Innovations-Camp

Zehn neue Berufe pro Jahr schaffen

Warum arbeiten die Kreativen aus den Start-Ups eigentlich so gern in alten Fabrikhallen? 111 Mittelständler und Studierende gehen bis Samstag beim Bremer Innovations-Camp auch dieser Frage nach.
03.11.2017, 21:45
Lesedauer: 2 Min
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Zehn neue Berufe pro Jahr schaffen
Von Florian Schwiegershausen

Sie sind jung, sie sind kreativ, und sie beschäftigen sich damit, wie Arbeit und Lernen in der Zukunft funktionieren soll. Dazu sitzen 111 Studierende und Mittelständler auf Pappkartons in den alten Fabrikhallen der Silbermanufaktur Koch & Bergfeld in der Bremer Neustadt bei der Veranstaltung "Arbeitsspeicher". In verschiedenen Workshops soll es darum gehen, wie alteingesessene Unternehmen von der Kreativwirtschaft profitieren können.

Als kreativer Kopf steht Christoph Backes auf der Bühne. Er ist Bremens „verlorener Sohn“. Vor einem Jahr zog er zusammen mit seinem U-Institut-Team von Bremen nach Berlin. Dort bildet sein Institut das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes. Und am Freitag eröffnete er zusammen mit der geschäftsführenden Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) die Veranstaltung, die er organisiert hat. Backes forderte: „Jedes Jahr sollten zehn neue kreative Berufe erfunden werden.“ Derzeit gebe es bei der Handelskammer nur drei Ausbildungswege, die mit Kreativwirtschaft zu tun haben. Und mit diesem Innovations-Camp will Backes Leute zusammenbringen, die sonst so in dieser Mischung nicht zusammenkommen würden. Senator Günthner sagte außerdem: „Reines Gutsein in der Produktion reicht am Ende heute nicht mehr aus.“ Da müsse man die bestehenden Prozesse hinterfragen. Das Schlagwort lautet „New Work“, wie Unternehmensberaterin Marion King erläuterte: „Statt eines Befehlswegs von oben nach unten in einem Unternehmen braucht es sehr viel mehr Arbeiten in der Fläche.“ Die Kollegen sollen mehr ausprobieren und auch Fehler machen dürfen. Dabei sollten sie bereit sein, ihre Komfort-Zone zu verlassen, und andere Kollegen mit Ideen auch mal nerven dürfen. Auf diese Weise sollen die Mitarbeiter rausgeholt werden aus dem Dienst nach Vorschrift.

Was Arbeit der Zukunft bedeutet, demonstrierte auch Daimler-Ausbilder Marius Wagener. Denn Azubis schweißen in der Zukunftswerkstatt bereits virtuell nur mit Datenbrille, ohne einen Funken zu versprühen. Das durften auch die Camp-Teilnehmer ausprobieren – damit sie ihre kreativen Funken für eigene Ideen aufbewahren.

Und Zukunftsforscher Christian Schoon, ein bodenständiger Ostfriese, der in Köln arbeitet, stellte nebenbei kurz vor seinem Workshop die Frage, warum denn die ganzen Kreativen und all die Start-Ups gern in so alten Fabrikhallen arbeiten. Dem WESER-KURIER verriet er vorab seine Begründung: „Sie wollen sich damit von den herkömmlichen Unternehmen und den dort üblichen Büros absetzen. Aber sie sollten auch dort ruhig mal Platz nehmen, damit sie sich diesem Blickwinkel nicht versperren.“ Denn auch zu viel Voreingenommenheit könne die Kreativität einengen.

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