Sehen und verstehen Werbeagentur Büro 7 - „unser Job, die richtigen Fragen zu stellen“

Seit 25 Jahren arbeitet die Werbeagentur Büro 7 für Bremer Firmen und prägt deren visuelle Kommunikation. Gründerin und Inhaberin Jutta Hoffmann erklärt das Erfolgsrezept.
22.09.2018, 21:03
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Von Tobias Meyer

Grünhold, der kleine Teufel! Steht dort, grinst diabolisch, den linken Arm in die Hüfte gestemmt, in der rechten einen Dreizack. Grün ist er, furchtbar grün im Gesicht, und obwohl er spitze Hörner hat und einen zackigen Schwanz und irgendwie fies guckt, macht er den Bremern keine Angst. Denn jedes Jahr im Frühling bringt er – der Inbegriff des Bösen! – die Menschen dazu, Gutes zu tun: Grünhold ist das Maskottchen der Initiative „Bremen räumt auf“. Und die Idee zu ihm, die ist in der Hoyaer Straße 13 entstanden. Dort, in einem prachtvollen Altbremer Klinkerbau direkt hinter dem Brommyplatz, befindet sich die Büro 7 visuelle Kommunikation GmbH.

Warum es unbedingt ein Teufel sein musste, daran kann Gründerin Jutta Hoffmann sich nach mehr als 18 Jahren gar nicht mehr so genau erinnern. Es ist eine der wenigen Fragen, auf die sie keine Antwort hat, denn eigentlich geht es bei der Arbeit in ihrer Werbeagentur genau darum: die richtigen Antworten zu finden. Dass da jetzt ein Journalist vor ihr sitzt und Fragen stellt, ist für sie deshalb ungewohnt. „Eigentlich ist es unser Job, die richtigen Fragen zu stellen, um eine Sache wirklich bis ins Tiefste zu verstehen“, sagt die 50-jährige Diplom-Grafikdesignerin. Das sei aber nicht alles. „Das Entscheidende ist, dass wir auch zuhören. Die Unternehmer haben die richtigen Antworten oft selbst, wir müssen sie nur freilegen.“

25 Jahre lang arbeitet das Büro 7 jetzt schon nach diesem Grundsatz. Hoffmann war selbst nur ein Jahr älter, als sie mit 26 ihr eigenes Unternehmen gründete. Frisch von der Hochschule für Künste, aus einem großen Auftrag der Gewoba heraus, hinein in eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit zwei weiteren Partnern – und ohne große Zweifel. „Ich war nie der Typ, der groß Angst hat“, sagt die gebürtige Bremerin. An der Uni ist sie vielen starken Persönlichkeiten begegnet, Fritz Haase von der Agentur Haase & Knels zum Beispiel, und dem Designer Eckhard Jung. „Das waren Menschen mit Haltung, die mich gelehrt haben, Gestaltung aus dem Inhalt heraus zu verstehen. Das hat mich sehr geprägt.“

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Abseits der Moden arbeiten

Ihr Diplom als Grafikdesignerin macht sie während der Gründungszeit, arbeitet tagsüber in dem kleinen Büro in der Humboldtstraße, schreibt dann bis tief in die Nacht zu Hause in der Brunnenstraße an ihrer Abschlussarbeit. „Es war nur eine Chance“, sagt sie, „aber die wollte ich nutzen.“ Ein Risiko auch, weil sie über keine unternehmerischen Kenntnisse verfügt; aber eines, das sie nicht belastet, weil sie einen starken Rückhalt hat. „Mein Mann hat mir immer viel Kraft gegeben“, sagt sie. 36 Jahre kennen sie sich, gemeinsam haben sie eine 18-jährige Tochter. „Die Familiengründung war als Selbstständige tatsächlich das größere Wagnis“, sagt sie.

Ein Name, der gut funktioniert

Jetzt sitzt sie im Konferenzraum des Büro 7, als alleinige Inhaberin. „Ich muss nicht alles selbst machen und mich nicht selbst duplizieren.“ Die Umsetzung übernimmt das siebenköpfige Team. Nein, es ist Zufall, dass es genau sieben sind. Ja, sieben ist ihre Glückszahl. Auf den Namen ist sie deshalb gekommen, auch weil das gut funktioniert: Wolke sieben, Sieben Zwerge – sie führt eine lange Liste; immer, wenn ihr etwas mit sieben einfällt, ergänzt sie diese, immer ist die Zahl mit etwas Positivem verknüpft. Und warum Büro? „Ich wollte sagen: ‚Ich geh ins Büro‘, nicht: ‚Ich gehe auf die Arbeit’“, sagt Hoffmann. Seit drei Jahren sagt sie nicht einmal mehr Büro, sondern nur noch B7. Maximal minimalistisch, alles reduziert aufs Wesentliche.

