Zum Weltspartag Das Sparschwein wird digital

Von dem einen Weltspartag speziell für Kinder rücken auch in Bremen immer mehr Geldinstitute ab. Für den Inhalt ihres Sparschweins erhalten sie zum Teil aber mehr Zinsen als ihre Eltern.
30.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Das Sparschwein wird digital
Von Florian Schwiegershausen

Für so manche ist es eine schöne Kindheitserinnerung: Immer am letzten Tag im Oktober gingen sie mit ihrem Sparschwein zur Bank, um das Geld auf das Sparbuch einzuzahlen. Es war ja schließlich Weltspartag. Die Mitarbeiter in den Filialen warteten auf sie mit Spielzeug, Stiften oder Schlüsselanhängern – und per Dreh am Glücksrad gab es Gewinne. Setzte die Sparkasse auf den Knax-Club, der die kleinen Sparer durch ihre Kindheit begleitete, war es bei der Commerzbank der Hamster Goldi. Wer Glück hatte, konnte Goldi sogar mit nach Hause nehmen.

Nun haben wir Oktober 2020. Viele Geldinstitute verlangen ab einer gewissen Summe Minuszinsen. Davon bleiben Kinder mit ihren Taschengeldbeträgen verschont. In Bremen ist es vor allem die Sparkasse, die noch so richtig am Weltspartag festhält. Daraus ist allerdings eine Weltsparwoche geworden, wie Sprecherin Nicola Oppermann sagt: „Die Kinder können nicht nur an diesem Freitag mit ihrem Ersparten zu uns kommen, sondern auch in der ersten Novemberwoche.“ Wegen der Corona-Pandemie habe das Geldinstitut die Weltsparwoche in diesem Jahr nicht beworben. In den Filialen, die geöffnet haben, sollen auf diese Weise Schlangen oder zu hoher Publikumsverkehr vermieden werden.

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Klar ist aber, dass es der letzte Weltspartag für die Sparkassenhalle am Brill sein wird. Der Umzug ins neue Domizil bei der Uni erfolgt am Sonntag und Montag. Für die Kinder gibt es in diesem Jahr in allen Filialen kleine Plüschtiere, Tiertaschenlampen, Puzzles, Kritzelhefte und Füllfederhalter. Sowohl am Freitag als auch in der kommenden Woche können die Kinder in Begleitung eines Erziehungsberechtigten mit Abstand und Maske in die Filialen kommen und ihr Kleingeld kostenlos einzahlen. Eine Alternative zum Sparbuch gibt es inzwischen auch, wie Sprecherin Nicola Oppermann sagt: „Geld für Kinder kann auf das Girokonto Start für zwei Prozent auf die ersten 500 Euro angelegt werden. Das Konto gibt es kostenlos.“ Da möchten auch Mama und Papa gern noch mal Kind sein. Denn sie erhalten auf dem Girokonto keine Zinsen mehr – je nach Art des Sparkontos gibt die Sparkasse entweder 0,001 Prozent oder 0,02 Prozent Zinsen.

Knax inzwischen auch als App

Für Erwachsene, die an ihre Kindheit und den Knax-Club zurückdenken, gibt es eine gute Nachricht: Es gibt ihn immer noch. Die Sparkasse hat ihn inzwischen aber digitalisiert. Mit der Knax-App haben Kinder einen Überblick über ihr Taschengeld und können sich auch Sparziele setzen. Ergänzt wird die App durch die Internetseite knax.de. So wie bei der Sparkasse lautet auch bei den anderen Geldinstituten die Botschaft, dass Kinder auf diese Weise den Umgang mit Geld lernen sollen. Allerdings haben sich viele von ihnen inzwischen vom Weltspartag verabschiedet. Die Bremische Volksbank verfolgt inzwischen ein anderes Konzept und setzt auf das Mike-Sparen. Da gibt es wie auch für die Erwachsenen 0,001 Prozent Zinsen. Die Kinder bekommen allerdings noch ein richtiges Sparbuch ausgehändigt. Es sei der Bank wichtig, dass die Kinder etwas in den Händen halten können – mit dem Wissen, dass nur ihnen das gehört. Jedes Mal, wenn sie darauf etwas einzahlen, erhalten sie einen Punkt. Wenn sie eine bestimmte Zahl an Punkten erreicht haben, gibt es für sie kleine Geschenke.

Das kann für ältere Kinder etwa ein USB-Stick sein. Die Commerzbank, die früher die Kinder mit dem Hamster Goldi zum Sparen animiert hat, verzichtet ebenso auf einen Weltspartag. Sparen und Anlegen sei hier das ganze Jahr Thema. „Trotzdem freuen wir uns auf die kleinen Besucher, die am Weltspartag in unsere Bremer Filialen kommen“, sagt Niederlassungsleiter Andre Nogat. Für Kinder hat die Bank ein Schüler-Sparkonto. Dort gibt es auf die Einlagen 0,55 Prozent Zinsen. Was sich verändert hat: Durch den Reformationstag als Feiertag in einigen Bundesländern ist es vorbei mit einheitlichem Datum. In Bremen und Niedersachsen sind die Banken dadurch mit dem Weltspartag auf den 30. Oktober ausgewichen. Dieser Umstand scheint nicht förderlich zu sein, um an alten Traditionen festzuhalten. Dabei wird der Weltspartag jetzt 95 Jahre alt. Es gab ihn 1925 zum ersten Mal, nachdem ihn das Weltinstitut der Sparkassen auf dem ersten internationalen Kongress in Mailand aus der Taufe gehoben hatte.

562 Milliarden Euro an Spareinlagen

Wie die Bremer sparen, konnten die Banken nicht sagen. Es wird aber ähnlich wie im restlichen Deutschland sein. Zwar nehmen die Gelder auf Sparkonten leicht ab, zeigen aber dennoch Kontinuität. Laut Deutscher Bundesbank hatten die Deutschen im ersten Quartal mehr als 562 Milliarden Euro auf dem herkömmlichen Sparbuch oder in Sparbriefe investiert. Ein Jahr zuvor waren es knapp 580 Milliarden Euro. Das Geldvermögen insgesamt lag zu Beginn des Jahres bei mehr als 6,3 Billionen Euro. Den größten Posten dabei machen immer noch Bargeld und Einlagen mit mehr als 2,6 Billionen Euro aus. Dagegen hatten die Deutschen mit 1,2 Billionen Euro in Aktien und Investmentfonds investiert.

Nach Angaben von Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen geht es nicht nur um die höchste Rendite: „Wenn man selbst oder die Kinder das Geld schon in wenigen Jahren brauchen und man keine Risiken eingehen will, sollte man beim simplen Sparkonto oder Festgeldkonto bleiben.“ Für einen längeren Zeitraum und für höhere Erträge können Investmentfonds- und ETF-Sparpläne eine Möglichkeit sein. Aus der Beratung erinnert sich Mai an ein Beispiel. Da haben Großeltern für ihren noch recht jungen Enkel einen ETF-Sparplan angelegt: „Sie haben ihre Anlageentscheidung umfassend begründet verschriftlicht und in einer Mappe mit allen Unterlagen zusammengetan.“ Und sie haben persönliche Briefe an die Eltern und den Enkel verfasst, weil sie ja eventuell nicht mehr da sind, wenn er volljährig wird. Davon wäre wohl selbst Hamster Goldi gerührt.

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