Wildtier in Bremen

Wo ist eigentlich der Wolf geblieben?

2017 ist der Wolf erstmals in Bremen gesichtet worden. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Was hat sich seitdem verändert und hat sich das Wildtier bereits in diesem Jahr in der Stadt gezeigt?
22.04.2018, 19:21
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Wo ist eigentlich der Wolf geblieben?
Von Kristin Hermann
Wo ist eigentlich der Wolf geblieben?

Bremens neue Wolfsberaterinnen: Annette Siegert (links) und Sonja Herrmann.

Frank Thomas Koch

Es ist der 28. Januar 2017: Mehrere Anwohner beobachten, wie ein vermeintlicher Wolf das Gewerbegebiet Haferwende in Richtung Lilienthal verlässt. Das nächste Mal wird das Wildtier in den Wiesen hinter dem Lehester Deich gesehen. Es wird nicht das letzte Mal an diesem Tag bleiben, dass der Wolf auf Menschen trifft. Einem Jäger gelingt sogar ein Foto – quasi das Beweisstück, dass das Tier tatsächlich dort war. Es ist der Tag, an dem die Geschichte von Bremen und dem Wolf beginnt.

Mehr als ein Jahr später stehen an dieser Stelle Annette Siegert und Sonja Herrmann. Die beiden Frauen sind Bremens neue Wolfsberaterinnen. Seit den Vorfällen im vergangenen Jahr hat sich einiges getan. Die ehrenamtlichen Positionen von Siegert und Herrmann gehören dazu. Sie sollen vor allem die Beratung von Landwirten übernehmen und im Fall der Fälle zur Stelle sein, wenn ein Wolf tatsächlich einmal ein Nutztier der Bauern reißen sollte.

Lesen Sie auch

Seit einiger Zeit ist es allerdings ruhiger um das Raubtier und Bremen geworden. Doch das liegt nicht etwa daran, dass keine Wölfe mehr den Weg in die Stadt finden. Anders als 2017 ist es in diesem Jahr bisher bloß noch niemandem gelungen, ein Foto davon zu machen. Die Wolfsberaterinnen und die Umweltbehörde stufen zwei Sichtungen in diesem Jahr jedoch trotzdem als wahrscheinlich ein, bei zwei weiteren Meldungen habe es sich voraussichtlich um einen Hund gehandelt.

Dokumentiert hat das die Landesjägerschaft Bremen. Vizepräsident Marcus Henke hat alles auf der Internetseite der Landesjägerschaft festgehalten. Zwar übernimmt Henke keine offizielle Funktion im Zusammenhang mit dem Wolf, doch der Jäger hatte sich bereits im vergangenen Jahr häufig hervorgetan, weil er oft schneller als die Behörden von möglichen Sichtungen erfahren hatte.

"Versuchen, ein Foto von dem Wolf zu machen"

Eine davon soll es demnach Ende Januar an der Grenze zwischen Borgfeld und Lilienthal gegeben haben, eine andere am Neujahrstag in unmittelbarer Nähe zu einem Hotel in der Schleife der Autobahnabfahrt Sebaldsbrück der A 27. Bei beiden Vorfällen handelt sich allerdings bisher nur um sogenannte C 3-Nachweise, also reine Beobachtungen.

„Für unsere Arbeit ist es deshalb sehr wichtig, dass die Leute versuchen, ein Foto von dem Wolf zu machen“, sagt Sonja Herrmann. Die Beraterinnen appellieren, jede Sichtung oder Spur umgehend bei der Behörde oder bei ihnen zu melden. Bei einer drohenden Gefahr durch das Tier sei allerdings die Polizei der bessere Ansprechpartner.

Lesen Sie auch

Herrmann ist Tierärztin und war bis zur Schließung in einem Bremer Schlachthof im Veterinärdienst beschäftigt. Als Spezialistin für Großtiere ist sie im Umgang mit Nutztieren erfahren. Sie selbst wohnt in Cuxhaven – dort, wo der Wolf schon lange angekommen ist und unter Landwirten zum Teil für Ärger sorgt. In Niedersachsen gibt es derzeit etwa 150 Wölfe und 15 Wolfsrudel. „Mich hat das Thema seitdem nicht mehr losgelassen“, sagt Herrmann. Deshalb habe sie sich auch bei der Umweltbehörde gemeldet.

Bei Annette Siegert lief es etwas anders. Sie ist Mitarbeiterin beim Naturschutzbund Bremen (Nabu) und dort in der Umweltbildung und als Wolfsbotschafterin tätig. Sie beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit dem Thema und führt unter anderem Projekte mit Schulklassen durch.

Die Behörde hat sie deshalb direkt angesprochen. „Mir geht es vor allem darum, dass man über das Tier aufklärt. Man sollte es nicht skandalisieren, aber muss auch über mögliche Gefahren aufklären“, sagt sie. „Wir müssen den Wolf schlicht und ergreifend als das sehen, was er ist: Ein Wildtier. Nicht mehr und nicht weniger“

Integration in Niedersachsens Wolfsmonitoring

Beide haben ihr Wissen über den Wolf in Fortbildungen vertieft, unter anderem im Wolfcenter Dörverden und bei Wolfsberatern in der Region. Dass sich in der nächsten Zeit ein Wolfsrudel in Bremen ansiedelt, halten die Expertinnen für unwahrscheinlich. Jedoch sollten sich die Bremer daran gewöhnen, dass vor allem Jungtiere auf ihrer Wanderschaft die Stadt immer mal wieder kreuzen werden.

Weil sich ein eigenes Wolfskonzept nicht lohnt, arbeitet Bremen in Sachen Wolf verstärkt mit Niedersachsen zusammen. Diese Kooperation wolle man in den kommenden Monaten noch verstärken, kündigt Henrich Klugkist an, der beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr mit dem Thema betraut ist. Unter anderem sollen Bremen und Bremerhaven noch dieses Frühjahr in das Wolfsmonitoring von Niedersachsen integriert werden.

Lesen Sie auch

Dort lässt sich für den Bürger genau nachvollziehen, wann welcher Wolf wo gewesen ist und ob er in dem Gebiet bereits andere Tiere angegriffen hat. Diese Informationen könnten gerade für Landwirte von Interesse sein. Bremen befindet sich laut Umweltbehörde derzeit in der Abstimmung eines Entwurfes, wie landwirtschaftliche Schäden durch den Wolf in Zukunft geregelt werden sollen. „In den meisten Fällen gibt es Billigkeitsleistungen, wenn ein gewisser Grundschutz vorhanden ist“, sagt Klugkist.

Einen wolfssicheren Zaun will Bremen voraussichtlich nicht zur Regel machen. Inwieweit man Ausnahmen von der Zaunbestimmung machen könne, etwa weil das Gebiet drum herum einen Schutz nur schwer zulässt, sei momentan noch nicht abschließend geklärt. Über die verschiedenen Präventionsmaßnahmen sollen dann auch die Wolfsberaterinnen informieren.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+