Anbindung der Überseestadt Wirtschaftsbehörde plant Seilbahn in Bremen

In der Wirtschaftsbehörde gibt es Überlegungen für eine Seilbahn. Diese könnte Pendler und Touristen von Gröpelingen über die Waterfront bis hin zum Waller Sand und die Haltestelle Europahafen bringen.
31.01.2019, 16:50
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Wirtschaftsbehörde plant Seilbahn in Bremen
Von Maren Beneke

Im Wirtschaftsressort gibt es Überlegungen, den Verkehr in der Hansestadt über den Bau einer Seilbahn zu entlasten. Nach Angaben von Wirtschaftsstaatsrat Ekkehart Siering (SPD) sieht eine erste Idee vor, das Straßenbahndepot Gröpelingen mit der Waterfront, dem Waller Sand und der Haltestelle Europahafen zu verbinden. Eine Machbarkeitsstudie, die das Ressort am liebsten schon im März auf den Weg bringen möchte, soll den idealen Streckenverlauf und vor allem die Rentabilität – auch gegenüber den Kosten einer möglichen neuen Straßenbahnverbindung – aufschlüsseln. Eine Vorabaufstellung hat ergeben, dass der Bau der Verbindung inklusive der Stationsgebäude preislich bei etwa 75 Millionen Euro liegen könnten.

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„Eine Seilbahn hat viele Vorteile“, sagt Siering. Allen voran offenbar die Kosten: Das Ressort geht davon aus, dass eine Seilbahn günstiger gebaut werden kann als eine Straßenbahnverbindung – wie sie zuletzt unter anderem vom Grünen-Abgeordneten Robert Bücking für die Europahafen-Halbinsel ins Spiel gebracht wurde –, und dass sich ein solcher Bau im Vergleich auch schneller rentieren dürfte. Die Betriebs- und die Energiekosten sind laut Staatsraat Siering deutlich niedriger.

Hamburg hatte gegen eine Seilbahn gestimmt

Vorbilder für die Idee sind in Deutschland bereits vorhanden. Unter anderem in Berlin: Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf gibt es seit der Internationalen Gartenschau eine Seilbahn. Im vergangenen Jahr hatten die Sozialdemokraten dort angeregt, die Bahn in das Netz des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg, also in den öffentlichen Personennahverkehr, zu integrieren. In Hamburg hatte dagegen vor fünf Jahren die Mehrheit in einem Bürgerentscheid gegen eine Seilbahn über die Elbe gestimmt. Im Frankfurter Raum gibt es ganz aktuell Überlegungen, ob das Verkehrsmittel genutzt werden könnte, um Staus und überfüllte Bahnen zu umgehen: Erst am Mittwoch hatte der Chef des Rhein-Main-Verkehrsverbunds eine entsprechende Idee öffentlich gemacht.

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Ähnlich stellt sich das auch der Bremer Staatsrat vor: eine Seilbahn integriert in das Netz der Bremer Straßenbahn AG, die am Ende vor allem den Verkehr entlasten soll, aber auch für Touristen neue Perspektiven etwa über den Hafen bringt. Dafür könnten unter anderem die möglichen Stationen sorgen: An der Endhaltestelle Gröpelingen laufen die Straßenbahnlinien 2,3 und 10 zusammen, dazu kommen die Busse, die unter anderem Bremen-Nord anbinden. Für Pendler, die über Gröpelingen in die Stadt kommen, würden sich die Parkplätze an der Waterfront anbieten. Dort könnten sie ihre Autos stehen lassen und dann mit der Seilbahn in Richtung Überseestadt weiterfahren. Die Zeitersparnis bis zur Zech-Zeile am Europahafen im Vergleich zur Straßenbahn, so hat es die Behörde ausrechnen lassen, könnte am Ende bei bis zu drei Minuten liegen.

Was für die Seilbahn spricht

Ein weiteres Argument pro Seilbahn ist nach Angaben von Siering, dass diese in kurzer Zeit eine entsprechende Höhe gewinnen kann. Demnach müsste das Verkehrsmittel 60 Meter über das Hafenbecken kommen, damit Schiffe den Holz- und Fabrikenhafen weiterhin ungestört anlaufen können. Nach einem Stopp am Waller Sand könnte, so die Idee, die Strecke entlang der Eduard-Suling-Straße vorbei an der Hochschule für Künste und Schuppen XI führen, sodass die Wohnbebauung im südlichen Teil des Überseehafens nicht davon beeinträchtigt wäre. Zudem sei eine Seilbahn leiser als eine Straßenbahn und werde elektrisch betrieben. Je nach Seilbahnart können demnach bis zu 6000 Menschen pro Stunde durch das Verkehrsmittel bewegt werden.

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Der Zeitplan, den das Wirtschaftsressort vorsieht, ist eng getaktet. Die Wirtschaftsdeputation soll nun über die Machbarkeitsstudie entscheiden. Im März könnte die Studie dann in Auftrag gegeben werden. Vorplanungen und Bau, so rechnet die Behörde, werden mit etwa eineinhalb Jahren veranschlagt – was den Angaben zufolge im Vergleich zur Straßenbahn ebenfalls sehr schnell wäre. Sollte am Ende tatsächlich entschieden werden, dass eine Seilbahn gebaut wird, würde wegen der Baukosten, so sehen es die Richtlinien vor, europaweit ausgeschrieben.

Die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Seilbahn sind in Bremen übrigens schon vor 15 Jahren geschaffen worden. Weil damals eine europäische Richtlinie umgesetzt werden musste, verabschiedete die Große Koalition 2004 das Bremische Seilbahngesetz.

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