Restaurantbesprechung

Wo Altes auf Modernes trifft

Das Toshido ist eine der besten Sushibars. Alles bereitet der Koch in dem winzigen Restaurant vor den Gäste zu. Der Service ist freundlich, könnte sich aber aufgrund der wenigen Plätze noch intensiver kümmern.
26.06.2019, 19:53
Lesedauer: 3 Min
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Wo Altes auf Modernes trifft
Von Marcel Auermann
Wo Altes auf Modernes trifft

Ein Koch bereitet Sushi im Toshido zu.

Christina Kuhaupt

Vorsicht, wer in diesem Sushi-Restaurant einen Happen essen möchte, muss reservieren. Jetzt im Sommer stehen noch zusätzlich drei kleine Tischchen in der engen Gasse des Schnoor. Aber wenn es zu kalt ist, um draußen zu essen, gibt es im Lokal selbst nur etwa zwölf Plätze, die alle rund um die Theke angeordnet sind, hinter der der Koch die Gerichte zubereitet.

Wenn in dem kleinen, nein: winzigen, Laden alle Stühle besetzt sind, ist er rappelvoll und die Kellnerin muss schauen, wie sie die Platten und Suppenschalen unfallfrei durch die Gänge jongliert. Dennoch: Das Toshido ist ein modernes, stylishes Restaurant mit einer Fensterfront, durch die der Gast die Flaneure beobachten kann, und mit einer großen Spiegelfront, die der Enge zumindest optisch Größe verleiht. Durch indirektes, farbiges Licht und Kerzen entsteht ein großstädtisches Flair mitten im schnuckeligen und ältesten Viertel der Stadt.

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Die Karte ist klein, beschränkt sich auf zwei Suppen, wenige Sashimi, Nigiri-, Maki- und zwölf Sushi-Varianten, die wenige Tagesangebote noch anreichern. Meine Begleitung stieg mit einer Miso-Suppe (4,50 Euro), die in einer Holzschale mit Deckel an den Tisch kam, ein. Wir mögen es kräftig, weshalb uns der Fond etwas zu lasch erschien. Bedeutend herzhafter und um Längen besser schmeckte mir meine Tom-Yum-Suppe (8,50 Euro), die einen Teil ihrer Würze auch aus der Säure zog. Zwei große, knackige Garnelen komplettierten den Genuss.

Als Hauptgang bestellten wir zwei unterschiedliche Sushi, die wir in die Mitte stellen ließen, damit wir beide davon schnabulieren konnten. Frischer, hauchdünn geschnittener Ingwer und Wasabi kamen mit den Speisen. Die Sunset-Rolls (13 Euro) bestachen durch einen Lachs, der so frisch war, dass er cremig auf der Zunge zerging. Mango, Thai-Spargel, Apfel und Wasabi-Sesam-Soße gaben den Reisröllchen Kraft.

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Die Soft-Shell-Crabs (14,50 Euro) überwältigten uns und gehörten zu unseren Favoriten des Abends. Sie waren in Tempurateig gebacken, Avocadostückchen sorgten für eine buttrige Konsistenz, Koriander und Teriyaki-Soße für Würze. Doch die Krönung war die Spicy-Mayonnaise, eine Mayonnaise mit einem rauchigen Speck-Aroma. Wirklich vorzüglich. Wer braucht da noch Sojasoße?

Pro Portion liegen etwa sechs bis acht Sushi-Röllchen auf der Platte. Klar, dass für ein sättigendes Abendessen da noch eine zweite Runde her musste. Die Flamand-Rolls (14,50 Euro) mit gegrilltem Aal, Avocado, Papaya, Mango, Tobiko und Unagi-Soße gingen in Ordnung. Mehr vom Hocker haute uns aber die Portion New Big Tuna (14,50 Euro). Der Thunfisch hatte eine exzellente Qualität, die Tempura-Garnele sorgte für einen Knusper, Avocado, Chili und Schnittlauch würzten. Abermals machte die Spicy-Mayonnaise das Gericht zu einer Gaumenfreude.

Die Weinauswahl hielt sich in Grenzen. Die Kellnerin bot uns zweierlei Weine des Guts Dr. Koehler im rheinland-pfälzischen Bechtheim an. Wir entschieden uns für einen fruchtigen, leichten Weißen namens Herr Doktor. Das 0,2-Liter-Glas stand mit stolzen 7,50 Euro auf der Rechnung.

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Beim Nachtisch hielt sich die Karte mit einer Crème brûlée und einem warmen Schokokuchen vornehm zurück und an die langweiligen Klassiker. Spannender erschienen uns die Empfehlungen des Tages. Meine Begleitung entschied sich für die lockere, sahnige Grießflammerie an einem Fruchtspiegel (8,50 Euro), die nach einer langen Wartezeit kam. Ich empfand das kräftige Fruchtsorbet (8,50 Euro), das mit einem moussierenden Crémant aufgegossen wurde, als kühlend an dem Sommerabend.

Fazit: Das Toshido ist eine der besten Sushibars in Bremen. Alles bereitet der Koch vor den Augen der Gäste frisch zu. Der Service ist freundlich, könnte sich aber aufgrund der wenigen Plätze noch intensiver kümmern. Lange Wartezeiten verzeiht man da nicht.

Toshido, Schnoor 38, 28195 Bremen, Telefon: 04 21 / 32 66 21, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonnabend von 18 bis 23 Uhr, Donnerstag und Freitag zusätzlich von 12 bis 15 Uhr, barrierefrei, Internet: www.toshi-do.de

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