Appell für höhere Ausbauziele

Windbranche hofft auf Groko

Die IG Metall fürchtet, dass in der Windbranche weitere Jobs wegfallen, wenn die künftige Bundesregierung nicht die Ausbauziele verändert. Was die Gewerkschaft und Betriebsräter fordern.
05.01.2018, 17:41
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Windbranche hofft auf Groko
Von Peter Hanuschke
Windbranche hofft auf Groko

IG Metall und Betriebsräte fordern veränderte Ausbauziele für die Windenergie. Ansonsten würden weitere Jobs wegfällen und die Energiewende nicht erreicht werden.

dpa

Ob überhaupt eine Große Koalition (Groko) zustande kommt und wenn ja, wo sie Schwerpunkte in den nächsten Jahren setzen will, darüber verhandeln derzeit SPD und CDU/CSU. Genau darauf möchte die IG Metall Küste Einfluss nehmen. Deshalb hat die Gewerkschaft am Freitag in Hannover eine Forderung an die Landesregierungen im Norden übergeben. Das Ziel darin lautet, dass sich die fünf Bundesländer in den anstehenden Verhandlungen zur Bildung einer Bundesregierung für einen weiteren Ausbau der Windenergie an Land und auf See einsetzen. Wird die künftige Bundesregierung nicht den Ausbaukorridor korrigieren und vergrößern, befürchten Gewerkschaft und Betriebsräte der Windindustrie einen weiteren Abbau von Arbeitsplätzen sowie ein Scheitern der Energiewende.

„Die Nordländer müssen das Thema in Berlin auf die Agenda setzen“, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. „Wir brauchen einen verlässlichen und vor allem deutlich stärkeren Ausbau der Windenergie an Land und auf See." Anders seien die Klimaschutzziele nicht zu erreichen, und nur so kann die Energiewende für neue Industrieansiedlungen und Beschäftigung in Norddeutschland, aber auch in anderen Regionen sorgen.“

Branche verliert Arbeitsplätze

Dass die Sorgen der Arbeitnehmervertreter nicht unbegründet sind, zeigt die jüngste Vergangenheit: Die Standort-Schließungen der Rotorblatthersteller Carbon Rotec in Lemwerder und der Senvion-Tochter Powerblades in Bremerhaven. Auch der zum Siemens-Konzern gehörende Turbinenhersteller Adwen stellte im vergangenen Jahr seine Produktion in der Seestadt ein. Laut Gewerkschaft haben seit Anfang des vergangenen Jahres bereits mehr als 2000 Beschäftigte ihre Arbeitsplätze in der Branche verloren.

Lesen Sie auch

Die Forderung der IG Metall und der Betriebsräte lautet, das Ausbauziel für 2030 auf mindestens 20 Gigawatt (GW) und für 2035 auf 30 GW zu steigern. Bislang liegt das Ausbauziel bis 2030 bei 15 GW. Unterstützt wird die Forderung auch von Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Olaf Lies (SPD): Nur mit einem stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien seien die verpflichtenden Klimaziele für 2030 noch zu erreichen. „Wir im Norden haben die Unternehmen, die mit hoher fachlicher Kompetenz die notwendigen Anlagen bauen und installieren können.“ Es gehe daher auch um Arbeitsplätze. „Daher brauchen wir vor allem Verlässlichkeit für den weiteren Ausbau. Dazu muss der Deckel für den Offshoreausbau weg.“

Cuxhavener Appell

So eine Initiative sei immer begrüßenswert, kommentierte der Bremer CDU-Politiker Jens Eckhoff den Forderungskatalog, der sich inhaltlich mit dem Cuxhavener Appell decke. Eckhoff ist auch Präsident der Offshore-Stiftung. Und besagten Appell haben die fünf norddeutschen Bundesländer zusammen mit der IG Metall bereits im September an die kommende Bundesregierung gerichtet. Ein Appell alleine reiche aber nicht aus, um der Branche zu helfen. Vielmehr müsse man Wege aufzeigen, die Konkreteres beschreiben. Daran arbeite die Stiftung.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+