Speicher XI Wo tanzhungrige Leute satt werden

Der Speicher XI hat im Roten Salon zur Ü30-Party geladen. Getanzt wurde zu einem bunten Mix aus alten und neuen Liedern und unterschiedlichen Stilrichtungen.
20.01.2019, 21:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus

Es ist gerade mal 20 Uhr und doch ist die Tanzfläche im Roten Salon im Speicher XI bereits gut gefüllt. Denn die Ü30-Party Tanz im Glück startet, gemäß des eher fortgeschrittenen Alters des Zielpublikums, zu einer etwas früheren Stunde. „Tanzen, tanzen, tanzen“, lautet die Aus- und Ansage der Neustädterin Astrid Kohl auf die Frage, was sie in den nächsten Stunden zu tun gedenke. Sie sei zum ersten Mal hier, verrät sie, genauso wie Jana Krämer, die ebenfalls aus der Neustadt kommt. „Eine Freundin hat mich mitgenommen und ich erwarte gute Musik und unterschiedliche Leute.“

Derweil legt Gastgeber Jörg Gebauer einen bunten Mix aus alten und neuen Liedern und unterschiedlichen Stilrichtungen auf, was auch Waltraud von Hofe gefällt: „Ich bin von Anfang an hier und komme immer extra aus Fischerhude. Hier sind Menschen, die Lust haben zu tanzen und hier können sie auch tanzen, wie sie wollen.“ Insgesamt sei es eine ganz tolle Atmosphäre. „Da kann man auch als Frau mal alleine herkommen“, sagt sie noch, wobei sie heute gar nicht alleine da ist: Ihr Mann Erich ist dabei und sagt: „Zwei bis drei Stunden tanzen, das macht einfach Spaß. Das ist einfach alles passend – das Ambiente und dann ist auch noch alles Öko.“ Mit netten Freunden werde er nun ein paar Stunden verbringen: „Das ist toll, dass es sowas in Bremen gibt.“

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„Sowas“ gibt es nun seit mittlerweile zwei Jahren und es hat sich anscheinend herumgesprochen, dass diese Veranstaltung etwas ganz Besonderes ist: Getanzt wird, wie es beliebt und gefällt, ein paar Standardtänzer gibt es auch. Der Raum ist, wie es der Name bereits verrät, in Rot gehalten, ein paar blaue Lichter hier und da. Und tatsächlich sind die Mittzwanziger genauso vertreten wie diejenigen, die das Rentenalter bereits erreicht haben. Der Ausspruch „Ich kann nicht tanzen“ ist hier völlig egal, hier tanzt jeder, wie er möchte und niemand schert sich darum. Darum geht es auch gar nicht, sondern allein darum, Spaß zu haben. Und ob es nun professionell aussieht oder ungelenk oder selbstvergessen: Jeder so, wie er will und be- oder verurteilt wird hier auch keiner.

Früher Beginn gefällt

„Der Raum ist toll, das Licht sehr angenehm“, sagt eine Besucherin am Rande der Tanzfläche. Und auch toll: „Dass schon um 20 Uhr getanzt wird, sonst muss man immer bis 22 Uhr warten.“ Rainer aus Schwanewede hingegen ist ein Freund des bunten Lichts, „und das ist hier ein bisschen wenig“, findet er. „Man muss aber dazu sagen: Das ist eine Gelegenheit für Leute über 50 oder 60 Jahre, hier zu tanzen, für Ältere gibt es sonst nichts.“

Ein bisschen dunkel findet es Elke Kuhkowski aus der Überseestadt die Location zwar auch, doch die Stimmung findet sie gut: „Und im Publikum ist von allem etwas dabei, Jung und Alt.“ Sie ist ebenfalls zum ersten Mal hier: „Es hat sich rumgesprochen, dass die Musik etwas moderner ist als in der Union-Brauerei.“ Es gibt aber ebenso Musik aus den Siebziger- und Achtzigerjahren, was Klemens Schinzel aus Walle begrüßt: „Damit bin ich groß geworden, die Musik ist zum Tanzen genau richtig.“

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Die Mischung macht´s anscheinend, das weiß auch Organisator Jörg Gebauer, der unter anderem auch den „Jungbrunnen“ im Bürgerhaus Weserterrassen veranstaltet: „Ich wollte aber hier im Roten Salon keinen zweiten Jungbrunnen etablieren, sondern bei Tanz im Glück ein Kontrastprogramm machen: Swing, Global Pop, Weltmusik, Polka und auch ein paar Oldies.“

Die Leute sind sehr tanzhungrig

Die allgemeine Entwicklung gehe ja doch sehr in Richtung Einheitsrhythmus, dem wollte er entgegenwirken. „Und das finde ich bei Tanz im Glück auch so toll: Die Leute dort sind sehr tanzhungrig.“ Wenn er bei Veranstaltungen in der Music Hall in Worpswede oder beim Jungbrunnen etwas Unbekanntes spiele, dann würden sich die Leute erst einmal ein Bier holen. „Doch hier kommen die Leute um 20 Uhr und tanzen los, das ist für einen DJ ideal.“

Von Anfang an sei Tanz im Glück jedoch nicht der große Erfolg gewesen, erinnert er sich: „Das hat schon eine Weile gedauert und die Leute fragten schon, warum ich nicht die Musik spielen würde, die ich sonst spiele. Und dann ist es ja auch nicht so einfach, hierher mit dem Auto hinzukommen.“ 180 bis 200 Leute seien zu den Anfängen gekommen, „Stammgäste konnten damals auf der Tanzfläche von links nach rechts fliegen“, doch das habe sich nun geändert: Mit der laufenden Veranstaltung habe er alles erreicht, was er sich gewünscht habe: „Für mehr ist der Saal auch nicht ausgerichtet.“

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Für den Erfolg sei aber auch eine Menge Aufbauarbeit nötig gewesen: Artwork, Organisation, Disk-Jockey und im Falle des Roten Salons auch Gastronomie: Das alles macht Jörg Gebauer selbst und bringt dafür sogar die Kühlschränke und die Getränke mit, die alle Bio sind. Und es gibt keine hochprozentigen Sachen – auch ein Teil des Konzepts, sagt Jörg Gebauer: „Spaß entsteht durch Tanzen, nicht durch Betrinken.“

Das nächste Mal gibt es „Tanz im Glück“ am Sonnabend, 9. Februar, im Roten Salon, Speicher XI, Haus 1. Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt kostet sieben Euro.

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