowie die beiden Bundesländer angehören. Vor allem die wirtschaftliche Zusammenarbeit über die jeweiligen Stadt- und Gemeindegrenzen hinaus, steht bei der Metropolregion im Fokus. „Wir kümmern uns darum, dass jeder seine Stärken einbringen kann, damit alle gemeinsam profitieren“, beschreibt es Bensberg. Das werde beispielsweise beim Zukunftsthema Wasserstofftechnologie deutlich.

„Allein 22 Millionen Euro Fördermittel des Bundes gehen in den kommenden Jahren dafür in den Nordwesten“, sagt Horné und Bovenschulte ergänzt: „Davon wäre kein Cent in unsere Region geflossen, wenn wir nicht zusammenarbeiten würden.“ Mit dem Geld wird das Projekt „Hyways for Future“ finanziert. Ziel ist hier, eine grüne Wasserstoff-Modellregion mit Fokus auf den Verkehrsbereich aufzubauen – beispielsweise mit Wasserstoff-Tankstellen.

Das angestrebte Ganze nicht aus den Augen verlieren

Genau da fügt sich nun eines der vorgestellten neuen Förderprojekte ein. „Es geht ja immer darum, solche großen Vorhaben in kleine Projekte zu zerlegen, ohne dabei das angestrebte Ganze aus dem Auge zu verlieren“, beschreibt es Bovenschulte. Das Genehmigungsverfahren für eine Wasserstofftankstelle sei darum eines der Mosaiksteinchen, aus dem sich dann das Gesamtbild zusammenfüge. „Wasserstofftechnologie Business Process Management Modeling“ lautet der etwas sperrige Name.

„Das wird H2BPMM abgekürzt und knüpft damit nahtlos an die Vorgängerprojekte C3PO und R2D2 an“, scherzt Bovenschulte bei der Vorstellung. Nach seinen Worten geht es darum, zumindest einen kleinen Beitrag zu leisten, um das Henne-Ei-Problem des Wasserstoffantriebs beim Auto zu lösen. „Solange nur wenige Fahrzeuge mit diesem Antrieb unterwegs sind, wird kaum jemand entsprechende Tankstellen bauen, und solange es kein Tankstellennetz gibt, tun sich die Autohersteller und -käufer schwer.“ Einfache und standardisierte Genehmigungsprozesse könnten zumindest eine der Anfangshürden senken.

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Das soll unter Federführung der Hochschule Bremerhaven mit zahlreichen Partnern aus Verwaltung, Energiewirtschaft und Logistik realisiert werden. Die Idee ist, die zahlreichen Fragen, die sich bei der praktischen Einführung einer neuen Technologie stellen, beispielhaft zu beantworten. Dazu sollen alle notwendigen Informationen, die Antragsteller und Verwaltungen benötigen, definiert und in eine logische Reihenfolge gebracht werden.

„Da gibt es einen Teil, der gesetzlich gefordert ist, einen zweiten Teil, der sich als gute Praxis aus Normen und technischen Vorschriften ergibt, und einen dritten Teil, der noch gar nicht definiert ist, weil wir es mit einer neuen Technologie zu tun haben.“ Nach zwei Jahren Projektlaufzeit soll am Ende ein immer wieder anwendbarer Standardprozess herauskommen. „Im besten Fall gelingt es sogar, Teile davon auf Genehmigungsverfahren in andere Technikfelder zu übertragen“, hofft Bovenschulte.

Haus- und Fachärzte sollen sich vernetzen

Auf die medizinische Versorgung in ländlichen Räumen zielt als zweites Förderprojekt das telemedizinische Konsultationsnetzwerk ab. Es geht um den Aufbau einer informationstechnischen Plattform, auf der sich Haus- und Fachärzte, Krankenhäuser, aber auch Pflege- und Rehaeinrichtungen vernetzen sollen. In einem geschützten Rahmen sollen so Patientendaten ausgetauscht, fachlicher Rat eingeholt und freie Kapazitäten gemeldet werden können. Die Projektleitung liegt beim Klinikum Oldenburg.

Das Projekt Galatea der Bremer Shakespeare Company schließlich soll Wissenschaftler, Fachkräfte und Künstler zusammenbringen. Im Mittelpunkt steht hier die Frage, wie das Thema Digitalisierung in Unternehmen vermittelt und so entwickelt werden kann, dass Mitarbeiter und Chefetagen gemeinsam vorhandene Chancen und Risiken einschätzen.

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