Verkostung in Düsseldorf

Wie Bremer Altbier an der längsten Theke der Welt ankommt

An der Weser wird wieder dunkles Obergäriges gebraut. Kann es dem Kenner-Urteil standhalten? Ein rheinischer Geschmackstest.
06.12.2018, 20:47
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Wie Bremer Altbier an der längsten Theke der Welt ankommt
Von Florian Schwiegershausen
Wie Bremer Altbier an der längsten Theke der Welt ankommt

In der Düsseldorfer Altstadt im Brauhaus "Im goldenen Kessel" probiert der Köbes Pascal Arnold das Bremer Altbier – und lobt es: "Schön süffig – das kann man gut trinken."

Ingo Lammert

Erst seit wenigen Wochen ist das „Norddeutsche Altbier“ aus Bremen auf dem Markt. Ob das denn geschmacklich „perlt“, wollte der WESER-KURIER wissen und ist mit einer Zehner-Kiste zur längsten Theke der Welt gefahren – nach Düsseldorf, ins Zentrum der Altbier-Braukultur. Bevor es zur Verkostung ins Lokal ging, führte der Weg erst in die Lokalredaktion der Kollegen vom „Düsseldorf Express“.

Lokalredakteur Colja Schliewa berichtet seit Jahren über Brauereien und die Kneipenkultur. Leicht skeptisch beäugt er als Düsseldorfer das Altbier aus dem Nordwesten. Beim Einschenken ins Glas fällt ihm auf: „Es ist naturtrüb, mit festem Schaum, und dessen Farbe hat einen angenehmen Teint.“ Nach dem ersten und dem zweiten Schluck stellt er fest: „Es geht gut runter und hat eine leckere, süße Karamellnote.“ Zusammen mit seinem Lokalchef Michael Kerst überlegt er sofort, bei welchem Düsseldorfer Altbier man die Bremer Variante einordnen könnte. Sie bleiben sich am Ende unschlüssig, sagen aber: „Das kann was, dieses Altbier von der Weser.“

Weiter geht es in die Düsseldorfer Altstadt zur längsten Theke der Welt. Nun soll auch ein Köbes – so werden im Rheinland die Kellner im Brauhaus genannt – die Bremer Kreation antesten. Pascal Arnold vom „Goldenen Kessel“, wo Schumacher-Alt ausgeschenkt wird, erklärt sich bereit. Auch sein Urteil ist positiv: „Im Geschmack süffig und im Nachgang ein bisschen Süße. Das kann man gut trinken. Das haben die gut hinbekommen." Es schlage die sogar die alteingesessenen Biere Schlösser, Diebels und Frankenheim Alt "um Längen". Schlösser und Frankenheim gehören neben Diebels zu den größten Altbier-Brauereien zwischen Düsseldorf und dem Niederrhein. Aufmerksam studiert Köbes Arnold die Rückseite der Altbier-Flasche, weil ihn auch interessiert, wieviel Alkohol das Alt hat und wie es mit der Stammwürze aussieht: „Mit 5,3 Prozent etwas mehr Alkohol als sonst, das finde ich auch nicht schlecht.“

Beim Test des Köbes werden auch andere Gäste vor dem Brauhaus aufmerksam. Eine ältere Dame probiert und sagt dann: „Der Geschmack ist gut, aber da ist mir zu viel Kohlensäure drin.“ Gast Ingo Schmeisser pflichtet ihr nach einem Schluck bei: „Das ist echt ein guter Geschmack, wenn das Alt jetzt noch aus dem Holzfass kommen würde, hätte es noch weniger Kohlensäure.“ Und im Fass könnte es noch etwas nachreifen. Aber die einhellige Meinung ist: „Euer norddeutsches Altbier kann was.“ Das gibt es auch im Fass, aber für den Transport von der Weser an den Rhein eignete sich die Kiste besser.

Lesen Sie auch

Als die Tester hören, dass eine Flasche davon von der Bremer Union-Brauerei 1,69 Euro kostet, vergleichen sie dies mit Kneipenpreisen. Und man gehe „ja auch nicht jeden Tag ins Brauhaus". Diesen nicht repräsentativen Test haben die Bremer Altbier-Brauer also bestanden. Initiatoren waren die Union-Brauerei, die Schüttinger-Brauerei sowie Grebhans Bierhandwerk in Horn-Lehe zusammen mit dem Schulzentrum Rübekamp, wo die künftigen Brauer und Mälzer ausgebildet werden. Zur Messe „Fisch und Feines“ Mitte November in Bremen hatten die Brauer das erste Fass Altbier offiziell angestochen.

Damit wollen sie ein Stück Bremer Altbier-Tradition wieder aufleben lassen. Denn was den Düsseldorfern nicht bewusst ist: Das Remmer Alt hatte in Bremen eine lange Tradition. 1824 gründete Johann Friedrich Remmer eine Brauerei mit Sitz am Schüsselkorb. Nach mehreren Umzügen und Umstrukturierungen schloss 1992 der Remmerkeller an der Katharinenstraße – das endgültige Aus des Traditionsunternehmens.

Lesen Sie auch

Die Markenrechte des einst so beliebten Remmer Alt liegen seit 1917 bei Beck & Co. Früher stellte Remmer für das Schaffermahl auch das Seefahrtbier her, das eher nach Hustensaft schmeckt. Heute braut es AB Inbev für den speziellen Anlass.

Wenn am heutigen Freitag die Fans von Fortuna Düsseldorf wegen des Spiels gegen Werder Bremen in der Hansestadt sind, können sie das Altbier in der Bar der Union-Brauerei am Brommyplatz vom Fass trinken – in Laufweite vom Weserstadion.

In Düsseldorf hat es jetzt eine Brauerei umgekehrt gemacht. Statt Altbier braut sie seit kurzem ein Kellerbier. Für den Fußballfan natürlich eine Steilvorlage. Man könnte auch sagen: Passend zum Tabellenplatz von Fortuna Düsseldorf. Ob Alt oder Kellerbier, Hauptsache, es trägt zur Fan- und Völkerverständigung bei.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+