Förderung für Start-ups Wie Oldenburg junge Gründer aus Bremen anlocken will

In Oldenburg gibt es seit kurzer Zeit ein Start-up-Zentrum. Dort sollen junge Gründer mit einem besonderen Programm unterstützt werden. Bewerber aus der Region und Bremen werden gesucht.
28.03.2018, 21:50
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Wie Oldenburg junge Gründer aus Bremen anlocken will
Von Lisa Schröder

80 Tage. Genauso viel Zeit gibt der Romanautor Jules Verne seinem exzentrischen Helden Phileas Fogg, um die Welt mit Zug und Schiff zu umrunden. Anlass ist eine Wette um Bares. Um eine Wette für die Zukunft geht es dagegen im neuen Oldenburger Start-up-Zentrum. Das räumt etwas mehr Zeit ein, doch die Anforderung an die Nachwuchsunternehmer ist ebenfalls ambitioniert: In 120 Tagen sollen sie ein Start-up zu ihrem Geschäftsmodell gründen.

„Wir wollen die Start-ups auf ihrem Weg in den Markt beschleunigen“, sagt denn auch Projektleiterin Alexandra Wurm. Im März ging das Start-up-Zentrum an den Start. Seither arbeitet Wurm mit ihren zwei Kollegen am Förderprogramm. Bewerbungen dafür sind seit diesem Mittwoch möglich. Die Start-ups sollen in vier Monaten mit Workshops, den Ratschlägen und Erfahrungen von Mentoren, Kontakten zu Investoren und einem Arbeitsplatz im Ac­ce­le­ra­tor des Technologie- und Gründerzentrums Oldenburg (TGO) unterstützt werden.

„Wir haben ein Riesennetzwerk und geben Zugang dazu.“ Das Start-up-Zentrum trägt den Namen „Go!“ – eine Anlehnung an das TGO und eine Abkürzung für „Gründen in Oldenburg“. Außerdem ist es ein Appell. „Wir wollen damit sagen: Los, macht etwas! Bewegt etwas!“, sagt Wurm. Der Fokus der Gründungshilfe liegt allein auf Start-ups.

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Auf 500.000 Euro beläuft sich das Fördervolumen für das zweijährige Projekt: 200.000 Euro steuert Niedersachsen bei, jeweils 150 000 die Stadt Oldenburg und die Wirtschaft. Gesucht werden auch internationale Teams. In Oldenburg passiert bereits eine Menge. Die Szene soll mit etwa 100 Start-ups, genaue Zahlen gibt es nicht, ähnlich groß sein wie die in Bremen. Im jüngsten Start-up-Monitor ist die Stadt als Hotspot identifiziert: Zusammen mit Hannover ist sie eine von sechs bundesweit besonders erfolgreichen Regionen für die technologischen, innovativen und schnell wachsenden Gründungen. Um Start-ups in Niedersachsen aufzubauen, sind in den vergangnen Monaten im Bundesland sieben weitere Start-up-Zentren entstanden.

Jedes hat dabei einen anderen Schwerpunkt. In Oldenburg liegt er auf Energie, Gesundheit sowie Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Jürgen Bath, Geschäftsführer des TGO, hat das Start-up-Programm initiiert – zusammen mit der Wirtschaftsförderung Oldenburg, dem Gründungs- und Innovationszentrum der Uni und der Industrie- und Handelskammer. Er hofft auf Bewerber aus der ganzen Region und gerne auch aus Bremen. „Wir wollen die besten Ideen.“

In den nächsten zwei Jahren sollen zwölf Start-ups die Förderung durchlaufen, bestenfalls nach vier Monaten als Gründer in das TGO einziehen und damit in Oldenburg bleiben. „Die Region soll was davon haben. Die Start-ups sollen den Standort stärken“, sagt Bath. Im TGO mit einer Fläche von 12.000 Quadratmetern gibt es bereits etwa 60 innovative Gründungen.

Bremen setzt auf Austausch mit anderen Städten

Ralf Stapp, Geschäftsführer der Bremer Aufbau-Bank, sieht in der Initiative keine Konkurrenz. „Jedes Angebot hat seine Daseinsberechtigung. Wir sollten unsere Kräfte bündeln. Je mehr wir in Bremen das Thema Gründung bespielen, desto größer die Wahrnehmung.“ Unter dem Dach der Förderbank soll sich in Zukunft das Start-Haus mit 15 Mitarbeitern um Gründer in der Stadt kümmern.

Dabei setzt Bremen ebenfalls auf den Austausch mit anderen Städten wie Groningen. Das neue Start-Haus soll Anlaufpunkt für die Fragen und Bedürfnisse aller Gründer sein – mit einem in Zukunft stärkeren Fokus auch auf Start-ups und die Cluster Luft- und Raumfahrt sowie Mobilität. Für jeden Gründer soll es ein Angebot geben.

Der gebürtige Bremer Oliver Benkel unterstützt die Start-ups in Oldenburg in Zukunft als Gründungscoach. Damit hat er bereits Erfahrung: Im Bremer Kraftwerk City Accelerator des Energieversorgers SWB arbeitete er eineinhalb Jahre. Nun wechselt er nach Oldenburg. Benkel ist besonders vom Netzwerk in der Stadt und der Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft begeistert. „Ich habe mich erst gewundert, warum Oldenburg im Start-up-Monitor so gut abschneidet. Dann habe ich die Briefkästen der vielen Unternehmen hier im TGO gesehen.“

Bewerbungen bis zum 25. April

Zu den Bewohnern im Komplex mit vier Häusern gehört etwa das Start-up „Share-Magazines“ von Oliver Krause und Jan van Ahrens. Vor ein paar Jahren zogen die beiden in das TGO. Nun gehören zum Team schon sieben weitere Mitarbeiter. Entstanden ist ein digitaler Lesezirkel: Die Nutzer können mit einer App an bestimmten Orten Zeitschriften und Zeitungen lesen. Voraussetzung ist, dass die Häuser das Angebot nutzen. Hotels, Arztpraxen, Frisöre und Restaurants gehören zu den 160 Kunden der beiden Gründer.

Oldenburgs Start-up-Stärke sieht Benny Hartwig, Innovationsmanager des Gründungs- und Innovationszentrums der Universität, vor allem auch darin begründet, dass Studenten in der Vergangenheit verstärkt gefördert wurden. „Die Uni Oldenburg gehörte zu einer von drei Gründungshochschulen in Deutschland. Hier ist echt viel passiert. Oldenburg ist ein Hotspot.“

Jürgen Bath will sich dafür einsetzen, dass das neue Programm auch über die zwei Jahre hinaus weiterläuft: „Wir wollen nicht, dass es in der Kiste verschwindet, sondern sich am Standort etabliert.“ In den nächsten Wochen soll in den Räumen des TGO eine neue Arbeitsatmosphäre entstehen – „Start-up-Spirit“.

Wer sich für den Accelerator bewerben möchte, hat dafür noch bis zum 25. April Zeit. Die erste Runde beginnt am 1. Juni. Mehr Informationen gibt es unter www.gruenden-oldenburg.de.

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