Klare Linie – das passt zur Arbeit der Agentur, zeigt sich in den Referenzarbeiten, die sich auf der langen Anrichte im Konferenzraum stapeln: Kataloge, Flyer, Plakate, für Kunden wie den Zoo in Bremerhaven, Brebau, die Bremer Braumanufaktur, Hansewasser, Mercedes-Benz, die Bremer Philharmoniker und viele mehr. Mittendrin Hautpflegeprodukte der Marke Biomaris, elegant verpackt in schnörkellosem Design. Dafür wurde Büro 7 gerade erst mit dem German Design Award 2018 ausgezeichnet. „Das hat uns sehr überrascht, weil wir uns gar nicht auf den Preis beworben hatten“, sagt Hoffmann.

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Verpackungsdesign ist nur eine Leistung von vielen, die Büro 7 anbietet. Corporate-Design, digitale Kommunikation, Marketingkampagnen, Webseiten – immer geht es um visuelle Kreation im Rahmen einer Strategie, die Identifikation schafft. Für Trends hat Hoffmann dabei nicht viel übrig. „Wir wollen uns nicht an der Mode orientieren, weil sie sich zu schnell verändert. Das Design soll zeitlos bleiben.“ Gleichzeitig gehe es darum, trotzdem auch den Zeitgeist zu verstehen und mit neuen Entwicklungen Schritt zu halten. „Als ich mein Studium anfing, wurde gerade ein Computerraum eingerichtet“, sagt die 50-Jährige. „Heute würde unsere Arbeit gar nicht ohne gehen.“ Und ohne die Mitarbeiter natürlich auch nicht. „Jeder Einzelne begeistert mich immer wieder, jeder Einzelne ist ein echter Könner auf seinem Gebiet.“

Gute Zusammenarbeit durch ein gemeinsames Werte-Verständnis

Dass die Zusammenarbeit so gut funktioniere, habe auch mit einem gemeinsamen Werte-Verständnis zu tun. „B7-DNA“ nennt Hoffmann das. „Wir wollen unsere Energie nur für Gutes geben“, sagt sie. „Ein gesunder Menschenverstand ist unsere Ausgangsbasis für alles.“ Auch, wenn die Agentur selbst mal bessere, mal schlechtere Zeiten hatte – an dieser DNA habe sich nichts geändert.

Die Gründerin selbst treibt bei ihrer Arbeit am meisten an, Unternehmen zu entdecken, zu verstehen, ganz nah heranzukommen an den Kern. „Das Sichtbare – beispielsweise ein Logo oder eine Broschüre – ist dabei ja nur das Ende eines langen Prozesses.“ Die große Bandbreite der Kunden und die Einblicke, die sie in unterschiedliche Themen erhält, begeistern sie. „Wenn sich ein Unternehmen am Ende genau in dem wiederfindet, was wir entwickelt haben, haben wir ja auch ein Stück Identität mitgeprägt. Das macht es spannend.“

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Wenn Hoffmann dann doch einmal abschalten will, versucht sie, Zeit in absoluter Stille zu verbringen. „Der fortlaufende Austausch in unserem Arbeitsalltag führt manchmal dazu, dass ein Bedürfnis nach Ruhe entsteht“, sagt die Geschäftsführerin. „Ich brauche es manchmal, wenn dann nichts und niemand Zugriff auf meinen Kopf hat, ich einfach einmal nichts denken muss.“ Das Gerhard-Marcks-Haus sei ein guter Ort dafür. „Als extrem visuell geprägter Mensch genieße ich diese minimalistischen Ausstellungen. Der Louvre wäre für mich total der Overkill.“

Wie es nach 25 Jahren jetzt weitergeht mit der Firma? „Wir setzen alles daran, immer dynamisch zu bleiben, zuzuhören und uns einzulassen. Wenn wir das schaffen, sind wir auch für die Zukunft gut aufgestellt“, sagt Hoffmann. Sie selbst wolle noch lange selbstständig bleiben, auch, wenn sie wisse, dass ihre Agentur vom Erfolg der Kunden abhängig ist. „Aber wir wollen den Teufel mal nicht an die Wand malen“, sagt sie. Außer, wenn dieser Grünhold heißt und Bremen aufräumt.

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