Neues Job-Portal für Bremen Zweite Chance für die Zweiten

Oft muss sich ein Unternehmen am Ende für einen von mehreren Bewerbern entscheiden – obwohl die anderen Kandidaten auch gut waren. Über ein neues Netzwerk soll es für sie eine zweite Chance geben.
25.08.2019, 19:08
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Zweite Chance für die Zweiten
Von Florian Schwiegershausen

Bremen. Die Idee ist Björn Kleinhammer gekommen, als er sich mit dem zuständigen Personalentscheider des Bremer Stahlhandels Buhlmann unterhalten hat. Bei einem ausgeschriebenen Job gab es mehrere gleich gute Bewerber, aber am Ende musste sich der Personaler für denjenigen entscheiden, der seiner Meinung nach am besten ins Team passt. Da fragte sich Kleinhammer: Warum sollen denn nicht andere Unternehmen in Bremen, die vielleicht auch eine ähnliche Stelle haben, davon profitieren? Was wäre, wenn die Verantwortlichen aus der Personalabteilung eines Unternehmens hervorragende aber abgelehnte Bewerber in ein Netzwerk stellen, auf das andere Personaler Zugriff haben? Damit war der Startschuss für das Business-Personal-Netzwerk gefallen.

Also setzte sich Kleinhammer mit einem Programmierer hin, um die Seiten zu entwickeln. Während er herumtüftelte, merkte er aber auch, dass die eigentliche Grundidee mit der Europäischen Datenschutzgrundverordnung nicht so einfach vereinbar war: Personaler können nicht so einfach Bewerbungen ins Netz stellen. Deshalb musste er umdenken. Bei der Ablehnung eines Bewerbers soll der Personaler dem Kandidaten mitteilen, er möge seine Bewerbung doch bitte ins Business-Personal-Netzwerk einstellen. Vom Unternehmen erhält er außerdem eine Bestätigung, dass er sich dort beworben hat.

Diese Bestätigung kann für Bewerbungen bei anderen Personalern aus dem Netzwerk als hilfreicher Nachweis dienen. Unternehmen hoffen, so schneller Fachkräfte gewinnen zu können. Kleinhammer sagt außerdem: „Ich möchte, dass sich die Personalmitarbeiter aber nicht nur virtuell austauschen, sondern auch real.“ Deshalb organisiert er für alle jedes Jahr zwei bis drei Mal ein Frühstück, bei dem sich die Personaler kennenlernen und austauschen können. „Es gibt alle möglichen Netzwerke in Bremen, aber ich bin der Ansicht, dass es kein großartiges, spezielles Netzwerk gibt auf Personalabteilungsebene.“ Kurz vor den Sommerferien ging das Netzwerk an den Start. Inzwischen machen zehn namhafte mittelständische Bremer Unternehmen mit, darunter der Stahlhandel Buhlmann und das Traditionshandelshaus C. Melchers. Knapp 100 Bewerber haben sich eingetragen.

Kleinhammer plant mit dieser Idee auch über die Grenzen Bremens hinaus: In Duisburg und Mannheim hat er bereits Partner, mit denen er zusammenarbeiten will. Vor Ort will er noch jemanden suchen, der das Frühstück mit den Personalern organisiert. Er hofft, dass sich damit für die Personalabteilungen auch die Dauer reduziert, die es von der Ausschreibung einer Stelle bis zur Einstellung des Mitarbeiters braucht. Dass auch eine Bewerbung Zeit in Anspruch nimmt, das zeigt der Bewerberreport des Unternehmens Softgarden. In der Umfrage gaben knapp 28 Prozent der 6500 Teilnehmer an, dass zwischen der schriftlichen Bewerbung und der Einladung zu einem Vorstellungsgespräch mehr als vier Wochen vergingen.

Wer einen Job sucht, kann seine Bewerbung auf der Seite www.bp-n.de hochladen. Unternehmen können dann interessante Bewerber ansprechen – ohne dafür einen Headhunter engagieren zu müssen. Für einen Spezialfall hat Kleinhammer auch schon vorgesorgt: „Sollte der Bewerber von einem der am Netzwerk beteiligten Unternehmen sein, oder er hat sich dort bereits beworben, kann er anklicken, dass seine Bewerbung für dieses Unternehmen nicht sichtbar sein wird.“ Ansonsten bewirbt er sich mit der Hochladung bei allen Unternehmen gleichzeitig.

Der Lebenslauf steht bei den Bewerbungen im Fokus. Ein Anschreiben sei nicht notwendig, sagt Kleinhammer: „Denn gerade die Sache mit dem Anschreiben vergrault so manchen Bewerber.“ Es gebe lediglich ein Textfeld mit nicht mehr als 500 Zeichen, wo die Kandidaten noch etwas schreiben können, wenn sie denn wollen – es müsse aber nicht sein. Kleinhammer vermutet, dass Jobportale wie seines aufgrund der derzeit erwarteten Konjunkturlage wichtiger werden könnten. Dann nämlich, wenn Unternehmen mangels ausbleibender und wegfallender Aufträge Entlassungen aussprechen müssen.

Wenn sich ein Bewerber auf Empfehlung eines Unternehmens anmeldet, erhält der Betrieb eine Prämie. „Die kann er annehmen, oder wir spenden das Geld am Ende des Jahres für einen wohltätigen Zweck“, sagt der Bremer. Wenn ein Unternehmen über das Netzwerk fündig geworden ist und einen Bewerber einstellt, bekommt Kleinhammer eine Provision. Nach Ende der Probezeit gibt es eine weitere.

Sein Büro hat Björn Kleinhammer mitten im Bremer Zentrum an der Baumwollbörse. Der Bereich Mitarbeitergewinnung ist für ihn nicht neu. In der Vergangenheit arbeitete er im Vertrieb, als Unternehmensberater und Personal Profiler. Bei seinem Netzwerk ging es ihm auch darum, Fachkräfte in der Region zu gewinnen und sie hier zu halten. Er lacht und sagt: „Damit bin ich mit meinen 52 Jahren ein Start-up-Gründer.“

Auf digitalen Kanälen wie Instagram rührt Kleinhammer bereits die Werbetrommel unter dem Motto #lassdichentdecken. Und aus dem Ein-Mann- ist inzwischen ein Drei-Mann-Unternehmen geworden, weil das Netzwerk für einen allein zu viel Arbeit geworden ist.

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