Segelschulfschiff als Pfand

Wegen „Gorch Fock“: Bredo hat Interesse an Elsflether Werft

In Nordenham haben sich am Montag die Gläubiger der Elsflether Werft getroffen. Doch es sieht weiter danach aus, dass die Bredo-Werft die „Gorch Fock“ als Pfand nimmt, weil sie auf 5,1 Millionen Euro wartet.
17.06.2019, 18:41
Lesedauer: 3 Min
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Von Florian Schwiegershausen und Friedemann Kohler
Wegen „Gorch Fock“: Bredo hat Interesse an Elsflether Werft

Die "Gorch Fock" liegt in Bremerhaven im Trockendock der Bredo-Werft. Eigentlich soll sie am Freitag zu Wasser gelassen werden – aber nur, wenn die Werft 5,1 Millionen Euro für die Reparaturkosten erhält. Sonst behält sie das Schiff als Pfand.

Assanimoghaddam/DPA

Im Amtsgericht Nordenham hat es am Montag einen Termin gegeben, der auch für das Bundesverteidigungsministerium von Bedeutung gewesen ist: Dort trafen sich Vertreter der insolventen Elsflether Werft, die der Auftragnehmer für die Reparatur der „Gorch Fock“ ist, mit gut 100 Gläubigern. Mit dabei war als Hauptgläubiger auch die Bredo-Werft, bei der das Marineschulschiff seit mehr als drei Jahren im Trockendock flott gemacht wird.

Nach dem Termin in Nordenham ist weiterhin ungewiss, ob die Bredo-Werft das Schiff wie geplant Freitag zu Wasser lassen wird. Der Sachwalter Per Hendrik Heerma versuchte zumindest Lösungen aufzuzeigen, auf die sich die Bredo-Werft einlassen könnte. Er wird auch weiter Sachwalter bleiben, weil das Amtsgericht bestätigte, dass Verfahren als Insolvenz in Eigenverwaltung fortzuführen.

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Vor dem Treffen bekräftigte der Geschäftsführer der Bredo Dock, Dirk Harms, die „Gorch Fock“ erst zu Wasser zu lassen, wenn 5,1 Millionen Euro eingegangen sind. Dieses Vorgehen hat sich die Werft extra von einem auf Insolvenzrecht spezialisierten Wirtschaftsprofessor bestätigen lassen. Paragraph 647 im Bürgerlichen Gesetzbuch erlaubt Unternehmern ein Pfandrecht für ihre Forderungen aus einem Vertrag.

Kniffelig sei hier aber, dass der Bund ja nicht der direkte Auftraggeber bei der Bredo-Werft sei. Als Geschäftsführer habe Harms die Pflicht, alles Zulässige zu tun, um Unternehmen und Jobs zu schützen, wie alle anderen Gläubiger auch. Harms wolle aber im Einklang mit den anderen Firmen vorgehen.

"Die Bredo ist weiterhin an einer Einigung interessiert"

Die Bredo-Werft bezifferte die Kosten ursprünglich auf 10,5 Millionen Euro. Nach einem Treffen im Mai mit Vertretern des Verteidigungsministeriums, der Werften und der Bremer und Niedersächsischen Landesregierung stimmte das Unternehmen einem Vergleich zu und verlangte noch 5,1 Millionen Euro. Vom Geld ist bisher nichts eingegangen, weshalb die Werft die „Gorch Fock“ als Pfand einbehalten will. Laut Harms stand die Bredo-Werft zeitweise selbst kurz vor der Insolvenz. „Die Bredo ist weiterhin an einer Einigung interessiert.

Wir stehen zu unserem Wort“, sagt Harms. „Wenn wir die 5,1 Millionen Euro erhalten, lassen wir das Schiff zu Wasser.“ Der Sprecher von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD), Tim Cordßen, sagte dazu: „Die Forderungen der Bredo-Werft sind unbestritten. Wir sehen weiterhin das Bundesverteidigungsministerium in der Pflicht, das bei der ,Gorch Fock' ja nicht frei von Versäumnissen ist. Es steht in der Verantwortung gegenüber der Bredo-Werft, woran ja auch das Schicksal von gut 600 Familien hängt.“

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte: „Wir werden als Eigentümer des Schiffes alles daran setzen, dass die ,Gorch Fock' vertragsgerecht ausgedockt werden kann.“ Man habe alle Verpflichtungen erfüllt und werde alle Ansprüche geltend machen. Aus einem Schreiben des Bunds ging hervor, dass er hinter der neuen Leitung der Elsflether Werft stehe, aber kein Geld außerhalb des Insolvenzverfahrens zahlen wolle. Für die Reparatur der „Gorch Fock“ sind inzwischen 135 Millionen Euro veranschlagt. Gegen zwei Ex-Vorstände der Elsflether Werft wird inzwischen wegen Untreue ermittelt.

1000 Jobs in Gefahr

Bredo würde die Elsflether Werft auch übernehmen, die im Februar Insolvenz beantragt hatte. „Dabei geht es uns um die Erhaltung von Arbeitsplätzen in der Region, aber auch um die Fortführung der Arbeiten an der ,Gorch Fock'“, sagt Harms. Er sieht durch die „Gorch Fock“ 1000 Jobs in Gefahr, inklusive der bei den Zulieferern. Ein Bieterverfahren zum Verkauf laufe noch bis Juli.

Die Bredo-Werft entstand 1996 nach der Insolvenz der früheren Schichau Seebeckwerft und begann an Bremerhavens Fischereihafen mit Reparaturen und Umbauten von Schiffen jeglichen Typs. Nach einer Zusammenführung 2018 mit der Mützelfeldtwerft in Cuxhaven und der Schiffstechnik der German Dry Docks in Bremerhaven beschäftigt die Bredo Dry Docks an ihren drei Standorten 270 eigene Mitarbeiter. Dazu kommen 300 Beschäftigte bei Zulieferbetrieben.

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