Schon 2000 Wohneinheiten gefördert

Bremer profitieren vom Baukindergeld

Für bisher 2000 Wohneinheiten hat die KfW in Bremen Baukindergeld gezahlt. Doch es kann noch mehr hinzukommen, denn Familien haben nun wegen Corona drei Monate mehr Zeit für den Antrag. Dennoch gibt es Kritik.
26.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer profitieren vom Baukindergeld
Von Lisa Boekhoff
Bremer profitieren vom Baukindergeld

In der Gartenstadt Werdersee entstehen gerade viele neue Immobilien.

Christina Kuhaupt

In der Hansestadt haben bereits viele Familien vom Baukindergeld profitiert. In Bremen und Bremerhaven gab es nach Angaben der KfW bis Ende August eine Förderung in Höhe von insgesamt 43 Millionen Euro für mehr als 2000 Wohneinheiten. Das Nachbarland Niedersachsen verzeichnete einen Gesamtzuschuss von 666 Millionen Euro für fast 31 500 Immobilien.

Die Chance auf den Zuschuss steigt. Denn die Bundesregierung hat das Baukindergeld gerade um drei Monate verlängert. „Das bedeutet, wer bis zum 31. März 2021 einen Kaufvertrag unterzeichnet oder die Baugenehmigung erhält, kann noch bis Ende 2023 einen Antrag auf Baukindergeld bei der Förderbank KfW stellen“, sagte dazu LBS-West-Chef Jörg Münning. Wichtig sei, dass der Antrag auf den Zuschuss innerhalb der ersten sechs Monate nach Einzug gestellt werde.

12.000 Euro pro Kind

Die Frist ist wegen Corona nach hinten verschoben: Denn wegen der Pandemie hat es manche Verzögerung bei Baugenehmigungen und Kaufverträgen gegeben. Für eine Verlängerung der Frist bis Ende 2021 sprach sich CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak aus: Familien trauten sich damit den Kauf einer Immobilie zu – ein wichtiger Beitrag zur Altersvorsorge. Dagegen hielt der Grünen-Abgeordnete Chris Kühn. „Das Baukindergeld ist das mit Abstand schlechteste Instrument in der Bau- und Wohnungspolitik, das existiert", kommentierte er die Forderung. Das Instrument pumpe Milliarden Euro in einen ohnehin schon überhitzten Markt und erziele lediglich Mitnahmeeffekte bei Leuten, die sowieso bauen wollten. Das Geld solle lieber in sozialen Wohnungsbau investiert werden.

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Der Zuschuss wurde vor zwei Jahren eingeführt, um Familien und Alleinerziehenden das Eigenheim leichter zu ermöglichen. Für jedes Kind gibt es beim Kauf oder Bau einer Immobilie 12.000 Euro in zehn Jahresraten. Allerdings darf das maximal zu versteuernde Haushaltseinkommen nicht mehr als 90.000 Euro bei einem Kind betragen. Für jedes weitere Kind steigt die Schwelle um 15.000 Euro. Nach Daten der KfW haben etwa 60 Prozent der Bezieher ein Durchschnittseinkommen von höchstens 40.000 Euro pro Jahr.

Niedersachsens Bauminister Olaf Lies (SPD) hatte sich im Juni bereits für eine Verlängerung des Baukindergeldes um weitere fünf Jahre ausgesprochen – mit Verweis auf Corona. Familien hätten wegen der Pandemie Anträge nicht rechtzeitig stellen können, sagte Lies im Gespräch mit dem WESER-­KURIER. Derweil sieht FDP-Fraktionsvize Christian Dürr, Bundestagsabgeordneter aus Ganderkesee, die Verlängerung und den Zuschuss generell kritisch. "Das Groko-Baukindergeld treibt die Preise in die Höhe und schafft so gut wie keinen neuen Wohnraum", kommentierte er am Freitag. Seine Fraktion setze sich stattdessen für einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer ein. „Durch die hohen Baunebenkosten und die steigenden Sätze bei der Grunderwerbsteuer werden den Familien beim Kauf eines Hauses oder einer Wohnung unnötig viele Steine in den Weg gelegt."

Fördertopf von 9,9 Milliarden Euro

Bis Ende August hatten nach Angaben der KfW rund 260 500 Familien die Förderung für die eigenen vier Wände beantragt. Dadurch sind Mittel in Höhe von rund 5,5 Milliarden Euro gebunden – und damit etwas mehr als die Hälfte des Fördertopfes von 9,9 Milliarden Euro. Nach Angaben der KfW kommen die meisten Anträge aus städtischen Räumen. Vorne liegen hier Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Voraussetzung für den Zuschuss: Die Immobilien müssen erstmalig erworben und selbst genutzt werden. Die Wohnfläche spielt dabei keine Rolle. Es muss ein Kind gemeldet sein, das bei der Antragstellung noch nicht 18 Jahre ist.

Für die Bremische Volksbank gibt das Baukindergeld keinen Ausschlag für oder gegen eine Finanzierung, sagt Michael Indorf, Leiter des Bereichs Immobilienfinanzierungen: „Wir treffen die Entscheidung schon vorher.“ Doch als Mittel für Sondertilgungen oder für Modernisierungen sei der Zuschuss eine Hilfe für Familien – gerade mit kleinen Kindern. In der Beratung spreche man das Baukindergeld aktiv an, viele seien auch schon informiert. „Aus unserer Sicht ist das ein gutes Instrument. Es kann die Entscheidung des Kunden noch positiv verstärken.“

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