Europäisches Förderprogramm hat seit 2007 gut 22 Millionen Euro nach Bremen-Nord fließen lassen Wo der Norden von Europa profitiert

Es gibt sie in Bremen-Nord fast überall: Firmen, Initiativen und touristische Attraktionen, die nur entstanden sind, weil seit über 20 Jahren Steuergelder aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) geflossen sind. Manchmal freilich auch in Pleiteprojekte, wie die Insolvenz der BBV zeigt.
03.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald

Es gibt sie in Bremen-Nord fast überall: Firmen, Initiativen und touristische Attraktionen, die nur entstanden sind, weil seit über 20 Jahren Steuergelder aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) geflossen sind. Manchmal freilich auch in Pleiteprojekte, wie die Insolvenz der BBV zeigt.

EFRE ist das wichtigste Instrument der Europäischen Union zur „wirtschaftlichen und sozialen Förderung strukturschwacher Regionen“. 142 Millionen Euro hat der Europäische Rat für Bremen und Bremerhaven im Zeitraum von 2007 bis 2013 bewilligt. Geld, das durch Landes- und private Mittel ergänzt worden ist, so dass die gesamte Fördersumme bei knapp 322 Millionen Euro liegt. Bremen-Nord wurde mit rund 22,2 Millionen Euro beglückt.

Ohne EFRE, sagen Experten und Kommunalpolitiker, wäre der sogenannte Masterplan „Bremer Wollkämmerei“ gar nicht zu realisieren. Nach 119 Jahren war das Unternehmen 2007 von der Börse genommen und 2009 geschlossen worden. Es hinterlässt eine Industriebrache, auf der neue Gewerbebetriebe mit attraktiven Arbeitsplätzen entstehen sollen. Mehr noch: Marktplatz, Landrat-Christians-Straße und die sogenannte Ständer-Kreuzung sollen mit dem BWK-Gelände und der Wasserkante verbunden und das gesamte Quartier aufgewertet werden. An EU- und nationalen Geldern sind bislang rund 9,7 Millionen Euro für dieses ehrgeizige Projekt bewilligt worden. Und vom nächsten Jahr an, wenn der Finanzrahmen für das EFRE-Programm 2014 bis 2020 gezimmert worden ist, rechnen die Verantwortlichen mit weiteren Mittel für den Masterplan.

Skepsis ist jedenfalls angebracht, wenn Zeichen des Aufschwungs im Zentrum Blumenthals gesucht werden. Dafür soll eigentlich ein mit 120 000 Euro ausgestattetes Immobilienstandortmanagement sorgen, eingesetzt im November 2012. Zehn Monate später hat sich am trostlosen Zustand insbesondere in der Mühlenstraße freilich nichts geändert.

Als Beispiel für ein rundum gelungenes Projekt mit EU-Anteil gilt dagegen das 2011 eingeweihte neue Zentrum der SG Marßel. Weil der Verein mit seinem Sportangebot das soziale Gefüge im Ortsteil stabilisiert und Menschen aus anderen Ländern integriert, sind gut eine Million Euro für ein „bewegungs- und gesundheitsorientiertes Quartierszentrum“ zur Verfügung gestellt worden. EFRE-Anteil daran: 474000 Euro.

Nicht weitab von Marßel schlängelt sich durch das Werderland seit drei Jahren ein gelbes Band. Rund 280 000 Euro hat der 3,2 Kilometer lange Wander- und Radweg vom Dunger See bis zur Moorlosen Kirche gekostet, exakt die Hälfte der Summe stammt aus dem europäischen Topf, die andere Hälfte steuerte Bremen bei. Kuriosum am Rande: Weil die Stadtgemeinde 30000 Euro sparen wollte, ließ sie zunächst billige Hochofenschlacke als Wegefestigung auftragen. Mit der Folge, dass Radfahrer ins Schlingern und Spaziergänger ins Stolpern gerieten. Die Schlacke musste durch Spezialkies und ein Natursteingemisch ersetzt werden.

Beteiligung am Denkort

Nicht alle EFRE-geförderten Maßnahmen sind so deutlich wahrzunehmen wie in Marßel oder im Werderland. Die Bremer Unternehmen Phytolutions, Brewa und die Jacobs University zum Beispiel haben hinter verschlossenen Bürotüren ein gemeinsames Projekt für den Umweltschutz entwickelt. Dabei werden Mikroalgen zur Reinigung von Rauchgasen eingesetzt. Zum Beispiel im Heizkraftwerk Blumenthal. Gesamtkosten bisher: gut 800 000 Euro, davon sind etwa 550 000 Euro EFRE-Gelder.

Weithin sichtbar steht der U-Bunker Valentin in der Landschaft. Eines der größten Rüstungsprojekte des faschistischen Deutschlands, für das zwischen 1943 und 1945 Tausende von Zwangsarbeitern aus ganz Europa schuften und ihr Leben lassen mussten. Mit Hilfe eines Gedenkstättenkonzept soll die monströse Betonruine zum „Denkort Bunker Valentin“ werden. Und aus dem Europäischens Fonds wird ein multimediales Informationssystem im Außenbereich des Bunkers bezuschusst. Die Kosten in Höhe von 396 000 Euro teilen sich Bremen und Brüssel.

Dagegen müssen Gelder in Höhe von rund 3,3 Millionen Euro abgeschrieben werden, die in das Schaufenster Bootsbau gesteckt worden sind. Nach der Insolvenz der BBV will die Wirtschaftsförderung den roten Aussichtsturm und das Außengelände samt Bootslehrpfad immer noch als Erlebnisfläche für Touristen vermarkten. Bislang hat man allerdings vergeblich nach einem Betreiber Ausschau gehalten.

Gleichwohl bleibt das EFRE-Programm für Bremen auch künftig das wichtigste Instrument zur Regionalförderung, betont Holger Bruns, Sprecher von Wirtschaftssenator Martin Günthner. Allerdings wird das Fördervolumen für den Zeitraum 2014 bis 2020 geringer ausfallen. Das kleinste Bundesland rechnet nach Bruns Worten mit etwa 100 Millionen Euro an EFRE-Mitteln. Was allerdings nicht automatisch bedeuten müsse, dass der Kuchen für Bremen-Nord kleiner werde, so Bruns.

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