Verein für Ambulante Versorgungsbrücken sucht noch Mitstreiter und warnt vor Enkeltrick Wohlfühlanrufe aus der Humboldtstraße

Wie ein Plausch über den Gartenzaun – so sollen die Wohlfühlanrufe des Vereins Ambulante Versorgungsbrücken wirken. Und da weiß jeder, mit wem er es zu tun hat. Um sicherzugehen, dass das am Telefon auch so ist, hat Elsbeth Rütten, die Vorsitzende des Vereins, ein Sicherheitskonzept ausgetüftelt. Außerdem können sich noch Ehrenamtliche melden, die Anrufe machen möchten.
25.08.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Katharina Hirsch

Wie ein Plausch über den Gartenzaun – so sollen die Wohlfühlanrufe des Vereins Ambulante Versorgungsbrücken wirken. Und da weiß jeder, mit wem er es zu tun hat. Um sicherzugehen, dass das am Telefon auch so ist, hat Elsbeth Rütten, die Vorsitzende des Vereins, ein Sicherheitskonzept ausgetüftelt. Außerdem können sich noch Ehrenamtliche melden, die Anrufe machen möchten.

Fesenfeld. "Wir sind keine Therapeuten, wir machen keine Telefonseelsorge – wir plaudern mit den Senioren über dies und das, was auch immer gerade ansteht", sagt Elsbeth Rütten, die Vorsitzende des Vereins für ambulante Versorgungsbrücken. Viel zu oft würden solche telefonischen Dienste darauf reduziert, die Einsamkeit alter Menschen ein wenig zu lindern.

Das ist nicht der Ansatz des Vereins. "Wir haben Kunden, die mit ihren Angehörigen zusammenleben", sagt die Vereinsgründerin, eine gelernte Krankenschwester. "Aber manchmal bleibt den Verwandten nicht genügend Zeit, um neben dem eigenen Beruf und Leben sowie Organisationsleistungen für den älteren Menschen auch noch für lange Gespräche offen zu sein." Die 15 Frauen, die sich den ehrenamtlichen Telefondienst teilen, nehmen sich einmal die Woche oder öfter Zeit für eine Klientin oder einen Klienten. Sie bringen auch ungewohnte Perspektiven ins Gespräch oder geben Denkanstöße.

Manchmal wünschen sich die alten Menschen, ihre Anruferinnen auch mal zu treffen. Und den Ehrenamtlichen fällt es ebenfalls manchmal schwer, auf die Hör-Ebene beschränkt zu sein. "Am Anfang fand ich es schon schwierig, kein Gegenüber zu haben, das ich ansehen konnte", sagt die Neustädterin Karin Fuhrmann. In ihrem Berufsleben beim Paritätischen Dienst war sie es gewohnt, auch die nonverbale Sprache der Mimik und Gestik zu berücksichtigen. Doch bisher sind Kontakte von Angesicht zu Angesicht nicht vorgesehen.

Manche Senioren, vermutet Elsbeth Rütten, haben Bedenken, das Angebot der Wohlfühlanrufe anzunehmen, schließlich werde immer wieder zu Recht vor Trickbetrügern gewarnt. Der Verein hat deshalb ein Sicherheitskonzept. "Unsere Anrufe kommen einzig und allein hier aus dem Büro", versichert die Vorsitzende. Telefonate vom Handy oder von privaten Anschlüssen der Mitarbeiterinnen sind untersagt, und niemand kommt ins Haus.

Über 130 Empfänger

Über 130 Seniorinnen und Senioren erhalten Wohlfühlanrufe aus dem Fesenfeld – nicht nur in Bremen, sondern auch in anderen Bundesländern. Wenn ein Angerufener unsicher sei, ob der Anruf wirklich aus der Humboldtstraße 126 komme, solle er unbedingt den Mut haben, nachzufragen, sagt Elsbeth Rütten. "Ältere Menschen müssen sich schützen, das ist wichtig", insistiert die engagierte Frau, die selbst Rentnerin ist. Im Zusammenhang mit den Wohlfühlanrufen seien die sogenannten "Enkeltricks" ausgeschlossen. Mit Aufklärung über kriminelle Maschen versucht die Polizei seit vielen Jahren, Menschen im Großelternalter davor zu bewahren, ausgenommen zu werden. Betrüger geben sich als Enkel oder als Freunde der Enkel aus, erzählen, sie seien in der Nähe, und in der Regel bräuchten sie Geld. Manchmal fragen sie sehr konkret nach Pin-Nummern oder Scheckkartendaten. Schockanrufer erschrecken die Angerufenen damit, dass Angehörige einen Unfall gehabt hätten, im Krankenhaus lägen oder wegen eines Deliktes von der Polizei festgehalten würden und mit Geld ausgelöst werden müssten.

Solche Fragen oder Aussagen kämen nie vom Verein Ambulante Versorgungslücken, betont Elsbeth Rütten noch einmal. Für die Arbeit am Telefon werden die Ehrenamtlichen überdies in einem dreimonatigen Lehrgang über Schweigepflicht, Versicherungsschutz und Sicherheitsbestimmungen unterrichtet. Sie erproben Methoden der Konfliktbewältigung, lernen das Zuhören noch einmal ganz neu und achten im Zweifelsfall auch darauf, ob vielleicht einmal tatsächlich konkrete Hilfe notwendig ist.

Mit Aufklärungsarbeit über Situationen, in denen Patienten Hilfe brauchen oder auf die sie sich vorbereiten sollten, hatte der Verein seine Arbeit aufgenommen. Und auch diese Arbeit geht weiter. Ein einfaches Beispiel: "Jede schwangere Frau packt sich ein Krankenhaus-Köfferchen mit den wichtigsten Utensilien", sagt Elsbeth Rütten. "Mit dem Alter steigt die Gefahr, zu fallen und sich einen Knochen zu brechen. So ein Köfferchen kann sich also auch ein älterer Mensch für den Fall der Fälle hinstellen." Die Mitarbeiterinnen des Vereins wüssten, "wo und wie wir Versorgungsbrücken bauen können", und täten es dann auch. Am 12. Oktober startet ein neues Seminar zur Ausbildung für neue Wohlfühlanrufer.

Wohlfühlanrufe gibt es nur auf Festnetznummern. Mehr unter Telefon 3809734 und im Internet unter www.wohlfühlanrufe.de.

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