Wenn der Kredit pausiert

Bremer Banken verzeichnen wenig Kreditstundungen

Wenn das Geld knapp wird, können Verbraucher Zahlungsverpflichtungen wegen eines Darlehens derzeit aussetzen. Für Banken und Kunden gibt es dabei Vorgaben.
28.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Banken verzeichnen wenig Kreditstundungen
Von Lisa Boekhoff
Bremer Banken verzeichnen wenig Kreditstundungen

Der Gesetzgeber verschafft Verbrauchern einen dreimonatigen Zahlungsaufschub bis Ende Juni.

Dustin Weiss

In schweren Zeiten soll das Instrument eine Erleichterung sein. Wenn das Geld wegen Corona knapp ist, können Verbraucher derzeit Zahlungen wegen eines Kredits bei ihrer Bank stunden: Der Gesetzgeber verschafft ihnen einen dreimonatigen Zahlungsaufschub bis Ende Juni. In Bremen musste der offenbar bisher nicht oft in Anspruch genommen werden.

Kunden der Bremischen Volksbank baten jedenfalls selten darum. „Wir haben kein Massenproblem“, sagt Vorstandschef Ulf Brothuhn. Nur ein geringer Anteil der Kunden habe die Bank wegen einer Stundung kontaktiert. Deshalb habe man in den wenigen Fällen auch anbieten können, die Tilgung des Darlehens gleich für sechs bis neun Monate auszusetzen.

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Die Zinsen für den Kredit werden weitergezahlt, sagt Brothuhn, diese seien aufgrund des niedrigen Niveaus auch nicht die große Last für die Kunden. Vor allem habe man versucht, den Menschen schnell zu helfen. In Bezug auf die Nachweise, die aber verlangt werden könnten, spricht Brothuhn von „Bürokratismus“. Der sei in dieser Situation nicht angebracht. Teils sei die Bremische Volksbank auf Kunden auch aktiv zugegangen, um über einen Kredit zu sprechen, wenn bei ihnen sonst hohe Dispozinsen anfielen.

Die Sparkasse Bremen stellt ebenfalls fest, dass derzeit nicht um außergewöhnlich viele Stundungen gebeten wird. Dagegen gibt es hier sogar ein Indiz für mehr Kauflust der Menschen. „Die Nachfrage nach Privatkrediten für Anschaffungen aller Art nimmt wieder zu“, konstatiert Vorstand Thomas Fürst, zuständig für das Privatkundengeschäft der Sparkasse. Im Firmenkundengeschäft ist ebenfalls eine positive Tendenz zu erkennen.

„Die Anzahl unserer Kundinnen und Kunden mit Tilgungsstundungen ist überschaubar und hat sich in den vergangenen Wochen kontinuierlich reduziert“, äußert sich Vorstand Heiko Staroßom, der den Bereich verantwortet. „Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit keinen außerordentlichen Belastungen aufgrund der aktuellen Situation.“

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Wenngleich Ulf Brothuhn mit Blick auf das Geschäft der eigenen Bank sogar „verhalten optimistisch“ ist, sagt er grundsätzlich: „Wir steuern auf Sicht.“ Denn im Moment seien viele Auswirkungen für die Wirtschaft nicht absehbar. Insgesamt geht er für die Finanzbranche von spürbaren Folgen wegen Corona aus: „Die Banken kriegen auch Kratzer – wenn nicht noch mehr.“

Die Commerzbank hat in der Region Bremen mittlerweile mehr als 300 Kreditanfragen von Firmenkunden bearbeitet. „Die von uns betreuten Unternehmen in Bremen und umzu haben sich vor der Corona-Zeit in einer wirklich guten Verfassung gezeigt“, kommentieren die Niederlassungsleiter Stefan Burghardt und Andre Nogat.

Bisher habe es wegen Corona keinen Ausfall bei der Commerzbank am Schüsselkorb gegeben. "Unsere Kunden berichten jedoch zunehmend von Auftragsrückgängen oder Unsicherheiten – auch in internationalen Absatzmärkten“, so Burghardt. Insgesamt musste die Commerzbank bundesweit mehr als 25 000 Kredite stunden mit einem Volumen von mehr als 2,7 Milliarden Euro.

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Wenn Verbraucher eine Stundung benötigen, sollten sie ins Gespräch mit ihrer Bank gehen, sagt Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen. „Wir raten den betroffenen Verbrauchern, mit der zuständigen Bank Kontakt aufzunehmen, um ein entsprechendes Vorgehen zu klären beziehungsweise die Einnahmeausfälle gegebenenfalls nachzuweisen.“ Letzteres könne zum Beispiel über eine formlose Bescheinigung des Arbeitgebers passieren.

Wichtig sei, dass die Verpflichtungen natürlich bestehen blieben, sagt Oelmann: „Wer jetzt nicht bezahlen kann, wird das später nachholen müssen. Deshalb sollten Verbraucher sich außerdem nach staatlichen Hilfen wie Wohngeld oder SGB-II-Aufstockungsleistungen erkundigen.“ Das müsse so früh wie möglich passieren, weil bei Ämtern derzeit mit längeren Warte- und Bearbeitungszeiten gerechnet werden müsse.

Gestundet werden können Zahlungsverpflichtungen, die von April bis Juni fällig werden. Banken dürfen dafür aber keine zusätzlichen Zinsen oder Bearbeitungskosten geltend machen. Die Kunden müssen derweil erklären, dass eine Zahlung wegen Einkommenseinbußen durch Corona nicht möglich ist und es gegebenenfalls nachweisen. Es muss deutlich sein, dass ohne die Stundung der angemessene Lebensunterhalt gefährdet wäre.

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