Bremer Handelskammer Werder Bremen: Verein oder Unternehmen?

Bremen. Ist Werder Bremen ein Sportverein oder ein Wirtschaftsunternehmen? Diese Frage werde ihm immer wieder gestellt, erklärte Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer am Dienstag im Management Forum in der Handelskammer.
11.08.2010, 06:00
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Werder Bremen: Verein oder Unternehmen?
Von Matthias Lüdecke

Bremen. Ist Werder Bremen ein Sportverein oder ein Wirtschaftsunternehmen? Diese Frage werde ihm immer wieder gestellt, erklärte Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer am Dienstag im Management Forum in der Handelskammer. Eingeladen hatte die Hochschule für Ökonomie und Management. Fischer war gekommen, um sie in einem Vortrag zu beantworten, und diese Antwort war ein entschiedenes: beides.

Vielleicht ist Klaus-Dieter Fischer selbst das perfekte Symbol für eine Entwicklung, die sich in vielen Bundesligavereinen in den letzten Jahren abgespielt hat: Die Auslagerung der Profiabteilung in eine eigene Gesellschaft. Denn Fischer ist nicht nur von den Mitgliedern gewählter Präsident des Vereins Werder Bremen. Er ist zugleich einer von drei Geschäftsführern der SV Werder Bremen GmbH & Co KG aA. Ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von immerhin über 100 Millionen Euro, das im letzten Jahr einen Gewinn von 6,2 Millionen Euro verbuchen konnte.

So kompliziert die Abkürzung erscheint, sie lässt sich relativ einfach erklären. Der Verein Werder Bremen lagerte nach einem Beschluss der Mitglieder alle Mannschaften aus, die Geld kosten, wie Fischer sagt. Das sind nicht nur die Profifußballer, sondern auch andere professionelle oder semiprofessionelle Teams wie die Frauenfußballmannschaft und die Handball-Damen, die in der zweiten Bundesliga spielen, die Bundesliga-Mannschaften im Tischtennis und im Schach der Herren, und schließlich die Teams des Nachwuchs-Leistungszentrums.

Diese Mannschaften gehören nun zu einer GmbH. Die Anteile dieser neu geschaffenen GmbH wiederum liegen zu 100 Prozent beim ursprünglichen Verein. Die Gesellschaft setzt regelmäßig rund 100 Millionen Euro im Jahr um und erzielte im letzten Jahr einen Gewinn von 6,2 Millionen Euro.

Grundlagen für Investoren schaffen

Doch wenn die Anteile beim Verein bleiben, wieso macht er das dann? Zwei maßgebliche Gründe nennt Fischer dafür: Zum einen kann der Verein so nicht mehr für eventuelle Verluste der GmbH haftbar gemacht werden. Zum zweiten ist so der rechtliche Rahmen für potenzielle Investoren geschaffen. Das 'aA' am Ende der Gesellschaftsbeschreibung heißt nämlich 'aus Aktien' und rein theoretisch könnte Werder solche ausgeben. Praktisch wird das aber wohl nie passieren. 'Das ist in Deutschland verbrannt nach Borussia Dortmund', sagte Fischer. Der Verein aus dem Ruhrgebiet hatte im Jahr 2000 zum Preis von elf Euro 13,5 Millionen Aktien ausgegeben. Heute notiert das Papier bei etwas über einem Euro.

Prinzipiell sei aber die Beteiligung von Investoren in Zukunft denkbar, sagt Fischer, auch wenn er betont, dass er in erster Linie an strategische Partner denkt. Fischer würde es so machen wie Bayern München, das Anteile an Adidas und Audi verkauft hat, die beide als Sponsoren im Verein aktiv sind und Interesse an einer langfristigen Bindung haben. Fischer würde es nicht so machen, wie der große Rivale aus Hamburg. Dort hatte der Logistikunternehmer Michael Kühne (Kühne + Nagel) kürzlich frische Millionen zur Verfügung gestellt und wird im Gegenzug an den Transfererlösen von Spielern beteiligt. 'Ich halte das für hanseatisch kaufmännisch', sagte Fischer dazu nicht ohne Ironie, 'für Kühne ist das toll.'

Beim HSV ist die Situation allerdings eine andere. Während in Bremen nämlich - wie bei nahezu allen Bundesligisten - die Mitglieder einstimmig für die Ausgliederung der Profi-Abteilung stimmten, ist dies in Hamburg nach wie vor nicht gelungen. Dort hat die Gruppe der fördernden Mitglieder mit einem eher romantischen Fußballbegriff so groß und einflussreich, dass der die Entscheidung bislang immer blockiert. Eine komplette Übernahme des Vereins durch Investoren muss indes auch der Bremer Fan nicht fürchten. Eine Regel der Deutschen Fußball Liga schreibt vor, dass 50 plus ein Prozent der Anteile in der Hand der Vereine bleiben müssen.

Und dass Werder sich nach wie vor in erster Linie als Verein versteht, der seine soziale Aufgabe ernst nimmt, betonte Fischer auch gestern - trotz Auslagerung, trotz diverser Beteiligungen, trotz so unromantischer Wendungen wie 'Nationalspieler produzieren'. eines auf den ersten Blick unübersichtlichen Geflechts aus Beteiligungen an der Stadionbetreibergesellschaft, dem Fan-Service, dem Sicherheitsdienst und einer Dienstleistungsgesellschaft.

Das 'SV' vor dem Werder Bremen stehe nicht nur für Sportverein, sondern zugleich für soziale Verantwortung, sagte Fischer. In den verschiedensten Bereichen engagieren sich die Bremer, von der Aktion '100 Schulen - 100 Vereine', bei denen Schulen in ihrem Kampf gegen Diskriminierung unterstützt werden, bis hin zu einem Ethik-Kodex, bei dem die Fan-Clubs sich verpflichten, keine Gewalt anzuwenden, niemanden zu diskriminieren und keine Feuerwerkskörper zu zünden.

Es ist auch dieses Engagement, das zumindest einen kleinen Teil zu Werders Beliebtheit beiträgt, glaubt Fischer. Studien haben gezeigt, dass Werder 25 Millionen Sympathisanten hat, und damit mehr, als deutlich umsatzstärkere Clubs, wie Bayern, Dortmund oder der HSV. Das Ziel sei, sagte Fischer, aus den Sympathisanten Fans und aus den Fans Mitglieder zu machen.

Nach einer Öffnung auch für diejenigen, die nicht aktiv einen Sport im Verein ausüben, sondern , die nur ihre Verbundenheit demonstrieren wollen, ist deren Zahl von 3000 im Jahr 2003 auf 38000 gestiegen, berichtete Fischer. Und das bringt dem Verein - nicht der GmbH - wiederum knapp zwei Millionen Euro an Mitgliedsbeiträgen im Jahr.

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