Zehn Jahre Lerngarten Netzwerk: Gemeinsam mit Kleingärtnern werden Parzellen bewirtschaftet Wo Kinder die Natur kennenlernen

Klar, auch die Erbsen aus dem Supermarktregal müssen irgendwo gewachsen sein. Eine Ahnung von der Natur und was aus ihr hervorgeht bekommen Vorschulkinder seit zehn Jahren in den Lerngärten verschiedener Kleingartenvereine. Der bundesweite Tag des Gartens hat die nutzbringende Kooperation von Kleingartenvereinen und Kindertagesstätten in den Mittelpunkt gestellt.
16.06.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Wo Kinder die Natur kennenlernen
Von Frauke Fischer

Klar, auch die Erbsen aus dem Supermarktregal müssen irgendwo gewachsen sein. Eine Ahnung von der Natur und was aus ihr hervorgeht bekommen Vorschulkinder seit zehn Jahren in den Lerngärten verschiedener Kleingartenvereine. Der bundesweite Tag des Gartens hat die nutzbringende Kooperation von Kleingartenvereinen und Kindertagesstätten in den Mittelpunkt gestellt.

Fast 17 000 Mitglieder – nicht zu vergessen ihre Familienangehörigen – gehören zum Landesverband der Gartenfreunde in Bremen. Der bundesweite Tag des Gartens ist jedes Jahr ein Anlass, besondere Leistungen, gute Projekte und Ideen aus dem großen Kreis der aktiven Freizeitgärtner hervorzuheben. Beispielsweise das Lerngarten Netzwerk. Quer über das Stadtgebiet verteilt haben sich Kitas und Kleingartenvereine zusammengefunden, damit die einen von den anderen lernen können. Und zwar ganz praxisnah.

Zweimal die Woche kommen Wissbegierige aus dem Kinder- und Familienzentrum Bispinger Straße beispielsweise zu Sabine Kuntze in den Gartenverein Tannenberg, erzählt die engagierte Kleingärtnerin. Von März bis Oktober beschäftigen sich die Mädchen und Jungs bei Wind und Wetter mit all dem, was Natur ausmacht. Sie hängen Netze in Watte und schauen zu, wenn Meisen anfangen, daran zu zupfen, um Nester zu bauen. Sie sind begeistert, wenn „Mama Kartoffel“ unter der Erde viele Kinder hervorbringt, die sich je nach Sorte zwischen Sommer und Frühherbst ernten und dann essen lassen. Sie stellen Regenwurmerde her, legen Erbsen, Bohnen, Mais oder Sonnenblumenkerne in die Erde, basteln Bienen-Tankstellen und besuchen das selbst angelegte Wildbienen-Hotel.

„Mit Theorie kann man in dem Alter wenig anfangen“, sagt Sabine Kuntze. „Aber wenn sie sehen, wie etwas funktioniert, sind die Kleinen voll dabei. Es entwickeln sich ganz tolle Gespräche.“ Zum Beispiel über die Frage, woher die Erbsen im Supermarktregal eigentlich kommen. Ob die Verkäuferin sie angebaut, geerntet und in Dosen gefüllt hat? Oder womöglich eher ein Bauer, der ein großes Feld damit bestellt?

Angefangen hat im Kleingartenverein Tannenberg alles mit einer Wiese mit hohem Gras, erinnert sich Sabine Kuntze. Das ist neun Jahre her, das verwilderte Areal längst ein Ort mit gut bestellten Beeten und allerlei kindgerechtem Gartenangebot, sogar mit einem Häuschen darauf. Ähnlich haben auch andere Vereine ihre Gärten für Kitas oder Schulen geöffnet. Etwa der Kleingärtnerverein Neuenland, der vor neun Jahren eine Kooperation mit der Grundschule Alfred-Faust-Straße eingegangen ist, wie Susanne Jahn aus dem Vorstand erzählt. Kartoffeln, Bohnen und Zucchini würden dort geerntet.

Gartenfreunde, Pädagogen, Kinder und Eltern sind überall in den Lerngärten gemeinsam aktiv. Diejenigen, die länger als fünf Jahre kooperieren, hat Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) im Floratrium zur Eröffnung des Tags des Gartens gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Landesverbands, Bernd Görtler, für ihre guten Kooperationen ausgezeichnet. In dem Umweltbildungszentrum der Gartenfreunde und dessen Lern- und Erlebnisgarten konnten sich kleine und große Garten- und Naturinteressierte am Sonntag aber auch Anregungen für daheim holen oder einfach nur Blütenpracht und Grün genießen. Es gab Führungen durch die Gartenanlage, Speisen und Getränke. Einzelne Projektgruppen hatten Info- und Mitmachstände aufgebaut. Kinder konnten mit Blüten frischer Blumen Postkarten dekorieren oder unter Anleitung aus frisch gepflückten Früchten Erdbeer-Shakes mixen.

„Hauptziel ist die Vorstellung dieser sozialen Projekte und der Austausch darüber. Wir wollen uns nach außen präsentieren“, sagte Bernd Görtler. Am 28. September öffnen die Gartenfreunde ihr Areal in Horn-Lehe erneut für die große Öffentlichkeit. Susanne Jahn: „Die Vorbereitungen für unseren Herbstmarkt fangen schon an.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+