Für Kinder

Wo die Weihnachtshilfe ankommt

Während all der Jahre, in denen es die Weihnachtshilfe gibt, hat es viele berührende Schicksale gegeben. Hier lesen Sie von einigen.
16.11.2018, 20:18
Lesedauer: 3 Min
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Wo die Weihnachtshilfe ankommt
Von Frauke Fischer

Während all der Jahre, in denen mit Spenden aus der Weihnachtshilfe das Leben und vor allem die Adventszeit für Kinder aus schwierigen Verhältnissen ein wenig heller wurden und werden, hat es viele berührende Schicksale gegeben. Sie bleiben auch uns Redakteurinnen und Redakteuren oft lange in Erinnerung. Die Namen der Geschilderten wurden auf Wunsch geändert.

Großes Elend hat beispielsweise der berufstätige Vater Peter O. erfahren. Von einem Tag auf den anderen sollte er allein mit seinen beiden Jungs zurechtkommen. Seine Frau war nicht vom Einkauf zurückgekehrt, ein Herzanfall. Das Leben musste neu geordnet werden. Der Vater entschied sich, nur noch halbtags und nicht mehr im Schichtdienst zu arbeiten. Die Sozialbehörde stand ihm zur Seite. „Alles stürmt auf mich ein“, sagte der Vater damals.

„Ich weine oft still vor mich hin, aber wenn einer der beiden ins Zimmer kommt, höre ich auf. Die Jungs sollen doch keinen traurigen Papa sehen.“ Die Erdgeschosswohnung im Bremer Westen war gepflegt, das Laminat frisch verlegt, alles aufgeräumt. Kurz vor ihrem Tod hatte seine Frau das Kinderzimmer dekoriert, mit Sternen an der blau gestrichenen Decke, die im Dunkeln leuchten. Die Weihnachtshilfe sorgte dafür, dass es trotz allen Elends für die Jungen ein Fest geben konnte.

Kein richtiges Weihnachtsfest ohne Weihnachtshilfe

Den Schmerz um den plötzlichen Tod ihres Mannes konnte auch die Weihnachtshilfe einer jungen Mutter nicht nehmen. Doch die Spendenaktion trug dazu bei, dass ein paar Dinge im Alltag wenigstens für kurze Zeit ein wenig leichter wurden. Ähnlich empfand eine Bremerin die Hilfe; sie konnte wegen einer schweren chronischen Krankheit nicht mehr in ihrem erlernten Beruf arbeiten. Sie war zum Nichtstun verdammt und konnte der kleinen Tochter kaum Wünsche erfüllen. Das Geld aus der Weihnachtshilfe sorgte für bessere Tage.

Eine Studentin der Uni Bremen hatte überhaupt nicht mit Spenden gerechnet. Durch Zufall erfuhr die Mutter einer kleinen Tochter von der Aktion. Erstmals sollte das Kind, das gerade aus dem Babyalter heraus war, ein richtiges Weihnachtsfest erleben. Ohne die Weihnachtshilfe wäre das nicht möglich geworden.

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Ein anderer Fall, der noch nach vielen Jahren im Gedächtnis hängen geblieben ist, ist das Schicksal einer Frau, deren Mann plötzlich starb. Zwei Kinder litten unter dem furchtbaren Verlust. Sie waren bis zum Tod des Vaters eine kleine glückliche Familie, versicherte die Ehefrau damals. Ihr Mann hatte für den Lebensunterhalt gesorgt. Sie kümmerte sich um Kinder und Haus. Als ihr Mann nicht mehr da war, brach das Idyll auseinander. Auch wenn eine Rente für das Nötigste sorgte, blieb für Sonderausgaben wenig übrig. Die Spende für ein paar Weihnachtsgeschenke sollte in der Situation wenigstens den Kindern für einige Momente helfen, ihren Verlust in den Hintergrund zu drängen.

Es sind aber nicht nur leibliche Eltern, die etwas für ihre Kinder besorgen möchten: Da ist das Ehepaar, das nach dem Auszug der erwachsenen Söhne noch Pflegekinder aufnahm, wenn die Mütter oder Väter überfordert, schwer krank waren. Oder ein anderer Fall: Eine Mutter hatte sich strafbar gemacht und kam in die Justizvollzugsanstalt. Die Leiterin der Vollzugsanstalt, damalige Ehefrau von Bürgermeister Jens Böhrnsen, setzte sich für Spenden aus der Weihnachtshilfe ein. Sie berichtete auch von den Zuständen, unter denen die Kinder mit ihrer Mutter gelebt hatten – Junge und Mädchen schliefen auf Matratzen auf dem Fußboden. Möbel gab es nicht, stellten die Behördenmitarbeiter bei der Kontrolle fest.

Das Leben etwas erleichtern

Noch eine besondere Hilfe hat lange bei Spendern nachgewirkt: Ein älteres Ehepaar aus der Neustadt hatte die Patenschaft für eine junge Mutter mit kleinem Sohn übernommen. Und wie eine Ausbildung auch mit Baby klappen kann, hat Verena S. gezeigt. Die junge Frau war 19 Jahre alt, als sie beschloss, die eigene Ausbildung nicht zurückzustellen. Sie wollte so schnell wie möglich selbst für sich und die Kleine sorgen.

Auch hier konnte die Weihnachtshilfe Gutes bewirken – wie in vielen ähnlichen Fällen, in denen Erwachsene den Kindern mit Geschenken eine Freude machen oder andere Extraausgaben übernehmen, die deren Leben etwas erleichtern. Damit das Geld auch da ankommt, wo es hin soll, müssen die Ausgaben mit Quittungen nachgewiesen werden.

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