Jugendliche des Gymnasiums Horn diskutieren mit Experten über die Herausforderung des Entscheidens Wissen, was sie wollen

„Kein realer Mensch kann wirklich ein Traumpartner sein.“ Svantje Guineber, Universität Bremen Horn-Lehe.
02.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jutta Barth

Lässt sich der Traumpartner oder der Traumberuf selbstbestimmt wählen? Wie frei sind wir in unseren Entscheidungen? Fragen, denen sich sich Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Horn im Universum Bremen widmeten. Zu Gast waren Svantje Guinebert vom Fachbereich Philosophie der Universität Bremen und Professor Arvid Kappas vom Fachbereich Psychologie der Jacobs Universität.

Sie seien schon ein wenig aufgeregt, verraten Wladimir Zhuleha und Amrei Meggers aus Horn-Lehe. Stellvertretend für den elften Jahrgang ihrer Schule stellen sie die Gäste vor. Über drei Monate lang haben sie im Team mit ihren Mitschülern und Lehrern das Projekt „Science Café“ vorbereitet. Das Konzept startete im vergangenen Jahr als Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit dem Universum Bremen. Es sieht vor, dass die Jugendlichen innerhalb eines Schulhalbjahres möglichst in Eigeninitiative die Veranstaltung planen, organisieren und durchführen. Außerdem setzen sie sich mit akademischen Fragen auseinander. Sie fertigen kleine wissenschaftliche Arbeiten an, die als Übung für die spätere Projektarbeit und letztlich für die Abiturprüfungen dienen.

Nach dem Besuch der Sonderausstellung im Universum „ENTSCHEIDEN. Eine Ausstellung über das Leben im Supermarkt der Möglichkeiten“, war schnell das Thema gefunden: Traumpartner – Traumberuf; wie frei kann ich mich entscheiden? Nach der Begrüßung übernehmen Armin Aodiji aus Horn-Lehe und Lynn Weiß aus Oberneuland die Moderation. „Was macht einen Traumpartner aus?“, ist eine der ersten Fragen. „Kein realer Mensch kann wirklich ein Traumpartner sein, wie er in der Werbung dargestellt wird“, antwortet Svantje Guinebert vom Fachbereich Philosophie der Universität Bremen. Aus philosophischer Sicht sei es so, dass man sich seinen Partner „zusammenträumt“. Ein Partner könne die Aufgabe eines Traumpartners nie vollkommen erfüllen. Wichtig sei es, in „öden und langweiligen Zeiten“ einer Partnerschaft zusammenzuhalten, so Guinebert.

In einem gemeinsamen Moderations-Workshop mit Moderator Roland Kanwicher haben die Gymnasiasten zuvor die Grundlagen der Moderation kennengelernt. Armin und Lynn haben eine lange Liste mit Fragen vorbereitet. Auf die Frage, ob man bei der Partnerwahl mit dem Bauch oder mit dem Kopf entscheidet, erklärt Arvid Kappas vom Fachbereich Psychologie der Jacobs Universität: Beides sei nicht direkt voneinander zu trennen. Auch wenn der Experte einräumt, dass grundsätzlich gelte: „Der Verstand ist Sklave der Leidenschaft“. Entscheidungen des Kopfes und des Bauches passen meistens zusammen, meint Kappes. Er erklärt, dass an dem allgemein bekannten Satz „Jemanden gut riechen können“ etwas dran sei. Das hätte biologische Gründe und hänge mit dem Immunsystem zusammen. Und weiter: „Menschen mögen andere Menschen, die ihnen nicht ähnlich sind“, erklärt der Wissenschaftler. Auch die Attraktivität eines Menschen hätte Einfluss auf die Partnerwahl, wobei die Geschlechter sich unterschiedlich wahrnehmen würden. Bei Frauen hänge es zum Beispiel vom Zeitpunkt des weiblichen Zyklus ab, ob sie sich für Männer mit markanten männlichen Gesichtszügen oder eher dem „Babyface“ entscheiden würden.

Bei der Wahl des Berufes sei es ähnlich wie bei der Partnerwahl. Auch hier seien es eher die Vorstellungen und Wünsche, die aus einem Beruf den Traumberuf machen, erklärt Svantje Guinebert. Hinzukäme der Zeitpunkt, an dem man von seinem Wunschberuf träumt. Ein Besucher aus dem Publikum erklärt dazu eine Geschichte: Sein Traumberuf sei Schiffskapitän gewesen. Dass er sich diesen Traum nie erfüllte, hatte einen einfachen Grund: Er lernte seine Traumfrau kennen, die wiederum keinen Partner haben wollte, der ständig auf See sei. So musste er sich entscheiden.

Wie entscheiden Jungen, wie entscheiden Mädchen? Machen Traumpartner und Traumberuf glücklich? Diese und viele weitere Fragen zum Thema Entscheidungen wurden im Universum diskutiert. Wenn es auch nicht auf alle Fragen eine hundertprozentige Antwort gab, lernten Amrei, Wladimir, Lynn und Armin doch eines: Die Träume der Menschen sind so individuell wie die Menschen selbst.

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