Corona-Krise

Wo Bremer bei Einsamkeit und Trauer Hilfe finden

Sozialkontakte meiden - das ist keine einfache Situation. Besonders, wenn man in einer schwierigen Lebenslage ist. Welche Hilfen es gibt und wo Sie Seelsorge erhalten können – auch während der Corona-Krise.
20.03.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Wo Bremer bei Einsamkeit und Trauer Hilfe finden
Von Carolin Henkenberens
Wo Bremer bei Einsamkeit und Trauer Hilfe finden

Wegen des Coronavirus findet in den Kirchen kein Gottesdienst mehr statt. Es gibt aber verschiedene Angebote für einen Video-Gottesdienst im Internet.

Oliver Berg /dpa

Zuspruch und Nähe von Mitmenschen ist in der Corona-Krise, in der es gilt, Abstand zu halten, nicht so leicht möglich. Dabei ist gerade in dieser schwierigen Zeit Beistand notwendig. Doch mit seiner Verunsicherung allein bleiben muss niemand. Die Kirchen in Bremen bieten weiterhin Seelsorge an. Ein Überblick, wie und wo Sie ein offenes Ohr finden.

Beerdigungen: Beisetzungen dürfen in Bremen seit Mittwoch nur noch mit gut einer Handvoll Teilnehmenden und nur unter freiem Himmel stattfinden, Trauerfeiern müssen ausfallen, seelsorgerische Trauergespräche finden weitgehend telefonisch statt, wie die evangelische und katholische Kirche in Bremen bestätigen. Allein in den evangelischen Kirchen werden sonst pro Woche im Schnitt 45 Trauerfeiern abgehalten, teilt eine Mitarbeiterin mit. „Wir bieten an, die Trauerfeiern nachzuholen“, sagt Propst Bernhard Stecker. Dies sei etwa möglich beim Sechswochenamt, nach einem Jahr oder auf Wunsch im Sommer. Derzeit könne aber niemand fest zusagen, wann Trauerfeiern wieder erlaubt sind.

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Gebete: Für persönliche Gebete und das Entzünden einer Kerze sind die Bremer Kirchen in der Regel weiter geöffnet, oft allerdings nur zu bestimmten Zeiten. Diese sind der Internetseite der jeweiligen Kirchengemeinde zu entnehmen. Der Bremer Dom beispielsweise ist montags bis sonnabends von 12 bis 14 Uhr geöffnet. Eine besondere Aktion haben sich die Kirchen ebenso überlegt: Ab diesem Sonnabend läuten überall in Bremen täglich um 12 Uhr oder um 18 Uhr – und laden damit zum Beten oder zu einer ruhigen Minute ein. Die Zeiten unterscheiden sich laut der Pressestelle der Evangelischen Kirche Bremen je nach Gemeinde.

Video-Gottesdienste: Wer im Internet zu Hause ist, findet zahlreiche Möglichkeiten, über Video oder per Livestream weiterhin an Gottesdiensten oder Andachten teilzunehmen. Die Evangelische Kirche Bremen kündigt ab Sonntag, den 29. März, um 10 Uhr ein solches Video an (zu finden auf www.kirche-bremen.de/coronaaktuell). Ob die Katholische Kirche in Bremen eine Gottesdienst-Übertragung anbieten wird, sei noch unklar, sagt Propst Stecker. Das Bistum sendet ab dem 22. März regelmäßig Gottesdienste aus dem Dom Osnabrück (www.bistum-osnabrueck.de). Propst Stecker hat ebenso ein Video aufgenommen, in dem er Gläubigen Mut macht (www.kgv-bremen.de). Auf der Website von St. Johann im Schnoor (www.st-johann-hb.de) sollen zudem Audios und Texte von Andachten hochgeladen werden. „Wir haben gerade keine stille Zeit“, sagt Stecker. Die Kirchen überlegen im Eiltempo, wie sie ihre Angebote trotz Coronakrise aufrechterhalten können.

Andacht per Telefon: Menschen, die keinen Internetzugang haben, können die Telefonnummer 0421 / 3650444 wählen und eine Andacht der Evangelischen Kirche anhören.

Gesprächsangebote: Wer um einen verstorbenen Angehörigen oder Freund trauert, sich in einer schwierigen Lebenslage befindet oder einfach mit jemanden reden möchte, kann zum Beispiel jederzeit die Telefonseelsorge unter 0800-111 0 111 und 0800-111 0 222 anrufen. Es ist ein Angebot der Evangelischen und Katholischen Kirchen in Deutschland, richtet sich aber an alle Menschen. Am anderen Ende der Leitung sitzen seelsorgerisch und psychologisch geschulte Ansprechpersonen. Die Nummern gelten bundesweit, Anruferinnen und Anrufer aus Bremen werden jedoch an die hiesige Stelle weitergeleitet.

„Wir stellen bundesweit fest, dass die Zahl der Anrufe in den letzten Tagen stark gestiegen ist“, erzählt der evangelische Pastor Peter Brockmann, der die Bremer Telefonseelsorge leitet. An diesem Mittwoch habe es deutschlandweit 50 Prozent mehr Anrufe gegeben als am gleichen Tag einen Monat zuvor. Mehr als 30 Prozent der Anrufer hätten Sorgen oder Ängste rund um die Corona-Pandemie geäußert. „Häufig war das gekoppelt an das Thema Einsamkeit“, sagt Brockmann. „Menschen haben Angst um ihre Gesundheit, um ihre Eltern, um ihren Arbeitsplatz.“

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Das Bremer Team der Telefonseelsorge bestehe aus 75 Ehrenamtlichen. Sie führen wie Brockmann berichtet über 11.000 Gespräche jährlich. Das Angebot sei anonym, kompetent und rund um die Uhr. „Man muss nicht suizidal sein, um bei der Telefonseelsorge anrufen zu können“, sagt Brockmann. Oft brauche man ja einfach nur ein offenes Ohr, da reichten manchmal schon zehn Minuten Gespräch. Besonders betroffen von der Coronakrise seien Menschen, die ohnehin schon in schwierigen Lebenssituationen seien, etwa weil sie erwerbslos sind und ihnen jetzt zusätzlich Kontaktmöglichkeiten im Verein oder beim Sport fehlten. Die Telefonseelsorge hofft, trotz Corona-Pandemie weitermachen zu dürfen, sagt Brockmann. Heimarbeit sei für die Ehrenamtlichen nicht möglich, da jemand mithören könnte und dann die Anonymität der Anrufer nicht gewährleistet sei.

Tipps für alle: Propst Stecker rät: „Man kann überlegen: Bei wem könnte ich mich mal wieder melden?“ Alte Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder, die man lange nicht gesehen hat, würden sich über einen Anruf freuen – und man selbst fühle sich nicht mehr so einsam. „Dass ich das Gefühl habe, jemand denkt an mich, ist schon was anderes.“ Im Übrigen seien auch Jüngere oft allein. Kein guter Tipp sei im Moment, irgendwo hinzugehen, um Kontakt zu finden. Brockmann schlägt vor, in Zeiten von Corona den Nachrichten- und Informationskonsum zu beschränken. „Wenn man pausenlos darüber liest, tut das in der Regel nicht gut“, sagt der Pastor. Entspannungsübungen oder ein schöner Film könnten ebenso helfen, mit der Situation umzugehen.

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