Frage der Woche

Wofür stehen der Roland und seine Ausrüstung?

Bremen. Der Roland feiert am 5. November seinen 607. Geburtstag. Er ist ein wichtiges Wahrzeichen der Hansestadt. Doch welche Bedeutung hat der Roland und seine Ausrüstung? Das klären wir in der Frage der Woche.
04.11.2011, 12:28
Lesedauer: 2 Min
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Von Carolin Küter

Bremen. Üppige Haarpracht, hautenge Lederkutte und ein blank glänzendes Schwert: Als der Roland 1404 auf dem Bremer Marktplatz aufgestellt wurde, war er modisch voll im Trend. Am 5. November wird das Bremer Wahrzeichen 607 Jahre alt.

Mitten in Bremens Innenstadt steht ein sagenumwobener Kriegsheld, der als Freiheitssymbol auch das weltweit größte seiner Art ist: der Roland. Es heißt, der junge Ritter sei ein Neffe Karls des Großen gewesen und habe das Heer seines Onkels im achten Jahrhundert in den Pyrenäen in einem Gefecht gegen die Basken gerettet. Überliefert ist die Sage im mittelhochdeutschen „Rolandslied“, das von seinen Heldentaten erzählt. Seit 1404 ziert die Statue den Bremer Marktplatz als Symbol für die Unabhängigkeit der Stadt. Doch warum ist gerade diese Figur für Bremen so wichtig?

„Die Errichtung der Rolandstatue war die erste Etappe auf dem Weg zur Autonomie Bremens“, sagt Konrad Elmshäuser, Leiter des Bremer Staatsarchives. Vom Rat der Stadt errichtet, sei sie zusammen mit einem Rathausneubau Teil eines „Großbauprogrammes“ zur Betonung des Unabhängigkeitsstrebens der Bremer Bürgerschaft gewesen. „Die Stadt stand damals unter der Herrschaft des Erzbischofs, hat aber als freie Hansestadt agiert“, so Elmshäuser. Wirtschaftlich ging es Bremen immer besser und die Stadt habe ihrem Bestreben nach mehr Marktrechten und Autonomie Ausdruck verleihen wollen.

Von diesem Freiheitsstreben zeugt auch das Wappenschild mit dem doppelköpfigen kaiserlichen Reichsadler und dem Spruch: „Freiheit verkündige ich euch, die Karl und mancher andere Fürst, fürwahr, dieser Stadt gegeben hat.“ Bremen habe freie Reichsstadt werden wollen, so Elmshäuser. Einen Status, den es erst 1647 vollständig zugesprochen bekommen hatte. „Karl“ ist der vermeintliche Onkel des Soldaten Rolands, „mancher andere Fürst“ spielt auf die Rechte an, die die Stadt in den vergangenen Jahrhunderten durch Könige, Fürsten und Fürstbischöfe erhalten hatte.

Symbolische Ausstattung

Die für die Zeit typische Ausstattung der Rolandstatue ist mit vielen weiteren Symbolen versehen. Elmshäuser erklärt: „Der Engel auf der Gürtelschnalle zeugt von dem himmlischen Auftrag im christlichen Kampf.“ Da der Roland im siegreichen Kampf gegen die Pyrenäen sein Leben gelassen haben soll, findet sich auch noch eine Rose auf der Schnalle. „Ein allgemeines christliches Symbol für Märtyrer.“ Das Schwert selbst stehe für die „wehrhafte Gestalt“ des Ritters.

Ganz praktischen Nutzen hat die Ausrichtung der Knie des fünfeinhalb Meter Mannes. Der Abstand misst genau eine Bremer Elle, ein Maß, das im Mittelalter verwendet wurde. Die Händler auf dem Marktplatz haben ihre Einkäufe so gleich zur Überprüfung an die Knie des Rolands halten können.

Bereits im 19. Jahrhunder am „Tag der wiedergefundenen Freiheit“, dem 5. November, haben die Bremer die Befreiung von den napoleonischen Truppen und den Geburtstag des Freiheitssymbols gefeiert. In den 1970er Jahren war der Brauch für kurze Zeit wieder aufgelebt. 2008 hat die Tourismus-Zentrale ihn offiziell wieder eingeführt. Auch in diesem Jahr lädt die Bremer Touristik-Zentrale alle Interessierten ein, den 607. Geburtstag des Wahrzeichens am Samstag mitzufeiern.

Wie gut kennen Sie die wichtigste Statue der Stadt? Testen Sie ihr Wissen in unserem Quiz.

Auch in der kommenden Woche werden wir wieder einen Experten zu einem aktuellen Thema befragen. Haben auch Sie eine Frage? Dann schreiben Sie uns bis Mittwochabend, 9. November, eine E-Mail an onlineredaktion@weser-kurier.de.

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