Report zum Immobilienmarkt

Wirtschaftsförderung sieht Logistikbranche als Bremens Motor

Alle Jahre wieder und doch ganz anders: Die Wirtschaftsförderung legt ihren Report zum Immobilienmarkt Bremen vor. Entwicklungen seien wegen Corona schwer absehbar – auch wegen Insolvenzen und Homeoffice.
09.10.2020, 05:04
Lesedauer: 2 Min
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Wirtschaftsförderung sieht Logistikbranche als Bremens Motor
Von Lisa Boekhoff
Wirtschaftsförderung sieht Logistikbranche als Bremens Motor

Bisher gibt es wenig Leerstand in den Büros, aber es ist fraglich, ob das so bleibt. In diesem Jahr war der Neubau der Sparkasse das größte Einzelobjekt im Segment.

Frank Thomas Koch

Timing ist alles. Jedes Jahr im Oktober veröffentlicht die Bremer Wirtschaftsförderung (WFB) Zahlen zum Immobilienmarkt. Pünktlich liegen die Ergebnisse des Reports von Marktanalysten vor, um sie auf der Münchener Fachmesse Expo Real vorzustellen. Neben Büros, Wohnimmobilien, dem Einzelhandel und Investment geht es auch um die Logistik. Und die ist gerade Kern eines Konflikts der Bremer Koalitionspartner. Wenn es nach den Grünen geht, soll die Logistik in Bremen in Zukunft eine kleinere Rolle spielen und weniger neue Gewerbeflächen entstehen. Die Forderung stößt im Wirtschaftsressort von Kristina Vogt (Linke), in der SPD und der Logistikbranche selbst auf Kritik.

Im Report dürfte der Part zur Logistik für manch einen nun Pflichtlektüre sein. Die Wirtschaftsförderung Bremen stapelt dabei nicht zu tief. "Die Logistikbranche ist ein wesentlicher Motor für Bremens Wirtschaft. Das zeigt sich auch in der Krise, wo die systemrelevante Funktion dieses Sektors besonders deutlich wird", heißt es in ihrer Mitteilung zum Papier. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Andreas Heyer, erklärt: Weil Geschäftsmodelle und Lieferketten sich veränderten, komme Logistikimmobilien eine hohe Bedeutung zu. In unsicheren Zeiten böten sie Platz für den nötigen Puffer. "Das könnte künftig zu einer weiterhin wachsenden Nachfrage führen“, kommentiert Heyer.

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Der Bestand an Logistikimmobilien knackt dabei in diesem Jahr die Marke von drei Millionen Quadratmetern Hallenfläche. Bremen liegt damit weiterhin vor München oder auch Düsseldorf, obwohl die beiden Städte in ihrer Statistik auch die Region einbeziehen. Die Leerstandsquote fiel in diesem Segment dem Report zufolge auf 2,1 Prozent. Experten gingen in der Vergangenheit davon aus, dass der Umsatz bei Logistikflächen noch größer wäre, wenn es kurzfristig mehr Angebot gebe, und konstatierten durchaus einen Mangel.

Insgesamt sei der Immobilienmarkt in Bremen auch in der Krise gefragt, wenngleich Corona den erfolgreichen Start ins Jahr bremse, bilanziert die WFB. „Bremen ist stark in allen Bereichen des Immobiliengeschäfts. Das hat das erfolgreiche Jahr 2019 gezeigt„, äußert sich Heyer. Allerdings: “Wie sich die Situation angesichts der Pandemie weiterentwickelt, kann derzeit niemand voraussehen.“

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Die Krise mit all ihren Begleiterscheinungen vernebelt also die Aussichten für die Märkte. Das dürfte auch die Arbeit am Gewerbeentwicklungsprogramm 2030 vor Herausforderungen stellen – neben den politischen Differenzen. Wo will Bremen bei der Gewerbeentwicklung hin? An einer Antwort auf diese Frage wird derzeit unter Federführung des Wirtschaftsressorts gearbeitet.

Wie sich der Büromarkt weiterentwickelt, ist ebenfalls noch offen. Das erste Halbjahr 2020 verzeichne vor dem Hintergrund der Krise mit 41 000 Quadratmetern ein vergleichsweise hohes Niveau. Die Leerstandsquote rangiert nun bei drei Prozent. „Nach wie vor werden moderne Büroflächen in Bremen schnell absorbiert“, heißt es im Report. Auch hier gelte: Corona erschwere Prognosen. „Möglich ist, dass Schwerpunktbranchen ausfallen, Unternehmensinsolvenzen den Leerstand erhöhen und Entscheidungen für Expansion oder Umsiedlung verschoben werden. Die Pandemie könnte dauerhaft dazu führen, dass Arbeitsprozesse zunehmend digitalisiert werden und Arbeit vom Homeoffice aus erledigt wird.“ Weiterhin ist die Überseestadt im Segment Büro besonders begehrt, die Mieten gingen im Schnitt leicht zurück auf 11,50 Euro pro Quadratmeter.

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