Kaefer-Chef Peter Hoedemaker zum Standort Bremen

"Wir haben uns außerhalb umgesehen"

Bremen. Die Firma Kaefer Isoliertechnik ist ein Bremer Traditionsbetrieb. Einerseits. Andererseits aber wohl auch das globalisierteste Unternehmen der Stadt. Wie Kaefer zu Bremen steht und wo die weltweitern Wachstumsfelder liegen, erklärt Firmen-Chef Peter Hoedemaker.
09.04.2010, 19:20
Lesedauer: 4 Min
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Von Krischan Förster

Bremen. Die Firma Kaefer Isoliertechnik ist ein Bremer Traditionsbetrieb. Einerseits. Andererseits aber wohl auch das globalisierteste Unternehmen der Stadt. Wie Kaefer zu Bremen steht und wo die weltweitern Wachstumsfelder liegen, erklärt Firmen-Chef Peter Hoedemaker im WESER-KURIER-Interview.

 

Die Firma Kaefer Isoliertechnik wurde 1918 in Bremen gegründet. Sie hat 17.000 Mitarbeiter in 45 Ländern der Welt. In Bremen arbeiten aber nur rund 450. Wie bremisch ist Kaefer eigentlich noch?

Peter Hoedemaker: Früher waren wir eine internationale Firma. Jetzt sind wir eine globale Firma. Kaefer ist aber ein Familienunternehmen. Deshalb ist Bremen sehr wichtig. Die Besitzerfamilie Koch war bis 1995 selbst in der Geschäftsführung aktiv. Und wir haben das Prinzip der Familie in das Unternehmen übertragen. Wir führen die Firma sehr familienmäßig. Wir treffen uns sehr oft mit unseren Leuten. Wir haben einen hohen Identifizierungsgrad, nennen uns gegenseitig Kaeferaner. Das Zentrum dieser Familie ist Bremen. Doch das stand vor zwei Jahren zur Diskussion.

Warum das denn?

Bei der Suche nach einem Standort für unsere neue Unternehmenszentrale haben wir uns von der Politik der Stadt nicht ausreichend unterstützt gefühlt. Wir haben uns deshalb auch außerhalb von Bremen umgesehen.

Was stört Sie an der Politik in Bremen?

Man wünscht sich, dass für das Bekenntnis eines Unternehmens zu einem Standort auch von der Stadt das eine oder andere Mal eine stärkere Bekundung der Sympathie kommt.

Haben Sie Kontakt mit Bürgermeister Jens Böhrnsen oder dem Wirtschaftssenator?

Herr Böhrnsen war einmal einen ganzen Tag für eine besondere Aktion mein Begleiter in der Firma. Ich habe das dann im Rathaus auch so gemacht. Aber seither haben wir selten wieder voneinander gehört.

Was sollte die Politik Ihrer Meinung nach denn besser machen?

Den Kontakt zu den Firmen stärker suchen und pflegen. Damit die, die da sind, bleiben und auch noch ein paar andere dazukommen.

Es gibt also auch für eine global aufgestellte Firma wie Ihre eine Art Wohlfühlfaktor? Das Gefühl, in der Stadt, in der man seine Zentrale hat, gut aufgehoben zu sein?

Natürlich. Bremen ist die Alma Mater von Kaefer, das Herz. Alle, die mit uns zu tun haben, kommen hierher. Aus der ganzen weiten Welt. Wenn die hierherkommen, wollen sie aber auch etwas sehen. Deshalb ist es für uns wichtig, im Zentrum zu sein. Was Bremen zu bieten hat, wollen wir unseren Kunden und Mitarbeitern auch zeigen.

Haben Sie deshalb als Ort Ihrer neuen Unternehmenszentrale, die Sie im Herbst beziehen, den Standort Börsenhof am Marktplatz, also mitten im Stadtzentrum gewählt?

Ja. Denn in diesem Haus kommt die Kaefer-Familie zusammen. Das muss erkennbar etwas darstellen. Darauf sollen alle stolz sein, wenn sie es sehen.

Warum haben Sie sich am Ende trotzdem für den Standort Bremen entschieden?

Weil ein Umzug in eine andere Stadt nicht vermittelbar gewesen wäre. Es hätte den Bruch mit Traditionen und Werten bedeutet, den viele nicht verstanden hätten.

In Bremen sitzen auch Ihre Experten für Entwicklung und Forschung. Wo sehen Sie für Kaefer den Zukunftsmarkt?

Eindeutig in der Isolierung. Das hat erst kürzlich eine weltweite Studie ergeben. Das Problem dabei ist: Es wird nicht so wahrgenommen. Unsere Aufgabe ist es, die Leute aufzurütteln und sie auf die großen Vorteile von Isolierung für das Energiesparen und die Kohlendioxid-Reduktion hinzuweisen.

Warum wird das Thema noch nicht so wahrgenommen? Energieeffizienz ist doch seit Jahren in der Diskussion.

Unser Geschäft ist die Industrie. Und dort werden bei der Planung großer Anlagen diese Themen noch wenig berücksichtigt.

Warum?

Weil Unternehmer nüchtern kalkulieren. Wenn sich die Investition für eine Isolierung kurzfristig rechnet, machen sie es. Wenn nicht, lassen sie es bleiben. Wir haben aber extra zu diesem Zweck zusammen mit anderen Isolier-Spezialisten eine Stiftung in Genf gegründet. Sie hat die Aufgabe, die Wirtschaft über Vorteile der Isoliertechnik aufzuklären. Die Botschaft ist: Kohlendioxid sparen heißt Kosten sparen.

Das ist aber doch sicher weltweit sehr verschieden. Sie rüsten Neubauten aus, verbessern aber auch Altanlagen, oder?

Ja. Hier in Deutschland ist das Verhältnis etwa 50:50. In anderen Regionen wird darauf weniger Wert gelegt. In China werden Firmengebäude für acht bis zehn Jahre gebaut. Dann kommt ein neues. In Deutschland werden solche Gebäude eher für 30 Jahre gebaut. Da ist das Thema Nachrüstung interessanter. Deshalb ist unser Geschäft auch in jedem Land anders. Wir gehen sehr auf die Mentalitäten ein.

Haben Sie eine Wachstumsstrategie? Wo liegen die Potenziale?Zum einen in der Geografie. Wir sind derzeit in 45 Ländern aktiv. Das kann noch bis auf 70 Länder wachsen. Das andere ist die Kohlendioxid-Thematik. Schließlich engagieren wir uns auch sehr im Bereich der alternativen Energien, insbesondere in der Solarenergie. Wir werden zum Beispiel auch am Desertec-Projekt mitwirken.

Dem weltweit größten Energiegewinnungskonzept aus Sonne und Wind in der Sahara?

Ja. Kaefer ist gerade als erster assoziierter Partner der Desertec Industrial Initiative zugelassen worden. Was werden Sie in dem Projekt machen? Wir sind als Technologiepartner dabei. Dafür haben wir uns beworben und wurden jetzt zugelassen. In den nächsten drei Jahren werden wir die technischen Fragen klären helfen, um dann starten zu können. Wir sind Partner bei der Entwicklung der Isoliertechnik für die Energieanlagen.

Sind Sie dann am Ende auch am Bau von Desertec beteiligt?

Das wird ausgeschrieben werden. Wir werden uns daran beteiligen. Aber wir haben durch diese Beteiligung vielleicht einen gewissen Vorsprung. Ungeachtet davon sind die Erkenntnisse aus dieser Partnerschaft aber auch für unser zukünftiges Geschäft wichtig. Es ergeben sich viele Entwicklungsmöglichkeiten daraus.

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