Umsatzverlust in Milliardenhöhe im Modehandel

Preisrabatte nach dem Lockdown

Schon jetzt befürchtet der Modehandel einen Umsatzverlust in Milliardenhöhe. Da die Geschäfte die Winterware nicht loswerden, rechnet ein Bremer Händler nach Ende des Lockdown mit großen Preisrabatten.
12.01.2021, 21:59
Lesedauer: 3 Min
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Preisrabatte nach dem Lockdown
Von Florian Schwiegershausen

In den Mode- und Textillagern stapelt sich die Kleidung. Die Winterware liegt immer noch in den Läden. Bis Ende Januar werden es deutschlandweit eine halbe Milliarde unverkaufter Artikel sein. So hat es der Handelsverband Textil (BTE) berechnet. Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels prognostiziert: „Allein die Umsatzverluste des gesamten Winter-Lockdown dürften sich bis Ende Januar auf rund zehn Milliarden Euro aufsummieren.“ Der stationäre Modehandel wird durch die geschlossenen Geschäfte die Hälfte des Dezember-Umsatzes verloren haben, schätzt Pangels.

Wie hoch die Zahl der unverkauften Artikel allein in Bremen und Niedersachsen ist, lässt sich laut BTE-Präsidiumsmitglied Jens Ristedt, Inhaber des gleichnamigen Bekleidungsgeschäfts in der Bremer Innenstadt, nicht sagen. Seine Branche steht vor einem Problem: Demnächst soll eigentlich die Sommerware kommen. „Ich weiß momentan auch noch nicht, was ich mit der Winterware mache“, sagt Ristedt. „Ich bin wöchentlich mit meinen Fabrikanten im Gespräch, um die Liefertermine für die Sommerware nach hinten zu verschieben.“ Bei Saisonware sei es schwierig, Artikel zu einem späteren Zeitpunkt zu verkaufen. „Bei einer schwarzen Hose und einer schwarzen Jacke geht das vielleicht auch noch in einem Jahr“, ergänzt der Einzelhändler.

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Zudem sei die Saisonware nicht auf Kommission gekauft, sondern vorfinanziert. „Und die Winterware finanziert auch die Sommerware mit.“ Die Einnahmen dienen gewöhnlich dazu, die Rechnungen für die neuen Kollektionen zu begleichen.

Ristedt lobt den Senat, dass er den Bremer Händlern zumindest „Click & Collect“ erlaubt hat: Die Kunden können per Anruf oder im Internet Ware bestellen und sie anschließend an der Ladentür in Empfang nehmen. Das sei eine gute Möglichkeit, um Kontakt zu den Stammkunden zu halten – auch wenn dieser Verkauf nur einen Teil des sonst üblichen Umsatzes darstelle. Sollten die Geschäfte im Februar wieder öffnen dürfen, erwartet Ristedt in seiner Branche eine Preisschlacht, damit möglichst viele Kunden noch zur Winterware greifen.

Bestellung der nächsten Kollektion per Videokonferenz

Gleichzeitig hat sich Ristedt im Internet der Plattform Outfits24 angeschlossen, über die das Geschäft ebenfalls verkauft. Der nächste Schritt sei ein eigener Shop im Internet: „Momentan haben wir ja die Zeit, um darüber nachzudenken.“ Da die Modemessen alle ausfielen, erfolge die Bestellung der nächsten Kollektion per Videokonferenz oder mit entsprechenden Hygieneregeln vor Ort beim Hersteller im Showroom.

Letzteres stellt auch Brigitte Karow vom Kinderbekleidungsgeschäft Kaenguru in der Böttcherstraße vor ein Problem. „Die Messe, auf der ich Ende Januar in Paris gewesen wäre, fällt aus. Nun muss ich schauen, wann ich per Auto zu den Herstellern nach Brüssel und Antwerpen fahren kann und hoffe, dass ich danach nicht in Quarantäne muss. Das ist alles Zeit, in der ich im Laden fehlen würde“, sagt Karow.

Winterware wohl noch in einem Jahr verkaufen

Die Situation sei schon jetzt schwer genug und gehe an die Existenz – bei einem Geschäft, das seit 17 Jahren in der Böttcherstraße besteht. Zwar gebe es einige Stammkunden, die per Telefon bestellen und später an der Ladentür abholten. „Aber auch das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Karow. Gleichzeitig treffen die Pakete mit der Sommerkollektion nach und nach ein. Etwas von der Winterware könne sie wohl noch in einem Jahr verkaufen, meint sie. ­Suzanne Lingke, Inhaberin des Damenbekleidungsgeschäfts Danny’s in Schwachhausen an der Wachmannstraße, hat ihre Winterware ins Internet gebracht. In ihrem Online-Schaufenster kann man sich die Waren anschauen und telefonisch bestellen.

„Mit der Unterstützung meiner Tochter bin ich nun auch auf Instagram präsent“, sagt die Einzelhändlerin. Nach der Bestellung können Kundinnen die Ware an der Ladentür abholen, oder Lingke liefert die Sachen aus. Was wegfällt? „Ich habe Kundinnen, die die Wachmannstraße extra dann anfahren, wenn ich die Sachen reduziert habe, wenn beispielsweise ein Stück nur noch in einer Größe da ist. Dazu muss man in den Laden kommen und die Ware anschauen.“ Lingke mag derzeit nicht daran denken, was ein Lockdown über den 31. Januar hinaus für sie bedeuten würde.

Alle drei Händler loben indes, wie sehr ihre Stammkunden sie gerade jetzt unterstützen. Mehr Unterstützung fordert der Handelsverband Textil von der Politik: schnelle, ausreichende Kompensation, die die besondere Problematik in der Modebranche berücksichtigt.

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