TV-Sperre angedroht

Wieder Ärger mit Vodafone in Bremen

Erneut geht Vodafone mit einer zweifelhaften Aktion auf Kundenfang. Ein Bremer Vertriebspartner schreibt auf eine Postkarte etwas von "TV-Sperre", weshalb die Anwohner sich bei ihm melden sollen.
07.05.2018, 21:45
Lesedauer: 4 Min
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Wieder Ärger mit Vodafone in Bremen
Von Florian Schwiegershausen
Wieder Ärger mit Vodafone in Bremen

Eine TV-Sperre androhen bei einem Bremer, der seit Jahren per Satellitenschüssel guckt: So wollte ein Vodafone-Vertriebler in Bremen neue Kunden gewinnen.

DPA

Was einige Anwohner in der Parkstraße vor kurzem in ihrem Briefkasten fanden, hat viele schockiert: eine informell gehaltene Postkarte mit mehreren Ankreuzmöglichkeiten. Der Name des Anwohners war handschriftlich eingetragen. Außerdem war angekreuzt: „Der von uns autorisierte Vertriebspartner bittet um ihren Rückruf“ und zusätzlich „Sonstige Bemerkungen: TV Sperre“. Wer also nicht anruft, dem wird das Fernsehen gesperrt?

Ein Anwohner rief also die Handynummer auf der Karte an. Sie gehört dem Vodafone-Vertriebspartner MB-Technik. Es meldete sich ein Mann (Name der Redaktion bekannt). Bei ihm fragte der Bewohner an, was das denn solle, auf diese Art und Weise Angst zu schüren. Der freie Vodafone-Vertriebler sah seine Karte dagegen als tollen Service an: Bevor er das TV-Signal vom Kabelfernsehen sperren würde, meldet er sich lieber vorher nochmals. Allerdings hat der Anwohner dort noch nie Fernsehen per Kabel gesehen. Er besitzt seit vielen Jahren eine Satellitenschüssel.

Der Anwohner meldete sich daraufhin beim WESER-KURIER. Der wiederum sprach mit der Bremer Verbraucherzentrale darüber. Deren Vorständin Annabel Oelmann sieht diese Art der Kundenwerbung äußerst kritisch. Sie sagt: "Das ist nicht zulässig.“ Mit der Angst vor einer TV-Sperrung dürfe man keine Werbung machen.

„Vor allem, wenn eine solche Werbepostkarte womöglich einen Verbraucher erreicht, der tatsächlich Kunde bei Vodafone ist. Diese Karten wurden mit der Motivation verteilt, etwas zu verkaufen." Normalerweise würde niemals mit einer solchen Karte die Sperre des Fernsehsignals angekündigt werden, sagt Oelmann. "Wem das auch so ähnlich passiert ist, kann sich gern an die Verbraucherzentrale wenden oder auch an die Bundesnetzagentur."

Auch die Bundesnetzagentur hält diese Art der Werbung für falsch. Die Behörde hat inzwischen die Sperrung der Handynummer veranlasst, die auf der Werbepostkarte abgedruckt war. Der Sprecher der Bundesnetzagentur, Michael Reifenberg, teilte dieser Zeitung mit: „Die Versendung entsprechender Werbeschreiben stellt sich unter verschiedenen Gesichtspunkten als wettbewerbswidrige und damit rechtswidrige Nummernnutzung der ausgewiesenen Kontaktrufnummer dar.

Bremer bekamen es mit der Angst

Die Bundesnetzagentur hat die Abschaltung dieser Rufnummer angeordnet (Bescheid vom 30.04.2018; URL: www.bundesnetzagentur.de/Massnahmenliste).“ In der Tat wurde die Nummer daraufhin abgeschaltet. Für den Bremer Vodafone-Vertriebspartner war mit diesem Schritt seine Postkarten-Aktion von jetzt auf gleich vergebens. Denn außer der nun gesperrten Handynummer hatte er dort keine weiteren Kontaktdaten angegeben.

Es ist nicht das erste Mal, dass Vodafone auf diese zweifelhafte Art auf Kundenfang geht. Bereits vor etwas mehr als einem Jahr beschäftigte Vodafone mit einem aktenähnlichen Werbebrief Verbraucherschützer und auch die Bundesnetzagentur. Damals wollte Vodafone Kabel Deutschland wegen der Umstellung auf das digitale terrestrische Fernsehen DVB-T2 neue Kunden gewinne.

Dazu verschickte das Unternehmen einen Brief, bei dem es einige Bremer mit der Angst bekamen. In der Betreffzeile hieß es damals: „DVB-T-Abschaltung erfordert Umstellung auf moderne TV-Versorgung.“ Gleichzeitig trug das Schreiben den Stempel „Wiederholter Zustellversuch“. Der Schreibstil und die Aufmachung mit aktenzeichenähnlichen Datennummern erinnerte an eine Mitteilung einer Behörde.

Abmahnung an Vodafone

Die Verbraucherzentrale sah darin einen klaren Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht. Denn die Verbraucher würden mit dem Setzen einer Frist gezielt unter Handlungsdruck gesetzt werden. Bei der aktuellen Postkarte werde mit dem Hinweis "TV-Sperre" ebenso ein Handlungsdruck erzeugt, der nicht zulässig sei. Die Wettbewerbszentrale verschickte damals sogar eine Abmahnung an Vodafone.

Und die Bundesnetzagentur rief sogar dazu auf, dass sich weitere Verbraucher bei ihr melden mögen, die ebenfalls dieses Schreiben erhalten haben. Vodafone stoppte damals die Verbreitung des Werbebriefs und versprach, Werbemittel in dieser Art der Gestaltung nicht mehr zu versenden. Eine Vodafone-Sprecherin sagte dem WESER-KURIER: "Der geschilderte Ablauf entspricht nicht unseren Vorstellungen und Ansprüchen."

Für Vodafone sind Berater als selbstständige Handelsvertreter tätig. Diese seien als autorisierte Vertriebspartner im Auftrag des Unternehmens auf Provisionsbasis tätig. Zu den Aufgaben eines Vodafone-Beraters gehöre auch die Überprüfung der sogenannten Hausübergabepunkte (ÜP) auf eventuelle unentgeltliche Nutzung. Dies sei im konkreten Fall möglich gewesen.

"In solchen Fällen kann vom Vodafone-Berater eine Benachrichtigungskarte hinterlassen werden, um Zutritt zu diesem Übergabepunkt zu erhalten und diesen zu verplomben", so die Unternehmens-Sprecherin des Düsseldorfer Telekommunikationskonzerns. Allerdings nicht so, wie in diesem Fall: "Der vom Vodafone Berater gewählte und selbst formulierte Rückrufgrund „TV Sperre“ auf der Benachrichtigungskarte ist missverständlich. Aus unserer Sicht sollte hier eine verständlichere Formulierung, wie zum Beispiel „Überprüfung Übergabepunkt Vodafone Kabelanschluss“ oder ähnliches verwendet werden."

Die Fachabteilung habe laut Vodafone bereits reagiert und den Berater angewiesen, „TV Sperre“ ab sofort nicht mehr zu verwenden. Die Unternehmens-Sprecherin fügte hinzu: "Die Fachabteilung wird eine klare Formulierung erarbeiten, die zukünftig in solchen Fällen verwendet wird. Entstandene Unannehmlichkeiten bedauern wir sehr und bitten um Entschuldigung."

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