Wein und Sekt zum Fest

Knallende Korken

Der Bremer Spirituosenhändler Eggers & Franke hofft für Weihnachten und Silvester auf gute Umsätze bei Wein und Sekt. Wegen des Lockdowns könnte das sogar klappen.
23.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Hanuschkeund Peter Zschunke

Zum Ende des Corona-Jahres 2020 kommt Sekt in den Kühlschrank. Schon in den vergangenen Jahren verkauften die großen Sekthäuser ein Fünftel ihrer Jahresproduktion im Dezember. Mit der Schließung der Restaurants knallen jetzt umso mehr die Korken in den eigenen vier Wänden, hoffen die großen Sekthersteller. Davon profitiert auch der Bremer Wein- und Spirituosenhändler Eggers & Franke – zumindest in einem Geschäftsbereich.

„Das Geschäft ist traditionell sehr gut im Dezember, aber da die Leute durch den Lockdown mehr Zuhause sind und auch mehr kochen, wird der Umsatz voraussichtlich noch besser sein als sonst“, sagt Michael Scherer, Verkaufs-Direktor bei Eggers & Franke. „Vor dem Essen gibt es einen Sekt und während des Essens einen guten Wein.“ Als Unternehmen, das den Lebensmittelhandel beliefert, profitiere man davon, dass die Restaurants geschlossen sind. „Diese für die Restaurants schwierige Situation bekommt auf der anderen Seite unser Tochterunternehmen Reidemeister & Ulrichs massiv zu spüren. Denn dessen Geschäftsfeld ist die Belieferung der Gastronomie und des Veranstaltungs­bereichs.“

Umsatzausfall kompensiert

Zum Glück könne dieser Umsatzausfall durch das gute Geschäft mit dem Lebensmittelhandel kompensiert werden, sagt Scherer. Hinzu komme, dass man seit ein paar Jahren auch im Online-Geschäft gut unterwegs sei. „Das gehört zu unserer Strategie, das Risiko möglichst breit zu streuen.“

„Es werden so viele Menschen wie noch nie in Deutschland zu Hause bleiben, im kleinen Kreis feiern“, sagt auch Christof Queisser, Vorsitzender der Geschäftsführung von der Sektkellerei Rotkäppchen-Mumm, die 2018 das mehr als 200 Jahre alte Traditionshaus Eggers & Franke übernommen hatte. Neben Reidemeister & Ulrichs gehört auch der Weinhandel Ludwig von Kapff zu Eggers & Franke. Nach einem coronabedingt schwierigen Jahr mit Schließungen in der Gastronomie erwartet das Unternehmen jetzt gute Umsätze an Weihnachten und Silvester.

Ganz ähnlich klingt das beim Konkurrenten Henkell-Freixenet. „Am Ende des Corona-Jahres wächst das Bedürfnis, den Genuss zu erleben, den wir zurzeit leider in der Gastronomie nicht mehr erleben können“, sagt der Sprecher der Henkell-Geschäftsführung, Andreas Brokemper. „Da investiert der Verbraucher auch für zuhause mehr in Qualität, als er es vielleicht bislang getan hat.“

Momentan sei als deutlicher Trend erkennbar, sagt Brokemper, dass die Verbraucher verstärkt an Schaumwein-Spezialitäten interessiert seien. „Wir sehen auch die Tendenz, dass sich jüngere Verbraucher mehr als früher für die Geschichten hinter dem Sekt interessieren.“ Das fängt schon bei den Angeboten am unteren Ende der weit gefassten Preisskala an. Deutscher Sekt ist aus Weinen hergestellt, der aus Trauben der deutschen Anbaugebiete stammt. Hingegen enthält „Sekt hergestellt in Deutschland“ meist Grundweine aus anderen Ländern. Dafür verwenden die Sekthäuser oft Weine aus Frankreich, Italien und Spanien. Die große Mehrheit des in Deutschland verkauften Sekts kommt aus Stahltanks mit einem Fassungsvermögen von mehreren tausend Litern. Wenn die zweite Vergärung des Weins in solchen Fässern stattfindet, kann Schaumwein weitaus kostengünstiger hergestellt werden als im Verfahren der traditionellen Flaschengärung wie beim Champagner, beim spanischen Cava oder auch anspruchsvollen deutschen Winzersekten wie vom rheinhessischen Sekthaus Raumland. Schon seine einfachsten Sekte lässt Raumland mindestens vier Jahre auf der Hefe reifen, statt der bei Mindestzeit von neun Monaten bei Flaschengärung. Bei Spitzensekten sind es mehr als zehn Jahre.

„Am Ende entscheidet sich die Qualität eines Sektes über den Grundwein mit seinen regionalen Besonderheiten, erst an zweiter Stelle über die Herstellungsmethode“, sagt der Henkell-Chef. Von besonderer Bedeutung sei daher das Verhältnis zu den regionalen Winzer-Kellereien. „Das Wissen, Weine so zu wählen und auszubauen, dass am Ende ein perfekter Schaumwein daraus wird, fließt in jedes Produkt ein – in den Vier-Euro-Sekt ebenso wie beim Champagner für einen vielfachen Preis.“

Der Unterschied lässt sich durchaus schmecken. Beim Sekt aus Stahltankgärung, wie auch beim Prosecco, gehe es vor allem darum, dass sich die fruchtigen Primäraromen der Traube optimal entfalten könnten, erklärt Henkell-Manager Brokemper. Bei Schaumwein aus Flaschengärung kommen Sekundäraromen dazu, die sich vor allem aus langen Feinhefelagerung ergeben. Zu diesen Sekundäraromen zählen die für den Champagner typischen Nuss- und Brioche-Aromen. „Daher ist ein Prosecco auch nicht einfach nur die günstige Alternative zum Champagner“, sagt Brokemper. „Es ist vielmehr ein ganz anderer Schaumwein, leicht und frisch.“

Die großen Hersteller

Nach dem Zusammenschluss mit Freixenet ist die Henkell-Gruppe auch in die Produktion von Cava eingestiegen und damit nach eigenen Angaben zum weltweit führenden Hersteller von flaschenvergorenem Sekt geworden. „Von unserer gesamten Schaumweinproduktion von rund 250 Millionen Flaschen im Jahr entfallen nahezu 100 Millionen auf Cava“, sagt Brokemper. Hinzu kommen flaschenvergorene Sekte von Marken wie Fürst von Metternich und Menger-Krug.

Beim deutschen Marktführer Rotkäppchen-Mumm wurden zuletzt 193 Millionen Flaschen Schaumwein produziert. Darunter rund sieben Millionen in Flaschengärung – sowohl bei Rotkäppchen in Freyburg an der Unstrut als auch bei Geldermann im badischen Breisach.

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