Babys besuchen Klassen / Projekt „Roots of Empathy“ wird auf weitere Schulen ausgeweitet Wo Kleine von den Kleinsten lernen

Bremen. Es gibt Schulklassen, in denen reicht ein Lehrer nicht aus, um Kinder zum Zuhören und Mitarbeiten, zum freundlichen Umgang untereinander zu bewegen. Ein kleiner Mensch kann die große Aufgabe offenbar manchmal besser meistern.
15.07.2014, 00:00
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Wo Kleine von den Kleinsten lernen
Von Frauke Fischer

Es gibt Schulklassen, in denen reicht ein Lehrer nicht aus, um Kinder zum Zuhören und Mitarbeiten, zum freundlichen Umgang untereinander zu bewegen. Ein kleiner Mensch kann die große Aufgabe offenbar manchmal besser meistern. Die Erfahrungen, die Beteiligte mit dem Projekt „Roots of Empathy“ in Bremen gemacht haben, sind jedenfalls so gut, dass dieses Programm, das Babys als Mini-Lehrer in Schulen bringt, ausgeweitet wird.

Kern des Projekts: Neunmal im Schuljahr besucht eine Mutter mit ihrem Säugling eine Klasse. Die Schulkinder beobachten das Baby und üben sich darin, daraus Schlüsse für das eigene Miteinander zu ziehen. Das Ziel: Mitgefühl, Einfühlungsvermögen (englisch: empathy), Respekt und soziale Kompetenz unter den Schülern aufbauen, Aggressionen abbauen.

Die Idee stammt von der Pädagogin Mary Gordon aus Kanada. 1996 rief sie das Programm ins Leben, mittlerweile hat es sich in neun Ländern verbreitet, wie die Organisation mitteilt. Mit Hilfe einer Stiftung konnte „Roots of Empathy“ 2012 als Pilotprojekt in Bremen starten. Mittlerweile besuchen Mütter mit ihren Babys fünfte und sechste Klassen in sechs Schulen. Die Oberschulen an der Lehmhorster Straße, an der Hermannsburg, an der Helgolander Straße, am Leibnizplatz, in Findorff und die Wilhelm-Focke-Oberschule sind dabei. Ab Sommer sollen zwei weitere mitmachen, so Monika van der Beek, die als Geschäftsführerin „Roots of Empathy“ in Deutschland weiter verbreiten und Unternehmen als Sponsoren gewinnen möchte. Am 16. Juli feiert van der Beek mit Eltern, Babys, Trainern und Lehrern im Atlantic Grand Hotel das Erreichte: über 450 Schüler hätten in diesem Schuljahr mitgemacht.

Die Bildungsbehörde sei ein wichtiger Partner, betont van der Beek. Lehrer und Schulleitungen, die sich für das Programm bewerben, müssten dahinterstehen.

„Roots of Empathy“ bildet auch Interessierte zu ehrenamtlichen Trainern aus. Und dann sind da noch die Mütter und Väter, die mit ihren Säuglingen die Klassen besuchen. „Die Familien machen das total gern“, sagt van der Beek. Für viele Mütter, die vor der Geburt berufstätig waren, sei es eine willkommene Chance, ehrenamtlich tätig zu werden. Die Verbindung zu ihnen komme meistens über soziale Einrichtungen und Hebammen zustande.

Die Trainer werden von „Roots of Empathy“ gesucht, sie sollten möglichst englischsprachig sein und würden gründlich geschult, so van der Beek. Eine, die als Trainerin Erfahrungen mit dem Programm gesammelt hat, ist Jacqueline Genssler, die inzwischen auch als Projektkoordinatorin für Bremen aktiv ist. Nach ihrer Schulung 2012 habe sich ein „Wow-Effekt“ eingestellt, sagt sie. Zu sehen, wie die Kinder auf die Babys reagierten, aus den Beobachtungen zu sich selbst und ihren eigenen Gefühlen gelangten, sei toll. Die in den Unterrichtseinheiten gemachten Erfahrungen ließen sich in andere Fächer und den Alltag überführen. „Da gibt es Momente, die gehen unter die Haut“, sagt sie. „Jeder, der mitmacht, nimmt etwas mit“, ist sie überzeugt.

Man schätze die gemachten Erfahrungen und befürworte die Ausweitung auf weitere Oberschulen mit Ganztagsangebot, so ein Sprecher der Bildungsbehörde: „Das Projekt passt in die Schullandschaft und dient dem Zusammenwachsen.“

Roots of Empathy, Infoabend am 22. Juli, 19 Uhr, Bürgerhaus Weserterrassen, Anmeldungen und Näheres auch bei Jacqueline Genssler, 0171/7750995, oder per E-Mail an

jgenssler@rootsofempathy.org.

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