Hauseigentümer ignorieren Pflicht zur Bereitstellung von Spielgeräten

Wo Kinder von Spielplätzen träumen

Die Landesbauordnung ist eindeutig: Wer Mehrfamilienhäuser in bestimmter Größe errichtet, muss auch Spielplätze bauen. In Arbergen, in der Dasbacher Straße und der Wehrheimer Straße, besteht seit Jahren Nachholbedarf.
27.03.2014, 07:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Rainer Kabbert
Wo Kinder von Spielplätzen träumen

Natascha und Malte Sommer warten schon lange darauf, dass ihre Kinder in der Wehrheimer Straße einen Spielplatz bekommen. Am Dienstag hat das Mobil-Team des Vereins Spiel-Landschaft-Stadt zumindest einen kleinen Spiel-Parcours aufgebaut

Petra Stubbe

Die Landesbauordnung ist eindeutig: Wer Mehrfamilienhäuser in bestimmter Größe errichtet, muss auch Spielplätze bauen. In Arbergen, in der Dasbacher Straße und der Wehrheimer Straße, besteht seit Jahren Nachholbedarf. Nun haben Eltern und Kinder genug: Jüngst protestierten sie gegen den illegalen Zustand. Unterstützt werden sie vom Verein Spiel-Landschaft-Stadt aus Horn, der immer dann in Aktion tritt, wenn Rechte der Kinder auf Spiel und Bewegung ignoriert werden.

Dort, wo früher ein Spielplatz war, ist nur noch eine öde Sandfläche. Ein paar mickrige Bänke erinnern daran, dass früher hier Mütter und Väter ihre spielenden Sprösslinge im Blick hatten. In der Wehrheimer Straße in Arbergen wurde vor Jahren ein Spielplatz demontiert, weil er für Kinder mehr Gefahr als Quell der Freude war.

Das trostlose Areal war am Dienstagnachmittag für ein paar Stunden ein lebendiges Gelände. Der Verein Spiel-Landschaft-Stadt kam mit seinem Mobil-Team und lieferte bunte Holzkisten, Bretter und Leitern, aus denen sich Kinder selbst eine Bewegungslandschaft bauen konnten. Das taten sie denn auch. Die Kinder von Natascha Sommer balancieren über Leitern, bauen sich ein Spielgelände, über das sie krabbeln können. Bisher konnten sie von Spielgeräten vor ihrem Haus nur träumen.

Auflagen für Baugenehmigung

Auch die beiden fünf und sieben Jahre alten Töchter von Stefanie Boginski sind dabei. „Es ist ärgerlich, was hier abläuft“, sagt sie. Ständig telefonieren wir hinter denen her, damit sie endlich Spielplätze bauen. Passiert ist nichts.“ Nach ihren Schätzungen gibt es hier zwischen 40 und 50 Kinder im Alter von ein bis 15 Jahren, die auf etwas verzichten müssen, was ihnen nach der Landesbauordnung zusteht.

Das Mobil-Team aus Horn unterstützt Eltern und Kinder in ihrer Forderung, für Kinder in Arbergen Spielplätze zu errichten. Die Bauherren bekamen 1975 für ihre Baugenehmigungen klare Auflagen: In der Dasbacher Straße 26-30 muss der Spielplatz 390 Quadratmeter groß sein, in der Wehrheimer Straße 10-20 sogar 430 Quadratmeter. Präzise hat das Bauordnungsamt vor fast 40 Jahren vorgegeben, was in der Dasbacher Straße sonst noch für die Kinder getan werden müsste: Mindestens 20 Quadratmeter Sandfläche, fünf Sitzbänke, ein Tisch und fünf Spielgeräte. In der Wehrheimer Straße sollte die Sandfläche 24 Quadratmeter groß sein, um die sich sechs Sitzbänke, ein Tisch und sechs Spielgeräte gruppieren. So steht es in den Baugenehmigungen aus dem Jahr 1975.

Davon ist anno 2014 kaum etwas zu entdecken. Jürgen Brodbeck, im Verein Spiel-Landschaft-Stadt zuständig für das Mobil-Team, begleitet die Spielplatz-Initiative schon seit Sommer 2011. Im Juni 2012, sagt er, habe die Eigentümerversammlung sogar Geld für die Errichtung eines Spielplatzes freigegeben. Das Bauordnungsamt, will Brodbeck erfahren haben, sei auch im Kontakt mit der Verwaltung der Eigentümer. Eine Genehmigung für Spielplätze, so die Behörde, sei nicht notwendig. Warum aber gibt es bis heute keinen Spielplatz?

Das Mobil-Team ist seit 1997 unterwegs, unter dem Motto „Spielräume schaffen“ beraten und begleiten sie Elterninitiativen. Die Aktion ist ein Gemeinschaftswerk des Deutschen Kinderhilfswerks und der Bremer Jugend- und Familiensenatorin. Rund 200 Projekte sind nach der Bilanz von Brodbeck bisher mit Geld aus dem Förderfonds „Spielräume schaffen“ unterstützt worden, daneben wurden zahlreiche Elterninitiativen mit Ideen, aber ohne Geld unterstützt.

Jürgen Brodbeck vom Mobil-Team kann sich nicht an viele Fälle erinnern wie den in Arbergen, wo Elterninitiativen so lange um die Spielmöglichkeiten für ihre Kinder ringen: „Nicht selten gibt es Skrupel, gegen den Vermieter vorzugehen.“ Wohnungsunternehmen, sagt Brodbeck, reagierten unterschiedlich auf Forderungen der Eltern. Die Pflicht zum Bau von Spielplätzen gibt es erst für die seit 1973 errichteten Wohnungen. Die Gewoba reagiert nach den Erfahrungen von Brodbeck positiv, wenn Spielplätze gefordert werden: meist freiwillig, weil viele Wohnungen wie etwa in der Vahr vor 1973 errichtet worden sind.

Die Hartnäckigkeit der Eltern und des Vereins Spiel-Landschaft-Stadt scheint zumindest im Fall der Wehrheimer Straße Erfolg zu haben. Die Baubehörde berichtet von Plänen für einen Spielplatz und dem Angebot einer Firma, das die Eigentümer vorgelegt hätten. „Wir geben denen jetzt einige Wochen Zeit, und wenn dann nichts passiert, können wir eine Verfügung erlassen“, kündigt Brigitte Köhnlein an, die Sprecherin von Bausenator Joachim Lohse.

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